Burgdorf

Auch Peter Spuhler gab seinen Segen

BurgdorfAn der diesjäh­rigen Modellbahnausstellung in Burgdorf zeigen Christoph Aeschimann und Irina Wüthrich den schweizweit ersten RBS-Niederflurzug für die Gartenbahn.

Christoph Aeschimann und Irina Wüthrich haben die Zustimmung des Herstellers und des RBS, den Zug serienmässig nachzubauen.

Christoph Aeschimann und Irina Wüthrich haben die Zustimmung des Herstellers und des RBS, den Zug serienmässig nachzubauen. Bild: Thomas Peter

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es bedarf schon eines guten Sehvermögens und etwas Geduld, bis man einen der Türknöpfe sieht. Hat man ihn jedoch entdeckt, ist man überrascht und fasziniert zugleich. Denn der flohgrosse Knopf zum Öffnen der Zugtüre sieht aus wie beim Original, dem RABe 4/12 NExT – nur 22½-mal kleiner. Denn genau in diesem Massstab hat Christoph Aeschimann den orangefarbenen Niederflurexpress des Regionalverkehrs Bern-Solothurn (RBS) nachgebaut.

Und so passen die insgesamt drei Waggons auch problemlos in die Küche von Christoph Aeschimann und seiner Lebensgefährtin Irina Wüthrich im solothurnischen Mühledorf. Denn nicht selten baut ­Aeschimann hier bis in die frühen Morgenstunden an seiner Bahn.

Die Klebefolie

Noch sind die drei Waggons nicht ganz fertig, doch bis zum Wochenende sollte möglichst alles geklebt, montiert und elektri­fiziert sein. Dann findet nämlich in der Tennishalle in Burgdorf die Modellbahnausstellung statt. Dort will das Paar sein Gartenbahnmodellprojekt, was ihm Fachjargon Spur G heisst, erstmals öffentlich präsentieren. ­Aeschimann gesteht, dass er vor dieser Feuertaufe schon etwas Respekt habe. Obwohl es für einen Laien nach Präzisionsarbeit im höchsten Mass aussieht, könnte allenfalls ein Fachmann noch einige Detailmängel finden.

Der Türknopf

Aeschimann weiss dies aus Erfahrung, denn er ist selbst ein Experte, und bei ihm muss immer alles möglichst bis ins kleinste Detail stimmen. In diesem Fall ist es umso schwieriger, diesen Ansprüchen gerecht zu werden: Er hat den NExT von A bis Z selbst hergestellt. Den Türknopf zum Beispiel hat er zuerst fotografiert, danach via Computer skaliert, grafisch bearbeitet und auf eine Klebefolie gedruckt.

Die Waggons sind aus Holz gebaut, wie es unter anderem im Modellfliegerbau verwendet wird. Ebenso die Sitze. In unzähligen Stunden hat er Teilchen für Teilchen mit einer Laubsäge von Hand herausgesägt und geklebt. Danach wurde jedes Stück mehrmals geschliffen und mit bis zu je drei Schichten Grundierung und Farbe versehen.

Mit dem gleichen Eifer hat der gelernte Elektriker auch Käbelchen um Käbelchen gezogen und das Elektronikbauteil angeschlossen. Das Resultat: Die Innenbeleuchtung wie auch die RBS-Logos vorne am Zug leuchten – und sogar die Türen gehen auf Knopfdruck auf, und die Trittbretter werden ausgefahren. «Wir haben weltweit den ersten NExT-Niederflurzug in Spur G hergestellt, bei dem das funktioniert», sagt Aeschimann.

Der NExT-Blog

Mit wir meint er seine Partnerin Irina Wüthrich und sich. Die Primarlehrerin hilft nicht nur bei administrativen Arbeiten, sie schreibt auch einen NExT-Blog, den Aeschimann, wie könnte es anders sein, technisch aufgesetzt hat. Auch die Ausarbeitung einer zweidimensionalen Seitenansicht für den NExT hat der Hobbyeisenbähnler selbst angefertigt – aus einem einfachen Grund: «Es gibt keine Originalpläne», sagt Irina Wüthrich.

Dies war auch das Motiv, wieso die beiden unzählige Male die Strecke Bern–Solothurn fuhren. Ausgerüstet mit einer Spiegelreflexkamera und einem 360-Grad-Fotoapparat wurden viele Details aufgenommen. Immer wieder wartete das Paar beim Bahnhof Bätterkinden oder auf offener Strecke auf die Durchfahrt der Züge.

Der Brief

Doch Pläne zeichnen ist das eine, das andere ist die Anfertigung des Zuges. Denn Christoph Aeschimann und Irina Wüthrich möchten den NExT in Serie bauen. Das würde heissen: «Die Leute können bei uns eine fertige Bahn bestellen», sagt Irina Wüthrich. Vorgesehen sind drei Varianten in verschiedenen Preisklassen, die jedoch später noch indivi­duell ausgebaut werden können.

Doch von Gesetzes wegen sollte ein Zug nicht einfach so nachgebaut und verkauft werden. Dazu braucht es eine Genehmigung des Herstellers. Und so hat ­Aeschimann Peter Spuhler, damals noch operativer Leiter des NExT-Herstellers Stadler Rail, eine Anfrage geschickt und ihm sein Vorhaben geschildert. Postwendend kam die gewünschte Antwort, in einem Brief drückte Spuhler seine Freude aus und gab sein Einverständnis.

Eine zweite Zustimmung brauchte es zudem vom RBS für die Verwendung der Logos. Aber auch er gab ohne weiteres das Okay. Und was Christoph Aeschimann besonders freut: «Als Geschenk sandte mir der RBS die Originalschablone, die für die ersten originalen NExT-Signete verwendet wurde.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.05.2018, 06:10 Uhr

Die Ausstellung

Alle zwei Jahre findet die Modellbahnausstellung in Burgdorf statt. «Früher kamen die Eisenbahnfans an der Suisse Toy in Bern auf ihre Kosten», erklärt OK-Mitglied Livio Locatelli. Doch nachdem man die Vereine und ihre Modellbahnen aus der Spielzeugmesse verbannt habe, habe eine Gruppe von «Eisenbähnlern» eine neue Plattform gesucht, so Locatelli. Erstmals stattgefunden hat die Modellbahnausstellung in der Emmestadt 2012. «Damals noch mit mässigen Besucherzahlen.» Seither seien es von Jahr zu Jahr mehr Personen. Zu sehen sind heuer 20 in Betrieb ste­hende Anlagen. Ausserdem gibt es Workshops, und es hat Verkaufsstände mit neuen und ­gebrauchten Eisenbahnteilen. Die Ausstellung findet von Samstag bis Pfingstmontag in der Tennishalle, Zähringerstrasse 39 in Burgdorf, statt.

Artikel zum Thema

RBS erhält 500 Namensvorschläge für neue S-Bahn-Züge

Der RBS sucht einen Namen für seine neuen Züge. Über 500 Vorschläge sind beim Bahnunternehmen eingegangen. Mehr...

«Ich hatte dieses Bild immer im Kopf»

Wangenried Modelleisenbahnen begleiten Romano Schlup schon sein ganzes Leben. Im Kunsthof lässt er nun seinen Kindheitstraum auf Schienen aufleben. Mehr...

Die letzte Fahrt der Modelleisenbahn

Schwarzenburg Am Samstag fährt die Modelleisenbahn in Schwarzenburg zum letzten Mal. ­Wegen der Sanierung der ­Bernaville-Gebäude und ihres Alters wird sie abgerissen. Mehr...

Paid Post

Nachhaltig investieren lohnt sich

Bei Privatanlegerinnen und -anlegern ist nachhaltiges Investieren noch wenig verbreitet. Dabei bringt es einen doppelten Gewinn.

Kommentare

Blogs

Sweet Home 10 Rezepte für den Sommerbrunch

Tingler Semantische Nischen

Die Welt in Bildern

Alle Bienen bitte hier entlang: In blumiger Tracht laufen Teilnehmer eines Umzuges anlässlich des Pfingsttreffens der Siebenbürger Sachsen durch das deutsche Dinkelsbühl. (20. Mai 2018)
(Bild: DPA/Timm Schamberger) Mehr...