Langnau

Auch Landwirte wollen das Eisfeld

LangnauMartin Leuenberger ist als Leiter der Tigers-Fanszene überzeugt, dass es das zweite Eisfeld braucht. Aber er ist auch Landwirt – und wird nun dauernd auf das Verhalten seiner Berufskollegen angesprochen.

Martin Leuenberger ist Viehzüchter, kämpft aber trotzdem für das zweite Eisfeld in Langnau. Denn wie viele Bauern ist auch er ein Tigers-Fan.

Martin Leuenberger ist Viehzüchter, kämpft aber trotzdem für das zweite Eisfeld in Langnau. Denn wie viele Bauern ist auch er ein Tigers-Fan. Bild: Marcel Bieri

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Einer habe geschrieben, er werde künftig nicht mehr direkt bei Bauern im oberen Emmental einkaufen. Martin Leuenberger hat in den Internetforen der Tigers-Fans manchen bösen – gegen Landwirte gerichteten – Kommentar gelesen. Als bekannt wurde, dass der Verband Markthalle Oberes Emmental eine Einsprache deponiert hat gegen das Baugesuch für das zweite Eisfeld neben der Ilfishalle, stiess das bei den Fans auf kein Verständnis.

Zwar wurde bisher noch kein ­anderer Standort für die regionale Viehvermarktung gefunden. Trotzdem müssten die Markthalle-Betreiber nicht befürchten, vom bisherigen Platz vertrieben zu werden. Selbst dann nicht, wenn Initiant Peter Jakob die Baubewilligung für das zweite Eisfeld in der Tasche hätte. Denn später wird der Vorstand explizit die Einwilligung zum Abriss der bestehenden Markthalle erteilen müssen, sonst tut sich gar nichts beim Eisstadion.

Dieses zweistufige Verfahren wurde mit dem Regierungsstatthalteramt so definiert, damit Jakob mit einem bewilligten Projekt die Suche nach Investoren angehen könnte. Doch den Verantwortlichen für die Markthalle war das zu wenig sicher, wie sie mit der Einsprache bewiesen.

Kritik an «den Bauern»

«Engstirniges Gartenhag-Denken» und Geldgier wird dem Verbandsvorstand aus Fankreisen nun vorgeworfen – respektive eben nicht dem Vorstand, der die Einsprache verantwortet, sondern «den Bauern». Und das stört Martin Leuenberger gewaltig. Er ist selber Landwirt und betreibt zusammen mit seiner Frau deren elterlichen Betrieb in Biembach. Gleichzeitig ist der 35-Jährige Leiter der Fanszene der SCL ­Tigers, also jener Organisation, die an den Hockeyspielen die Choreografie und den Fangesang dirigiert.

«Unter den Fans herrscht eine tiefe Einigkeit, dass es das zweite Eisfeld braucht», sagt Bruno Wüthrich, Präsident des Fanclubs SCL Tigers. Das steht auch für Leuenberger ausser Frage. Jetzt macht er sich Sorgen, Peter Jakobs Ausbauprojekt könnte am Widerstand der Markthalle-Verantwortlichen scheitern.

Dann würde es heissen, «die Bauern» hätten es verhindert. Doch genau das will Leuenberger nicht gelten lassen. Er gibt zu bedenken, dass sich die Fangemeinde der SCL Tigers zu mehr als der Hälfte aus Landwirten oder mit der Landwirtschaft Verbundenen zusammensetze. Viele von ihnen hätten ebenso wenig Verständnis für das Vorgehen des Markthalle-Vorstandes wie die übrige Bevölkerung.

Bedeutung der Markthalle

Martin Leuenberger sah sich in den letzten Wochen denn auch oft gezwungen, sich von «den Bauern», die die Einsprache eingereicht hatten, zu distanzieren. Immer wieder sei er auf deren Vorgehen angesprochen worden. Leuenberger, der selber Milchwirtschaft betreibt und Vieh züchtet, weiss durchaus um die Bedeutung der regionalen Viehvermarktung.

Wenn an einem Platz mehrere Händler zusammenkämen, könnten bessere Preise erzielt werden, als wenn der Käufer auf den Betrieb komme. Und weil das obere Emmental wegen der stetig hohen Qua­lität als «Hochburg der Viehzucht» gelte, sei eine Markthalle in dieser Region zweifellos un­abdingbar. Komme hinzu, dass Tierausstellungen für viele Züchter und ihre Familien ein Highlight darstellten und sie einen ­hohen gesellschaftlichen Stellenwert hätten.

«Der Vorstand spielt unfair»

Trotzdem hofft Leuenberger inständig, dass der Vorstand seine Einsprache zurückzieht und ­Peter Jakob seine Pläne vorantreiben kann. Denn schliesslich handle es sich bei diesem nicht um einen windigen ausländischen Investor, «sondern um einen von uns, der zu seinem Wort steht».

Der Verband Markthalle Oberes Emmental jedoch spiele «unfair». Der Fanszene-Präsident bezieht diesen Vorwurf auf die Tatsache, dass der Vorstand anfänglich gesagt hatte, er könne sich die Integration der Markthalle in den Neubau vorstellen, dann aber, als Jakobs Planung bereits angelaufen war, eine Kehrtwende vollzog.

Jetzt will er an der alten Halle festhalten, sofern sich in der Umgebung von Langnau keine gleichwertige Lösung für die Viehvermarktung finden sollte.

Appell ans Miteinander

«Unter den Fans kursiert die Angst, Peter Jakob könnte plötzlich aufgeben», sagt Leuenberger. «Das wäre schlecht für die Tigers und würde dem Image der Oberemmentaler Bauern stark schaden», ist er überzeugt und hält fest: «Wir sitzen alle im gleichen Boot.»

Im oberen Emmental, wo man generell nicht im Überfluss lebe, könne man es sich nicht leisten, sich gegenseitig «Eier ins Nest zu legen». Noch hofft der Fanszene-Präsident, dass sich ein alternativer Standort für die Markthalle finden lässt. Wenn nicht, erwartet er vom Vorstand des Verbands Markthalle Oberes Emmental, dass er über seinen Schatten springt und Ja sagt zu einer gemeinsamen Lösung am alten Standort.

«Peter Jakob hat viel getan für die Region. Und er hat eigentlich alles richtig gemacht», hält Martin Leuenberger fest. «Er hat das Misstrauen nicht verdient.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.08.2017, 17:17 Uhr

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