Asylbewerber dürfen nicht mehr radeln

Seit Anfang Jahr können im Emmental keine Asylbewerber mehr beschäftigt werden. Auch im Hauslieferdienst von Intact fahren sie nicht mehr.

Unterwegs zum Kunden: Ein Kurier des Hauslieferdienstes (Archivbild/Marcel Bieri)

Unterwegs zum Kunden: Ein Kurier des Hauslieferdienstes (Archivbild/Marcel Bieri)

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Der Velohauslieferdienst in Langnau ist eine Erfolgsgeschichte für die Stiftung Intact. Vor zehn Jahren startete er mit 3,5 Beschäf­tigungsplätzen zur beruflichen Integration langzeiterwerbsloser Menschen. Diese wurden von den Anschlussgemeinden des Regionalen Sozialdienstes Oberes Emmental finanziert.

Doch immer mehr Kunden wollten sich ihre Einkäufe nach Hause bringen lassen. Die Gemeinde Langnau finanzierte ab dem zweiten Jahr ebenfalls 2,5 Einsatzplätze, dank denen arbeitslose Menschen eine Beschäftigung fanden und die ihnen die Rückkehr in den ersten Arbeitsmarkt ermöglichen sollten. Mehr als die Hälfte der rund 20 Einsatzplätze, die inzwischen in Langnau angeboten werden, berappe der Kanton, gibt Theophil Bucher, Co-Geschäftsleiter der Stiftung Intact, zu bedenken.

Weil die Dienstleistung so stark nachgefragt worden sei, sei es für Intact auch kein Problem gewesen, weitere Plätze für Asylsuchende bereitzustellen. 2013 seien dies bloss einzelne gewesen, ab 2014, als in Burgdorf, Hindelbank und Schafhausen Asylzentren eröffnet wurden, stieg die Zahl an.

Rechtsgrundlage fehlt

Von 2015 bis 2017 leisteten Asylbewerber in der Stiftung Intact jeweils 20'000 bis 30'000 Einsatzstunden pro Jahr. Im Rahmen der gemeinnützigen Beschäftigungsprogramme wurden diese vom Migrationsdienst finanziert. Er hat die Stiftung Intact also für die Einarbeitung, die Betreuung und das Bereitstellen der Infrastruktur bezahlt.

Doch seit dem 1. Januar 2018 darf Intact keine Asylsuchenden mehr beschäftigen. «Dafür fehlt die Rechtsgrundlage», erklärt Theophil Bucher. Denn als das Berner Stimmvolk letzten Frühling den Asylsozialhilfekredit ablehnte, traf das nicht bloss die Unterbringung der unbegleiteten minderjährigen Asylbe­werber. «Es war selbst uns nicht bewusst, dass der Entscheid auch die Beschäftigungsprogramme tangieren würde», sagt Bucher.

Doch nun falle der grösste Teil der bisher durch den Migrationsdienst finanzierten Beschäftigung weg. Und weil die Heilsarmee nicht bereit sei, vom verbleibenden Kontingent einen Teil der Stunden für Asylsuchende im Emmental bereitzustellen, seien diese in der Region aktuell zum Nichtstun verurteilt.

Es führte im Hauslieferdienst zu personellen Engpässen, als die Asylsuchenden nicht mehr auf die Piste geschickt werden konnten. Man möchte zwar meinen, es müsste genügend Arbeitslose geben, die auf einen Platz in einem Beschäftigungsprogramm hoffen.

Aber so einfach sei es nicht, die Stellen im Hauslieferdienst wieder zu besetzen. Denn diese Arbeit gelte als «hochschwellig», sagt Bucher: «Die Beschäftigten müssen sportlich, gesund, leistungsfähig und motiviert sein.» Der grösste Teil der von den Sozialdiensten zugewiesenen Personen komme für diese Arbeit nicht infrage.

Co-Geschäftsleiter Bucher ist froh, dass das Asylwesen in absehbarer Zeit neu organisiert wird. «Wir hoffen, dass das mehr Verlässlichkeit bringen wird», sagt er. «Und wir möchten in der agogischen Beschäftigung von Asylsuchenden wieder eine Rolle spielen können.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.01.2018, 19:04 Uhr

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