Bätterkinder wollen kein Bahndepot

Bätterkinden

Wie erwartet, stiess der Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS) mit seinen Plänen für ein neues Depot beim Bahnhof auf wenig Gegenliebe. In einer ­intensiven Diskussion zeigte sich rasch: Die Anwohner befürchten nächtlichen Lärm.

Umstrittene Pläne: In der Leimgrube, zwischen Kartoffelzentrale (lange Halle rechts) und dem Gebäude der BKW (links), plant der Regionalverkehr Bern-Solothurn ein neues Depot. Dort sollen bis zu 16 Züge abgestellt und instand gehalten werden können.

Umstrittene Pläne: In der Leimgrube, zwischen Kartoffelzentrale (lange Halle rechts) und dem Gebäude der BKW (links), plant der Regionalverkehr Bern-Solothurn ein neues Depot. Dort sollen bis zu 16 Züge abgestellt und instand gehalten werden können.

(Bild: Thomas Peter)

Zum zweiten Mal in den vergangenen Monaten war die Saalanlage in Bätterkinden wegen einer Informationsveranstaltung des Regionalverkehrs Bern-Solothurn (RBS) fast voll besetzt. Auch das Thema war das gleiche wie im Mai. Und letztlich war auch die Stimmung ähnlich wie damals. Die Diskussion verlief zwar äusserst gesittet und fair, doch die Meinungen der Bätterkinder waren ausnahmslos klar: Skeptisch bis ablehnend beurteilen sie das Projekt des RBS.

Warum ein neues Depot?

Das Regionalverkehrsunternehmen braucht ein neues Bahn­depot. Um in Zukunft mehr Fahrgäste transportieren zu können, plant der RBS, zwischen Solothurn und Bern längere Züge (180 Meter) einzusetzen. Für die Verlängerung der Züge brauche der RBS zusätzliche Fahrzeuge, erklärte dessen Direktor Fabian Schmid. Die heutigen Abstell­anlagen in Solothurn, Bern und Worblaufen seien bereits heute so ausgelastet, dass zusätzliche Züge keinen Platz mehr hätten.

Ausserdem könnten die Depots in Solothurn und Worblaufen nicht oder nicht in genügendem Masse ausgebaut werden, da an beiden Standorten der nötige Platz fehle. Im neuen Depot wird der RBS voraussichtlich 16 Züge ab- und bereitstellen. Daneben werde im Depot das Rollmaterial instand gehalten. Zwischen 40 und 50 Arbeitsplätze werden laut dem RBS an den neuen Depotstandort verlagert.

Auswirkungen sind geringer

So weit die Fakten. Im Mai präsentierte der RBS den Bätterkindern den Standort Stockacher am Bahngleis gegen Kräiligen. Doch schnell zeigte sich: Die Bevölkerung lehnt diesen ab. Der RBS ging deshalb über die Bücher. Er gab eine Studie in Auftrag, um weitere geeignete Orte zu finden.

Insgesamt 24 Standorte entlang der Strecke Solothurn–Bern hat das vom RBS beauftragte, unabhängige Planungsbüro Infraconsult bewertet. Letztlich fiel die Wahl auf den Standort Leimgrube neben der Kartoffelzentrale beim Bahnhof Bätterkinden.

Baulich und betrieblich sei der Standort Leimgrube für den RBS schwieriger umzusetzen als der Standort Stockacher, so Schmid. Die Gesamtauswirkungen auf Mensch, Landschaft und Natur seien hingegen in der Leimgrube geringer, weswegen der RBS diesen Entscheid im Sinne eines Kompromisses zugunsten einer ganzheitlichen Betrachtung gefällt habe.

Gemeinderatspräsident Beat Linder erklärte den Anwesenden, der Gemeinderat lehne das Vorhaben des RBS ab. Er sehe keine Vorteile für die Gemeinde. Bätterkinden wolle keine Zentrumsfunktion übernehmen, so Linder. «Andere Standorte haben in der Beurteilung ebenfalls gut abgeschnitten, deshalb erstaunt uns die Auswahl des RBS.»

Wo bleibt der Mensch?

In der Diskussion sagte gleich die erste Votantin: «Der Faktor Mensch kommt uns in dieser Studie zu kurz.» Viele Bürger äusserten Bedenken wegen der Zufahrten zum geplanten Depot. Wenn die Züge um die Kurve ins Depot führen, werde das zu Lärm führen – gerade weil der RBS von ­Betriebszeiten von etwa 5 Uhr morgens bis 1.30 Uhr nachts ausgeht. RBS-Direktor Schmid versuchte, die Gemüter zu beschwichtigen.

Der Lärm in den Kurven hänge von den Radien und den Tempi ab, mit welchen die Züge fahren würden. Laut dem RBS rollen die Züge mit weniger als zehn Kilometern pro Stunde ins Depot. «Es gibt bezüglich Lärm zudem Richtwerte, die wir selbstverständlich einhalten müssen», so Schmid.

Stiess erneut auf ein immenses Interesse: Die Informationsveranstaltung des RBS in Bätterkinden war sehr gut besucht. Das geplante Bahndepot spaltet das Dorf. Bild: Andreas Marbot

Am stärksten betroffen wären Bewohner an der Bubenbergstrasse und am Baumgartenweg. Einige von ihnen wohnen schon seit Jahrzehnten dort und befürchten, künftig mit noch mehr Lärm rechnen zu müssen. Schon heute sei es manchmal laut und an der Grenze des Zumutbaren, sagten einige. Schmid zeigte zwar Verständnis für die Anwohner, erwähnte aber auch, dass der RBS eben hundertjährig geworden sei und die Bahn schon länger bestehe als die dortigen Häuser.

Eine Frage war, ob es für dieses Projekt nicht einen Umwelt­verträglichkeitsbericht brauche. Schmid sagte, er gehe davon aus, dass es im Laufe des Bewilligungsverfahrens einen solchen geben werde. «Es gibt Zielkonflikte, die wir wohl nicht ganz wegbringen», erklärte er. «Aber wir möchten darüber diskutieren, schliesslich wollen wir auch eine gute Nachbarschaft haben, wenn das Depot gebaut wird.»

IG Riedbach als Vorbild

Am Ende meldete sich auch der Vertreter der Interessengruppe (IG) «Bätterkinden – für eine gesunde Dorfentwicklung». Diese will sich gegen das Vorhaben wehren und versucht nun, möglichst viele Bätterkinder zu mobilisieren. Das Hauptproblem sei die Zufahrt zum Depot, sagte auch der Sprecher der IG. Das werde Lärm verursachen.

Er störte sich daran, dass der RBS einen Standort nur deshalb favorisiere, weil es für das Unternehmen finanziell besser sei als an anderen Orten. Er verlangte, dass der RBS den Standort zusammen mit der Bevölkerung auswählen müsse. Man werde sich die IG Riedbach zum Vorbild nehmen, die sich mehr oder weniger erfolgreich gegen eine BLS-Werk­stätte einsetzt.

Schmid entgegnete, der RBS habe die Pflicht, die Zukunft zu planen – doch die Verantwortung obliege letztlich der Unternehmensleitung. Er begrüsse im ­Übrigen, dass es eine IG gebe. So habe der RBS Ansprechpersonen, und die Meinungen könnten ­gebündelt werden.

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