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Anstossen konnte am Ende nur eine

Vier Männer und zwei Frauen schmissen dem Publikum am Emmentaler ­Poetry-Slam die Worte nur so um die Ohren. Besser als alle anderen war dabei Lillemor Kausch.

Remo Rickenbacher legte sich ins Zeug, vergeblich: Er musste ohne den Siegerwhisky nach Hause gehen.
Remo Rickenbacher legte sich ins Zeug, vergeblich: Er musste ohne den Siegerwhisky nach Hause gehen.
Marcel Bieri

Das Langnauer Kellertheater platzte am Samstagabend schier aus allen Nähten. Auf dem Programm stand der Emmentaler Poetry-Slam, genannt Slam Now. Moderiert wurde der Anlass von «Erfinder» Peter Heiniger aus Oberfrittenbach. Er hat den Wortwettbewerb im Februar 2016 ins Leben gerufen. Bereits seine Einführung in den Abend, inklusive der Publikumsjury-Rekrutierung, war eine Klasse für sich. In den Startlöchern standen sechs Künstlerinnen und Künstler: Lillemor Kausch, Marc Sahli, Remo Rickenbacher, Marco Gurtner, Martina Hügi und Simon Libsig. Sie alle sind in der Szene längst keine Unbekannten mehr.

Buh rufen geht nicht

Hintersinniges, Sprachwitz, sprachliche Gewandtheit, Humor und natürlich gut gesetzte Pointen waren die wichtigsten Ingredienzien des Poetenwettstreites. Dabei dürfe das Publikum «weder Buh rufen noch das Handy offen haben». Die Slammer dagegen dürften vieles, nur nicht singen, flapste Heiniger. «Schliesslich ist es ein Dichterwettstreit mit selbst verfassten Texten.»

In der ersten Runde vergab das Publikum Noten, in der zweiten brachte die Intensität des Klatschens die Sprachpoeten weiter, sprich ins Finale. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Remo Rickenbacher, der seine Stimmlage bis ins gefühlte hohe C beherrscht, bemühte die Quantenmechanik inklusive der Vorteile eines rückwärts abgespielten Videos. «Alles eine Frage der Perspektive.» Bissig und in Reimform hinterleuchtete Simon Libsig das tägliche, gewaltfokussierte Medienfutter. Den lila Kühen und dem Älterwerden widmete sich Marc Sali. «Mit zunehmendem Alter kennt man mehr Verstorbene denn Lebende.»

Die Hippie-Sitte

Kein politisch korrektes Blatt vor den Mund nahm die auf Hochdeutsch parlierende Lillemor Kausch. «Es ist ein Tag vor der Hochzeit, die Hippie-Sippe rottet sich aus ganz Deutschland zusammen, um in die Schweiz zu kommen.» Irrungen und Wirrungen bleiben dabei nicht aus. Die gebürtige Berlinerin mit Wohnsitz in St. Gallen ist im ganzen deutschsprachigen Raum unterwegs und begeistert – auch in Langnau. Das Publikum grölte vor Vergnügen, wenn Lillemor Kausch über das Eizellenknacken von Spermien und deren Bezug zum Eierstock erzählte.

«Mit zunehmendem Alter kennt man mehr Ver­storbene denn Lebende.»

Marc Sali, Slam-Poet

Lachsalven erntete auch der Thuner Marco Gurtner. Er bediente sich skurriler Bilder aus dem Alltag, um sie dann genüsslich in ihre Einzelteile zu zerlegen. Wie etwa jenes des Skirennfahrers als angemalter Cervelat mit Swisscom-Werbung. Und wie er trotz seiner Liebe zu den Ratracs schlussendlich am Tellerlilift landete.

Nur eine Frisur

Derweil relativierte Martina Hügi in Thurgauerdialekt den Fitnesswahn und den damit einhergehenden Schlankheitskult. «Ohne unseren Kopf wäre unser Bauch nur eine runde Sache.» Und überhaupt sei Laufen bei Baden und nichts für sie. Daher habe sie seit vier Jahren keine Hobbys mehr. Nur eine Frisur. Dies koste etwa gleich viel wie ein Fitness­abo und baue die Arm- und Bauchmuskulatur auch auf.

Schlussendlich befand das Publikum, Lillemor Kausch und Martina Hügi gehörten in die Endrunde. Und so gab es im Finale von den beiden Frauen noch einmal ein Feuerwerk an fulminant-skurril Gesprochenem.

Die Flasche Whisky als Siegerpreis durfte schliesslich Lillemor Kausch in Empfang nehmen.

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