Ansichten und Absichten

Burgdorf

«Schichtweise» stellen Marisa Pedretti (Burgdorf) und Christiane Straub (Hasle) im Kulturkeller Alpina aus: Fotografien, Holzschnitte und Keramikwerke.

Premiere und Retrospektive: Marisa Pedretti und Christiane Straub zeigen ihre Werke in einer gemeinsamen Ausstellung im Alpina-Keller.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Vielleicht ist es gerade das Unspektakuläre, das wenig Prätentiöse, das die beiden Künstlerinnen in ihren Werken gemeinsam haben. Ihre sorgfältig ausgewählten Exponate sind nicht schreierisch und buhlen nicht um ultimative Aufmerksamkeit im Kulturkeller Alpina in Burgdorf. Vielmehr wecken sie durch ihre zurückhaltende Formen- und Bildsprache Lust auf mehr.

Spiegeln für die Optik

Marisa Pedretti setzt in ihren gespiegelten Fotografien gleichsam auf Ein- und Aussichten. Dabei werden Schaufenster in der Berner Altstadt zur Bühne erhöht um darin das Gespiegelte in ein etwas anderes Licht zu rücken. So werden etwa die Holzgeiss im Käse­laden, der runde Tachometer einer Harley Davidson oder die Bundeshauskuppel zu Nebendarstellern. Nebendarsteller darum, weil Pedrettis bunte Bildsujets nicht wie bei Touristenaufnahmen unmittelbar auffallen. Vielmehr muss man mehrmals hinsehen, um die Szenerie richtig einordnen zu können.

Die diplomierte Naturheilpraktikerin Marisa Pedretti, die ursprünglich aus dem Puschlav kommt, peilt ihre Fotosujets mit Bedacht und viel Musse an. «Dabei sind mir der richtige Fokus sowie der ästhetische Aspekt sehr wichtig», sagt Pedretti, welche ihre Bilder erst zum zweiten Mal öffentlich ausstellt: anlässlich ihrer 25-jährigen Praxistätigkeit.

Holz folgt auf Keramik

Ganz anders die Keramikerin Christiane Straub aus Hasle bei Burgdorf, die in der Ecole des Arts Décoratifs in Strassburg ­ausgebildet wurde. Sie hat ihre Skulpturen bereits wiederholt im In- und im Ausland ausge­stellt und ist keine Unbekannte. In der Alpina-Ausstellung zeigt sie eine Retrospektive ihrer Arbeiten aus 25 Jahren. Rauchbrand- und Steinzeug-Werke berühren durch ihre organische oder geometrisch-lineare Formensprache.

Ein Novum dagegen sind die Holzschnitte, die Straub erstmals ausstellt. Durch die Motive spannen sie den Bogen zur Keramik der Künstlerin. Auch sind sie in ihren Inhalten – unter anderem Eichenblätter – dem Organischen, der Natur verpflichtet. Nachdem sie vor gut einem Jahr einen Kurs beim bekannten Berner Holzschnitzer Martin Thönen absolviert habe, sei sie von der Leidenschaft für dieses alte Kunsthandwerk gepackt worden, erinnert sich Straub lächelnd. Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern fertigt sie gerade mal einen einzigen Abzug.

Seither experimentiert Straub in ihrem ehemaligen Keramikatelier an neuen Ideen für Holzschnitte. Die Keramik müsse einstweilen warten, sagt sie lächelnd.

Finissage:Sonntag, 28. Mai, 13 bis 18 Uhr. Lesung: Nicole Liechti, 14 bis 16 Uhr.

Berner Zeitung

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