An der OGA ist wieder Pastetlizeit

Langnau

Wenn die OGA zum Seniorennachmittag einlädt, nehmen die Rentner im oberen Emmental einige Strapazen auf sich. Das zur Tradition gewordene Zvieri war ihnen auch am Montag ein paar Schweisstropfen wert.

Dafür haben sich die Strapazen der Anreise gelohnt: Den AHV-Bezügern des oberen Emmentals wird im Tigersaal ein sättigendes Zvieri offeriert.

Dafür haben sich die Strapazen der Anreise gelohnt: Den AHV-Bezügern des oberen Emmentals wird im Tigersaal ein sättigendes Zvieri offeriert.

(Bild: Marcel Bieri)

Es ist immer das gleiche Bild. Wenn an der Oberemmentalischen Gewerbe- und Landwirtschaftsausstellung (OGA) die Seniorennachmittage auf dem Programm stehen, entsteht vor dem Eingang ein Stau. Da kann die Zutrittskontrolle noch so straff organisiert sein: Wenn gegen 500 Rentnerinnen und Rentner fast gleichzeitig Einlass verlangen, heisst es Geduld haben – und bei Temperaturen wie am Montag ab und zu den Schweiss abwischen.

«Wir gehen direkt in den Tigersaal und schauen die Ausstellung danach an. Wir müssen ja dann nicht mehr in den Stall», ver­kündet eine rüstige Rentnerin. «Wenn es da so viele Leute und Rollatoren hat, kommt man ja kaum vorwärts und sieht sowieso nichts von den Ständen», fügt sie hinzu.

Im Tigersaal wird sie aber bis zum Höhepunkt des Seniorennachmittags warten müssen: Die Pastetli werden ab 15.15 Uhr aufgetischt. Rund 500 waren es am Montag, als die Gemeinden Eggiwil, Langnau, Röthenbach und Schangnau zu Gast waren. Am Dienstag werden den Besuchern aus Signau, Lauperswil, Rüderswil, Trub und Trubschachen noch einmal fast ebenso viele serviert.

Unbekannter Ursprung

Wer die Tradition mit der Bewirtung der Senioren eingeführt hat, lässt sich auf die Schnelle nicht eruieren. Er habe sie bereits von seinem Vorgänger Sepp Marti übernommen, sagt Toni Lenz, der ab 1995 als OGA-Präsident vier Ausstellungen organisiert hat. Wahrscheinlich habe Marti damit angefangen. Denn er habe immer nach Möglichkeiten gesucht, mehr Leute an die OGA zu bringen, erinnert sich Lenz.

«Für ein Stück Früchtekuchen müssen wir nicht von Röthenbach nach Langnau fahren. Früchte haben wir zu Hause auch.»Ein Senior an einer früheren OGA

Hei­di Stalder, Gemeindeschreiberin von Trubschachen, hat im Archiv ein Dokument aus dem Jahr 1989 entdeckt: «Damals haben die Organisatoren die Gemeinden angefragt, ob Interesse an der Or­ganisation beziehungsweise Mitfinanzierung von Altersnachmittagen bestehe.»

Vor allem 75- bis 85-Jährige

Wer oder was auch immer der Ursprung der Idee war: Die Tradition ist tief verwurzelt. Würde die OGA das Angebot streichen, gäbe es wohl einen Aufstand unter den Senioren. Eine Umfrage bei den Gemeinden zeigt, dass sich die jüngsten AHV-Bezüger noch nicht so sehr um die Gratiseintritte bemühen wie die Seniorinnen und Senioren im Alter zwischen etwa 75 und 85.

In Rüderswil stellt man fest, dass die Nachfrage tendenziell leicht abnimmt. In Röthenbach hat sich die Zahl der Anmeldungen im Vergleich zu 2006 sogar halbiert. Aber generell schätzen die Gemeindeverwaltungen das Interesse als relativ stabil ein. Die neun Gemeinden des ehemaligen Amtes Signau budgetieren denn auch getreulich in jedem OGA-Jahr einen Betrag zugunsten ihrer Senioren.

2014 verzichtete Langnau zwar aus Spargründen auf die Geste. Dank dem Sponsoring durch die Firma Stämpfli profitierten dann aber auch die Langnauerinnen und Langnauer von einem Gratispastetli. Die OGA übernimmt Hin- und Rücktransport, gewährt gratis Eintritt und sorgt für die Unterhaltung. Die Gemeinden subventionieren das Zvieri mit 12 Franken pro Person.

Es gab nicht immer Pastetli

Heute spricht man vom OGA-Pastetli, als ob die traditionelle Ausstellung ohne das mit Sauce gefüllte Blätterteiggebäck gar nicht denkbar wäre. Dabei ist es noch gar nicht lange her, da wurde an den Altersnachmittagen jeweils ein Stück Früchtekuchen mit Kaffee aufgetischt.

Doch das sei bei den Seniorinnen und Senioren nicht so gut angekommen, erinnert sich Rudolf Gautschi, der jahrelang für die OGA-Gastronomie verantwortlich war. «Für ein Stück Früchtekuchen müssen wir nicht von Röthenbach nach Langnau fahren. Früchte haben wir zu Hause auch», habe es etwa geheissen.

Nach Rücksprache mit seiner Frau und vor allem der Schwiegermutter hat Gautschi an der OGA 2010 die Pastetli eingeführt. Sie sind grösseren Kalibers, als man sie gewöhnlich in den Bäckereien erhält. Die OGA-Gäste sollen ja nicht hungrig nach Röthenbach oder Schangnau zurückreisen müssen.

Berner Zeitung

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