Alle Welt trifft sich zum Kaffee

Jeden Montag kommen im Langnauer Pfarreizentrum Menschen jeden Alters und vieler Nationalitäten zusammen. Das Café International bietet ihnen Raum zum Spielen, sich zu unterhalten oder eine Tasse Tee zu trinken. Ein Augenschein.

Geselliges Beisammensein: Bei Spielen und Unterhaltungen finden die Besucher des Café International in Langnau einen Anschluss ans gesellschaftliche Leben.

Geselliges Beisammensein: Bei Spielen und Unterhaltungen finden die Besucher des Café International in Langnau einen Anschluss ans gesellschaftliche Leben.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

«Willst du auch mitspielen?», tönt es sofort, als ich das Café International be­trete. «Dir chöit mit mr scho Bärndütsch rede», erwidere ich mit einem Augenzwinkern, und die ältere Dame lächelt mich an. Es sei teils schwer, erklärt sie, sich mit den Menschen aus aller Welt zu unterhalten, die hier am Montagnachmittag ein und aus gingen. «Sie sind alle sehr dankbar, aber bei einigen muss man jede Woche wieder bei null be­ginnen, weil sie zu Hause das Deutsch nie brauchen.» Doch es sei längst nicht bei allen gleich, versichert sie, Kinder beispielsweise verstünden nach einem Monat schon viel mehr, als man sich denken würde.

Aus Syrien, Eritrea, Albanien, Afghanistan, Kosovo oder Tibet stammen die Leute, die sich seit dem Frühjahr unregelmässig im Pfarreizentrum an der Ober­strasse in Langnau treffen. Gut gelaunt machen sie Spiele, trinken Tee oder Kaffee oder unterhalten sich. Am Nebentisch ge­rade in einem undefinierbaren Mix aus Deutsch, Englisch und einer Sprache, der das jeweilige Gegenüber scheinbar nicht mächtig ist. Sie verstehen sich trotzdem und lachen von Zeit zu Zeit laut auf.

Die Stimmung ist locker, und die anwesenden Männer und Frauen sind äusserst freundlich. Immer wieder be­komme ich eine Hand hingestreckt, die geschüttelt werden will.

Mit einer Tasse Tee ausgestattet, setzt sich ein junger dunkel­häutiger Mann an den Tisch und fragt sofort auf Hochdeutsch, was ich hier mache. Er sei seit sechs oder sieben Jahren in der Schweiz und heute das erste Mal im Café International. «Ich habe eine Ausbildung zum Koch ge­macht, aber nach der Lehre leider noch keine Anstellung gefunden», erzählt er und fragt, ob ich von einem Restaurant wisse, das zurzeit nach einer Aushilfskraft suche.

Leider muss ich ihn enttäuschen, rate ihm aber, sich doch aufs Geratewohl irgendwo zu bewerben. Er nickt eifrig. «Zu Hause ist es mir mittlerweile langweilig, und ich wollte etwas unter die Leute kommen», er­läutert der 26-Jährige Eritreer. Dann sei ihm eingefallen, dass ihm ein Freund von diesen Treffen hier erzählt hat. «Und ausprobieren schadet ja nie», fügt er grinsend seinen Plan für diesen Nachmittag hinzu.

Schon als ich mich auf dem Weg ins Café befand, fiel mir das farbenfrohe Schild an der Strasse auf, das den Weg weist: Etliche Landesflaggen wurden in den Schriftzug «Café International» eingebaut. Und dieser Ersteindruck bestätigt sich nach der Treppe, wo der Blick als Erstes auf Frauen mit bunten Kopf­tüchern fällt. Um die zwanzig Personen treffe ich auf der Terrasse an. Die einen in ein Schachbrett, die andern in eine Rummikub-Partie vertieft. Beides Spie­le, die, wenn sie einmal gelernt sind, kaum mehr der Kommunikation bedürfen.

Drinnen an den Tischen sitzen die Jüngeren, mit Schere, Malkasten oder Filzstiften bewaffnet vor einem Stapel verschieden­farbiger Papiere, die sie bearbeiten. Ein Mädchen, das wohl kurz vor der Einschulung steht, be­ginnt gerade, ein vierbeiniges Wesen auszuschneiden, das es mit Bleistift vorgezeichnet hat. Beim Eingang steht das Buffet, auf dem ich Zwetschgen, Brot, Zimtschnecken und eine grosse Thermoskanne mit Kaffee ausmache.

Zwei Teenager betreten den Raum und werden von einem Schweizer mittleren Alters be­grüsst. Sofort ist Fussball das Thema: «Chelsea nicht gewonnen, Wochenende, gäu?», fragt der eine. Sein Gesprächspartner schüttelt den Kopf. «Ist nicht gut», reagiert der Fragende.

Im Lauf des Nachmittags trudeln immer wieder neue Menschen ein, andere verabschieden sich. Kinder rennen umher und dienen als perfektes Beispiel, dass sprachliches Verständnis nicht alles ist. Sie sprechen oder brabbeln in ihrer Muttersprache – sei es Tamilisch, Albanisch oder Berndeutsch – und verstehen sich trotzdem blendend.

Auf die Frage, weshalb er hier sei, meint ein etwa 4-jähriger Junge geradeheraus: «Hast du früher nicht auch gerne mit anderen Kindern gespielt?» Natürlich habe ich das. Und so rauschen sie in Windeseile und kichernd davon, nachdem sie eine Zündholzschachtel stibitzt haben.

Café International: montags von 14 bis 17 Uhr im Pfarreizentrum an der Oberfeldstrasse 8 in Langnau.

Berner Zeitung

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