Abbruchspezialisten für die «Papieri» gesucht

Utzenstorf

Noch in diesem Jahr soll geregelt werden, wer die Papierfabrik Utzenstorf rückbaut. Derweil gibt es eine erste ­befristete Zwischennutzung. Es sollen Neuwagen abgestellt werden.

Das Papieri-Areal steht mittlerweile grösstenteils leer.

Das Papieri-Areal steht mittlerweile grösstenteils leer.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Ein halbes Jahr ist es nun her, seit die Papierfabrik Utzenstorf AG nach über 120 Jahren ihren Betrieb eingestellt hat. Das Areal wird jetzt noch von der APS Altpapier Service Schweiz AG genutzt. Sie gehört der Perlen Papier AG und kümmert sich um das Altpapiergeschäft der ehemaligen Papierfabrik.

Im Februar wurde zudem bekannt, dass die Genossenschaft Migros Aare das über 320'000 Quadratmeter grosse Industrieareal in Utzenstorf gekauft hat. Es wurde vereinbart, dass die Papierfabrik bis Ende 2022 ihre Gebäude rückbaut und das Areal dann «bodeneben» der Migros übergibt.

Bis jedoch alles abgebaut ist, kann das Gelände weiterhin genutzt werden. Nun ist eine erste Zwischennutzung geplant. Wie derzeit einem öffentlich aufliegenden Gesuch zu entnehmen ist, sollen dort Neuwagen abgestellt und das Areal mit einem Bauzaun gesichert werden.

Autos statt Holz lagern

Jonas Lauter ist Geschäftsleitungsmitglied der Papierfabrik Utzenstorf AG, die weiterhin existiert und sich um den Rückbau des Areals und die Verwertung der Maschinen kümmert. Zum aktuellen Gesuch sagt er: «Es handelt sich um einen grossen Platz, den wir früher genutzt haben, um Holz zu lagern. Weil er nur für die Holzlagerung gedacht ist, braucht es für die Zwischennutzung als Autoabstellplatz eine Bewilligung.»

Ein grösserer Autohändler wolle Neuwagen verschiedener Modelle zwischenlagern, so Lauter. Dieses Mietverhältnis sei nur für einige Monate, längstens bis Frühjahr 2019, gedacht. «Denn für den Rückbau des Areals brauchen wir den Platz, um die Abbruchmaschinen abzustellen.»

Andere Zwischennutzungen gibt es auf dem Areal momentan nicht. Grössere Nutzungen wären ohnehin auf die leere Speditionshalle beschränkt, denn in den anderen Gebäuden stünden die Maschinen der Papierfabrik, erklärt Lauter. «Wenn möglich, würden wir die Speditionshalle an einen einzigen Interessenten vermieten, damit sich der administrative Aufwand für uns in Grenzen hält.»

Asbesthaltiges Material

Derzeit läuft gemäss Lauter auch die Ausschreibung für den Rückbau des Papieri-Areals. «Wir wollen möglichst dieses Jahr unter Dach und Fach bringen, welche Unternehmung den Rückbau ausführen wird», sagt er. Klar ist, dass beim Abbruch Asbestsanierungen nötig werden. 90 Prozent der Gebäude wurden vor 1990 erstellt. «Deshalb ist fast überall asbesthaltiges Material vorhanden, zum Beispiel in Isolationen. Denn so wurde damals gebaut.»

Für den Rückbau braucht es eine auf solche Arbeiten spezialisierte Firma. Solche zu finden, sei kein Problem, so Lauter. Es gebe in der Schweiz einige Unternehmen, die so einen Auftrag ausführen können. «Theoretisch könnte es auch eine ausländische Firma sein, sie müsste aber von der Suva anerkannt sein.»

Die Maschinen der Papier­fabrik Utzenstorf sollen verkauft oder entsorgt werden. «Wir suchen einen Partner, der die Anlagen ausbaut und dann möglichst veräussert.» Für Papierfabriken in Westeuropa kommen die Maschinen voraussichtlich nicht mehr infrage. Ein Verkauf in Schwellenländer sei aber sehr wahrscheinlich. Auch ein Umbau der Maschinen, zum Beispiel für die Produktion von Verpackungspapieren, könnte möglich sein, erklärt das Geschäftsleitungsmitglied der Papieri.

Nichts Beunruhigendes

Das Areal ist seit 2009 im Kataster der belasteten Standorte des Kantons Bern eingetragen (wir berichteten). Was Altlasten im Boden betreffe, sei die vom kantonalen Amt für Wasser und ­Abfall (AWA) angeordnete technische Untersuchung abgeschlossen. «Es ist nichts Beunruhigendes zum Vorschein gekommen, das Sofortmassnahmen notwendig machen würde», versichert Lauter.

Der Standort sei gemäss AWA weder als überwachungs- noch als sanierungsbedürftig klassiert. «Aber klar ist, beim Rückbau werden weitere Proben genommen, und wir müssen dann nachweisen, dass nichts Neues, Unvorhergesehenes zum Vorschein kommt.»

Berner Zeitung

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