Emmental/Oberaargau

Zwischen Huttwil und Sumiswald gibt es wenig Verbindendes

Emmental/OberaargauIn den Gemeinden, die einst das Amt Trachselwald ausmachten, sind weder eine verstärkte Zusammenarbeit ein Thema, noch denkt man an Fusionsverhandlungen.

Die Huttwiler sehen lediglich im Bereich Bau und Werkhof Potenzial für eine engere Zusammenarbeit mit umliegenden Gemeinden.

Die Huttwiler sehen lediglich im Bereich Bau und Werkhof Potenzial für eine engere Zusammenarbeit mit umliegenden Gemeinden. Bild: Marcel Bieri

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Der ehemalige Amtsbezirk Signau ist nicht der einzige, der auf der Karte auftaucht, mit welcher der Regierungsrat seine Vorstellungen von der Gemeindelandschaft der Zukunft publizierte. Auch das einstige Amt Trachselwald findet man darauf. Der Bericht zur Karte macht jedoch klar: Damit wird allein in Erinnerung gerufen, dass das Gebiet eine historische Einheit darstellt.

Anders als der Amtsbezirk Signau mit seinem eindeutigen Zentrum Langnau spielt der ehemalige Amtsbezirk Trachselwald jedoch heute kaum noch eine Rolle, wie die beiden Gemeindepräsidenten von Huttwil und Sumiswald, Walter Rohrbach (BDP) und Fritz Kohler (EDU), bestätigen. «Es gibt nur noch wenige Berührungspunkte über Verbände, die noch aus den Strukturen des Amtsbezirks stammen», sagt Rohrbach.

Slow-up verbindet neu

Das sind vor allem der Sozialdienst und der Zivilschutz. Wobei der Kanton bei Letzterem Druck macht. Die Region ist ­gehalten, sich künftig an die Grenzen des Verwaltungskreises zu halten. Der Gemeindeverband und die Gemeinden wehren sich jedoch gegen diese Vorgabe der Polizei- und Militärdirektion. Gegenwärtig liegt die Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Bern.

Fritz Kohler erwähnt noch den Slow-up Emmental-Oberaargau als modernen Event, der die beiden Zentren verbindet. Daneben gebe es wenige Berührungspunkte. Beide ehemaligen Zentren des Amtsbezirks Trachselwald haben in ihren Verwaltungskreisen einen ­neuen Platz gefunden: Huttwil ganz im Süden des Oberaargaus, Sumiswald in der Mitte des Emmentals zwischen Burgdorf und Langnau.

Weil diese Subregionen jeweils mit eigenen Problemstellungen konfrontiert sind, treffen sich die Gemeindevertreter nicht nur, wenn es die Vertreter für die Region (im Oberaargau) respektive die Regionalkonferenz (im Emmental) zu bestimmen gilt. Sondern auch dann, wenn es darum gehe, für kantonale Angelegenheiten jeweils einen gemeinsamen Nenner zu finden, an denen sich die Grossräte orientieren könnten, hält Kohler fest.

Offen sein, aber nicht fordern

Auch im Rahmen dieser Zusammenkünfte sind allerdings Fusionen gegenwärtig kein Thema, wie beide Gemeindepräsidenten festhalten. Unter seinem Vorgänger, Christian Waber, sei die Frage zwar traktandiert gewesen, hält Kohler fest. Waber sei damit jedoch in den anderen Gemeinden auf kein Echo gestossen. Die beiden aktuellen Gemeindepräsidenten sind zudem überzeugt, dass es nicht gut ist, wenn der Anstoss dazu von den Zentren ausgeht.

Im Oberaargau-Süd gilt das besonders, nachdem die Huttwiler Stimmberechtigten 2010 nach den Fusionsabklärungen mit Wyssachen den Zusammenschluss abgelehnt haben. «Wir sind offen dafür, Aufgaben zu übernehmen, und kommunzieren das auch», hält Kohler fest. Weder Sumiswald noch Huttwil seien jedoch darauf angewiesen. «Unsere Gemeindeverwaltung funktioniert gut, wie sie ist», sagt Rohrbach – und sein Kollege bestätigt dies für Sumiswald.

Rund um Huttwil waren ­Bereiche für eine mögliche intensivere Zusammenarbeit am letzten Treffen traktandiert. Laut Walter Rohrbach zeigte die durchgeführte Umfrage jedoch, dass lediglich im Bereich Bau und Werkhöfe ein Potenzial gesehen wird. Bereits bei den Verwaltungen herrsche ­dagegen die Angst vor einem Verlust der Eigenständigkeit vor.

Den Ausschlag dafür, dass die Huttwiler den Wyssachern die kalte Schulter zeigten, gaben seinerzeit die Finanzen: Im Fall einer Fusion konnte der Gemeinderat eine Steuererhöhung nicht ausschliessen. Hier setzt denn auch Rohrbach an: Wenn der Kanton den Gemeinden schon Druck aufsetzen wolle, damit sie fusionierten, müsse er Anreize für die Zentren schaffen.

«Verdienen wollen wir zwar nicht an einer Fusion, und die Illusion, dass sich durch einen Zusammenschluss Kosten sparen lassen, haben wir aufgegeben.» Die Kosten für die angestrebte Professionalisierung und damit Stärkung der Gemeinden müsse der ­Kanton aber tragen helfen. Rohrbach sagt: «Denn den Stimmberechtigten ist das ­eigene Hemd immer noch am nächsten.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.04.2018, 07:43 Uhr

Gespalten

Als es den Amtsbezirk Trachselwald noch gab, wurde die Spaltung in einen östlichen und einen westlichen Teil mindestens alle vier Jahre bestätigt: wenn die Grossräte gewählt wurden. Die Oberaargauer und die Emmentaler bevorzugten jeweils ihre eigenen Kandidierenden. Dieser Zeitung liegen die Zahlen der drei letzten Wahlen zwischen 1992 und 2002 so vor, dass sie nach Wohnort der Kandidierenden ausgewertet werden können. Im Osten schrieben die Wahlberechtigten die Kandidierenden aus dem eigenen Teil rund 1,8-mal so häufig auf ihre Liste wie die aus dem Westen. Umgekehrt war die Bevorzugung der eigenen Leute noch ausgeprägter: Hier wurden die eigenen Kandidierenden sogar 3,8-mal häufiger gewählt als jene aus dem Oberaargau.

Als einigendes Band im Amtsbezirk Trachselwald gedacht war ursprünglich die ­Lokalzeitung «Unter-Emmentaler»: Sie sollte im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts Sprachrohr sein für die Region zwischen Sumiswald und Huttwil im Kampf um den Anschluss ans Eisenbahnnetz. Geeint waren sie im Kampf gegen das obere Emmental um Langnau. Deshalb auch der Name «Unter-Emmentaler». Doch auch hier gelang der Schulterschluss im ehemaligen Amt Trachselwald bis heute nicht, wie ein Blick in die Tarifdokumentation 2018 zeigt: Besitzen im Oberaargauer 57 Prozent der Haushalte ein Abonnement des «Unter-Emmentalers», sind es im Emmental bloss 23 Prozent. Und dies, obschon dort der Name eigentlich besser passen würde.

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