Zwei Burgdorfer Bordelle müssen schliessen

Burgdorf

Den Prostituierten in der Burgdorfer Oberstadt gehts an den Kragen: Die Stadt hat die Vermieter von einschlägig genutzten Wohnungen aufgefordert, diese Mietverhältnisse zu beenden.

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Philippe Müller

Der eingeschriebene Brief verliess die Burgdorfer Stadtverwaltung Mitte Februar. Adressatin war die Berner Liegenschaftsverwaltung Terrenum. Die Stadt hatte zuvor herausgefunden, dass in der Burgdorfer Altstadt zwei Wohnungen der Immobilienfirma als Bordelle genutzt werden. Die Forderung der Behörden: Die Bordelle seien zu schliessen. Die Terrenum AG hat die Forderung bereits erfüllt und die Kündigungen ausgesprochen. Betroffen sind zwei Damen, die an der Rütschelen- beziehungsweise an der Pfisterngasse je ein privates Studio betreiben. Sie müssen die Wohnungen bis Ende April räumen.

Lüthi kennt die Damen

Der Burgdorfer Immobilienverwalter Heinz Lüthi, der für die Terrenum AG die beiden Wohnungen betreut, gewährte dieser Zeitung einen Blick in die Studios. Unklar blieb, wieso Lüthi zwei Journalisten dieser Zeitung von sich aus anbot, sich die Bordelle anzuschauen.

An der Rütschelengasse 2 zückt Lüthi den Hausschlüssel und geht vor in den zweiten Stock. Dort klingelt er an der Tür, begrüsst die Dame mit Vornamen. Er und die Estin scheinen sich etwas besser zu kennen, als dies bei Mieter und Liegenschaftsverwalter üblicherweise der Fall ist. Neben einem Wohnteil liegt der «Arbeitsraum». Dieser ist funktionell eingerichtet: Bett, Sessel, Glastisch und Regal, sonst befindet sich nichts im Raum.

Weiter gehts in die Pfisterngasse 3. Hier befindet sich das Bordell im Erdgeschoss, gekennzeichnet als Massagesalon. Die Wohnung ist geschmackvoll eingerichtet. «Ich verstehe nicht, was die Stadt daran stört: Das ist das älteste Gewerbe der Welt. Alles läuft diskret ab, die Damen machen keinerlei Probleme», so Lüthi. Auch von den Nachbarn seien ihm keine Klagen bekannt. Tatsache ist aber: Die Stadt stört sich an den Bordellen, deshalb müssen sie weg. Die Behörden fürchten um den Ruf der Altstadt.

Keine weiteren Bordelle?

Laut Auskunft der Baudirektion seien weitere Standorte nicht bekannt. Die Stadt sieht sich mit ihrem Vorgehen im Recht. «Wir handeln nach der Praxis, dass wir das Rotlichtmilieu in der Altstadt nicht tolerieren», sagt Bruno Locher, Leiter des Bauinspektorats. In der städtischen Bauordnung sei zwar noch nicht explizit festgeschrieben, dass Prostitution in der Mischzone Altstadt nicht zulässig sei. «In einem Kommentar zum Baureglement ist jedoch festgehalten, dass in Burgdorf nach geltender Gerichtspraxis die Prostitution nur in den Arbeitszonen möglich ist.»

Sollte sich dennoch eine der Bordellbetreiberinnen gegen die Kündigung wehren, kann sie bei der Stadt eine Baubewilligung einreichen und auf diesem Weg versuchen, ihr Gewerbe zu legalisieren. Ein solches Gesuch würde die Stadt ablehnen. Es bliebe den Frauen der gerichtliche Weg. Das dürfte ihnen zu teuer sein.

Berner Zeitung

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