Sumiswald

«Wo ist der Haken?»

Sumiswald Der geplante Neubau des Werk- und Entsorgungshofs in Grünen erhitzt die Gemüter. Das Projekt und das Vorgehen des Gemeinderats stossen auf harsche Kritik.

Entsorgen statt Voltigieren: Hier auf dem Vorplatz der Reithalle in Grünen ist der Werkhof angedacht.

Entsorgen statt Voltigieren: Hier auf dem Vorplatz der Reithalle in Grünen ist der Werkhof angedacht. Bild: Olaf Nörrenberg

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Er musste gewusst oder zumindest geahnt haben, was auf ihn zukommt. «Heute soll kein Abstimmungskampf stattfinden, sondern eine Informationsveranstaltung mit Fragerunde», stellte Gemeindepräsident Fritz Kohler zu Beginn klar. Viele Sumiswalderinnen und Sumiswalder verfolgten den Anlass, zu dem der Gemein­derat eingeladen hatte.

Nötig wird der Neubau des Werk- und Entsorgungshofs gemäss den zuständigen Gemeinderäten unter anderem, weil das Stettlerhaus als aktueller Standort dringend sanierungsbedürftig und für den Betrieb eines Werkhofs nicht optimal geeignet sei. «Wir haben nun einen einheimischen Interessenten für das Stettlerhaus gefunden», erklärte Fritz Kohler. Gemäss Schätzungen könnte der Verkaufserlös so mit 730 000 Franken zum Neubau beitragen.

Dass jemand bereit ist, diesen Betrag für das alte Haus zu be-rappen, bezweifelte ein Bürger stark. Er fragte: «Wo ist der Haken?», und zielte damit auf die Frage ab, ob auch der Verkauf von Bauland zum Deal gehöre. Zu den Konditionen konnte der Gemeinderat jedoch noch keine Auskunft geben. «Wir haben dem Interessenten noch Stillschweigen zugesichert», sagte Kohler.

Der Verkauf des Stettlerhauses soll den Neubau mitfinanzieren. Die Gemeinde rechnet mit einem Erlös in der Höhe von 730 000 Franken. Foto: Thomas Peter.

Man werde den möglichen Käufer noch nicht namentlich nennen und verhandle aktuell mehrere Varianten. Es sei durchaus auch möglich, dass nur das Haus – also ohne Bauland – verkauft werde. Kohler: «In drei Wochen könnten wir wahrscheinlich schon mehr dazu sagen.» Besagter Bürger bezweifelte dies weiterhin und unterstellte dem Gemeinderat, Unwahrheiten zu verbreiten.

Unwahrheiten und Krämerei

Eine andere Einwohnerin störte sich zudem ob der «Geheimniskrämerei». Doch Fritz Kohler hielt dagegen: «Im Abstimmungsbüchlein werden die Verkaufskonditionen vorgängig offengelegt.» Und das Stettlerhaus werde nur verkauft, wenn die Gemeinde dem geplanten Neubau des Werkhofs (siehe Box) zustimme. «Für die Spielgruppe und den Jugendtreff werden wir eine Lösung finden», versprach der Gemeindepräsident, wobei auch denkbar sei, dass Erstere weiterhin an der Marktgasse bleiben könne.

Dass ein neuer Standort für den Werkhof nötig wird, bezweifelte derweil niemand. Dass jedoch dafür der Reitplatz an der Trachselwaldstrasse ins Auge gefasst wird, kritisiert der Reitverein. «Ich kann dieses Projekt nicht unterstützen», sagte Vereinspräsident Urs Jaquemet. Die Reithalle bliebe zwar bestehen, aber deren Vorplatz würde dem Werk- und Entsorgungshofareal zum Opfer fallen. «Das bedeutet gehörige Einschnitte in unseren Reitbetrieb.»

Laut dem Gemeindepräsidenten wurden dem Reitverein vor rund zwanzig Jahren im Baurechtsvertrag jedoch nur die Reithalle sowie eine bestimmte Anzahl Parkplätze zugesichert. «Diese Bedingungen können wir auch weiterhin gewährleisten.» Fritz Kobel, Leiter Bau und Betrieb, versicherte: Während der letzten Legislaturperiode seien drei Planungsbüros beauftragt worden, den geeignetsten Standort für den neuen Werk- und Entsorgungshof zu evaluieren. «Dies mit der Vorgabe, dass es sich dabei um ein gemeindeeigenes Grundstück handelt.» Alle drei hätten jenen an der Trachselwaldstrasse in Grünen empfohlen.

«Es handelt sich nicht um eine Luxusvariante», so Kobel. Der Bau beinhalte die Minimalfläche für die vorhandenen Maschinen, Einrichtungen und Arbeitsplätze. Und Gemeinderat Rolf Ryser betonte: «Die finanzielle Tragbarkeit ist gewährleistet.» Im Februar fällt der Entscheid an der Urne. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.08.2018, 17:14 Uhr

Das Projekt

An der Trachselwaldstrasse in Grünen, direkt neben der Reithalle, soll der neue Sumiswalder Werk- und Entsorgungshof entstehen. Zudem ist eine neue Sammelstelle mit unterirdischem Depot auf dem Dorfplatz geplant. Die heutigen Aussenstandorte wie die Einstellhalle im Eichholz würden aufgehoben. Nur in Wasen würde ein dezentraler Standort bestehen bleiben, damit lange Wege für den Strassenunterhalt vermieden werden können. Im Februar 2019 werden die Sumiswalder an der Urne über den Bruttokredit von 2,4 Millionen Franken abstimmen können. (grt)

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