Wird das «Hirschen-Bad» verkauft?

Langenthal

Besitzer Rolf Stauffer hat ein Baugesuch zum Um- und Ausbau des Restaurants Hirschen-Bad eingereicht. Noch will er seinen Gasthof zwar nicht schliessen. Doch findet er keinen Nachfolger, will er das Haus zu Wohnungen umbauen und dann verkaufen.

Die Zukunft ist ungewiss: Christine und Rolf Stauffer, die Besitzer des «Hirschen-Bad», wollen das Restaurant in absehbarer Zeit verkaufen.Entweder im jetzigen Zustand oder umgebaut in Wohnungen. Zurzeit liegt ein Baugesuch für den Umbau auf.

Die Zukunft ist ungewiss: Christine und Rolf Stauffer, die Besitzer des «Hirschen-Bad», wollen das Restaurant in absehbarer Zeit verkaufen.Entweder im jetzigen Zustand oder umgebaut in Wohnungen. Zurzeit liegt ein Baugesuch für den Umbau auf.

(Bild: Walter Pfäffli)

Tobias Granwehr

Das Baugesuch im neusten Anzeiger lässt aufhorchen: Christine und Rolf Stauffer, Besitzer des Restaurants Hirschen-Bad im Nordosten Langenthals Richtung St.Urban, wollen aus- und umbauen. Wer das Baugesuch auf dem Stadtbauamt einsieht, stellt sich unweigerlich die Frage: Hören die Stauffers im «Bedli», wie das Lokal auch genannt wird, bald auf? Und geht damit eines der traditionsreichsten Langenthaler Restaurants für immer zu?

Rolf Stauffer beruhigt auf Nachfrage die Gemüter: «Das ‹Hirschen-Bad› wird vorläufig nicht geschlossen.» Er komme jedoch in ein Alter, in dem er sich Lösungen für die Zukunft überlegen müsse, sagt er. Stauffer ist 61-jährig, seine Gattin drei Jahre jünger. Das Restaurant in seiner jetzigen Form zu verkaufen, sei schwierig. Deshalb habe er sich mit seiner Frau Gedanken gemacht, wie es weitergehen könnte.

Möglichkeiten offenhalten

Konkret enthält das Baugesuch den Abbruch von Anbauten und einem Nebengebäude, den Umbau des bestehenden Restaurants in zwei Wohnungen sowie den Neubau eines Wohnhauses im Garten. Die Kosten inklusive Erschliessung der Neubauten werden im Gesuch auf 1,5 Millionen Franken beziffert. Aus der Baueingabe geht zudem hervor, dass der vorgesehene Neubau hinter dem Restaurant den Grenzabstand um knapp drei Meter unterschreiten würde. Das angrenzende Grundstück gehört Stadtpräsident Thomas Rufener, welcher der Grenzunterschreitung schriftlich zugestimmt hat.

Damit würde im «Hirschen-Bad» vorwiegend neuer Wohnraum geschaffen. Stauffer bestätigt: Mit dieser Variante gehörte die Gastronomie der Vergangenheit an. Aber: «Wir wollen uns mit dem Baugesuch für die Zukunft alle Möglichkeiten offenhalten», sagt er. Er könne sich auch eine Zukunft des «Bedli» als Restaurant vorstellen. Dies hängt indes vom Interesse möglicher Käufer ab. Ob Stauffers das Haus nach dem Um- und Ausbau eher verkaufen könnten als jetzt, könne er nicht abschätzen. «Wir wollen jedenfalls nur umbauen, wenn wir danach auch verkaufen können.» Die Zeit rennt den Stauffers ohnehin (noch) nicht davon. Liegt dereinst eine rechtskräftige Baubewilligung vor, müssen sie gemäss Gesetz innerhalb von drei Jahren bauen. Allerdings könnten sie noch ein Gesuch auf Verlängerung um maximal zwei Jahre stellen. Bis dann hätte Rolf Stauffer das Pensionsalter erreicht.

Bereits 1728 erbaut

Sollte das Ehepaar Stauffer im «Bedli» irgendwann umbauen, dürfte sich auch der Denkmalschutz einschalten. Dies war bereits bei einer Treppensanierung vor einigen Jahren der Fall. Denn das Gebäude an der St.-Urban-Strasse ist nicht irgendeines, sondern ein für Langenthal historisch bedeutendes. Das Gebäude und das Badehaus nebenan wurden 1728 erbaut, wie aus alten Dokumenten hervorgeht. Das einstige Gemeinschaftsbad ist denn auch im Namen enthalten. Später wurde im «Hirschen-Bad» auch Bier gebraut. Die Familie Stauffer übernahm das «Bedli» schliesslich 1990 von der weitherum bekannten Wirtin Emma Stebler. Vor knapp zwei Jahren feierten Christine und Rolf Stauffer ihr 20-Jahr-Jubiläum.

«Wir können gut vom Restaurant leben», sagt er nüchtern, aber keineswegs deprimiert. Den Gästen, die unter anderem wegen der riesigen Cordons bleus und der gemütlichen Atmosphäre ins «Hirschen-Bad» kommen, bleibt nur die Hoffnung, dass Stauffers noch eine Zeit lang davon «leben» wollen – und danach einen Nachfolger finden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass ein weiteres Traditionsrestaurant in Langenthal seine Türen für immer schliesst.

Berner Zeitung

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