Wieso musste die Ehefrau sterben?

Hasle

Ein Tunesier tötete 2016 in Hasle seine Frau. Diese Woche steht er vor dem Regionalgericht.

In diesem Haus ennet den Bahngleisen trug sich das Tötungsdelikt im Februar 2016 zu. Foto: Daniel Fuchs

In diesem Haus ennet den Bahngleisen trug sich das Tötungsdelikt im Februar 2016 zu. Foto: Daniel Fuchs

Johannes Hofstetter

Die Sonne war an jenem Februarmorgen 2016 noch nicht aufgegangen, als sich bei der Kantonspolizei Bern ein Tunesier meldete. Er habe seiner Frau in der gemeinsamen Wohnung in Hasle «etwas angetan», teilte der Anrufer mit. In einem verwahrlosten Haus zwischen den Bahngleisen und der Emme entdeckte eine Patrouille wenig später eine weibliche Leiche. Sie wies Schnittwunden auf. Daneben befand sich der Mann, der die Kapo gerufen hatte. Die Polizei nahm ihn auf der Stelle fest.

Drei Jahre später muss sich der Nordafrikaner vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau verantworten. Vier Tage nimmt sich das fünfköpfige Gremium unter dem Vorsitz von Roger Zuber ab Dienstag Zeit dafür, ein Verbrechen zu erhellen, dessen Hintergründe noch weitgehend im Dunkeln liegen.

Bekannte berichteten über Probleme in der Familie

Einerseits sagten Nachbarn gegenüber Medienschaffenden, das Paar sei «ruhig und anständig gewesen». Der Mann habe «immer nett gegrüsst». Gleichzeitig berichteten Freunde und Bekannte des Opfers über Suchtprobleme in der Familie. Die 38-jährige Schweizerin sei «gesundheitlich und psychisch» angeschlagen gewesen. Darunter soll auch ihr Ehemann gelitten haben. Wenige Tage vor der Tat sei er zwischen Bäumen gestanden und habe um Hilfe gerufen. Eine Woche vor ihrem Tod habe die Frau «etwas neben den Schuhen» gewirkt. Freunde der Verstorbenen erwähnten tätliche Übergriffe des Mannes.

Der Ex-Freund und Vater eines Kindes der Frau stellte gegenüber TeleBärn fest, der Tunesier sei «kein schlechter Mensch». Die Tat müsse «im Affekt» passiert sein. Eine Mitschuld am Tötungsdelikt gab er der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde. Sie habe die beiden Kinder der Eheleute fremdplatziert, nachdem bei den Behörden eine Gefährdungsmeldung eingereicht worden sei.

Gegenüber dieser Zeitung sagte Hasles Gemeindepräsident Walter Scheidegger damals, dass der Bub und das Mädchen nicht in Hasle zur Schule gehen würden. Zum Tatzeitpunkt waren die Kinder ausser Haus.

Vorsätzliche Tötung oder doch Mord?

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der geständige Beschuldigte seine Frau vorsätzlich getötet hat. Denkbar ist laut der Anklagebehörde auch eine Verurteilung wegen Mordes. Dafür müsste sie nachweisen, dass der Tat besonders verwerfliche Motive wie Habgier oder Egoismus zugrunde lagen und dass der Mann ausserordentlich skrupellos und grausam vorging, als er seiner Frau das Leben nahm.

Eine vorsätzliche Tötung wird mit einer Freiheitsstrafe von nicht unter fünf Jahren sanktioniert. Für einen Mord würde der Verurteilte für mindestens zehn Jahre hinter Gittern verschwinden.

Vier Straf- und Zivilkläger haben sich angemeldet

Die Staatsanwaltschaft ist beim Prozess in Burgdorf nicht die einzige Gegnerin des Nordafrikaners. Auch vier Straf- und Zivilkläger haben sich für die Verhandlung angemeldet. Im Namen des Angeklagten bemüht sich ein Rechtsanwalt aus Aarau als Pflichtverteidiger um Schadensbegrenzung. Das Urteil wird am 17. Mai eröffnet.

Berner Zeitung

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