Wie leidenschaftliche Landwirte Wirte werden

Auswil

Bauernfamilie Neuenschwander versorgt nebst zehn Kühen und 6'000 Hühnern auf ihrem Hof auch bis zu 200 Gäste. Wie für viele Landwirte ist für Silvia und Kurt Neuenschwander die Gastronomie überlebenswichtig.

Silvia und Kurt Neuenschwander versorgen auf ihrem Hof nebst Tieren auch Gäste. Von April bis Dezember finden in Neuenschwanders Maschinenhalle zig Hochzeitsapéros und Geburtstagsessen statt.

Silvia und Kurt Neuenschwander versorgen auf ihrem Hof nebst Tieren auch Gäste. Von April bis Dezember finden in Neuenschwanders Maschinenhalle zig Hochzeitsapéros und Geburtstagsessen statt.

(Bild: Thomas Peter)

Noch sind sämtliche Stühle fein säuberlich zusammengeklappt und an die Wand gereiht. In der geräumigen Maschinenhalle, wo sich sonst Tische aneinanderreihen, steht momentan etwas verloren ein einziger Tisch. Hier werden bald bis zu 200 Personen gemeinsam schlemmen. Zurzeit jedoch ruht der Gastronomiebetrieb auf dem Bauernhof der Familie Neuenschwander. «Das ist die Ruhe vor dem Sturm», sagt Landwirt Kurt Neuenschwander und schmunzelt.

Bereits im April geht auf dem Bauernhof wieder die Post ab. «Jetzt, da wir die Betriebsbewilligung erhalten haben, dürfen wir den Platz voll ausnutzen und bis zu 200 Personen bewirtschaften», erklärt der Landwirt. Bis anhin umsorgte das Bauernpaar eine geringere Anzahl Gäste und musste für jeden Anlass eine einzelne Bewilligung anfordern. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, wird nun auch eine zweite Küche eingebaut.

Wirte ohne Gastroausbildung

Ob Hochzeitsapéros, Geburtstagsfeste oder Geschäftsessen – auf ihrem Bauernhof in der ländlichen Gemeinde Auswil bewirtschaftet die vierköpfige Familie ihre Gäste mit Leib und Seele. «Obwohl niemand von uns eine Gastronomieausbildung hat», sagt Silvia Neuenschwander lachend. «Wir sind Wirte aus Leidenschaft.» Und aus Notwendigkeit: Die Neuenschwanders führen einen kleinen Bauernbetrieb mit rund zehn Kühen und 6000 Hühnern. «Der Betrieb alleine reicht zum Überleben nicht aus», räumt Kurt Neuenschwander ein. Das Angebot der Erlebnisgastronomie ist daher zu einem festen Standbein der Familie geworden. «Angefangen hat alles im kleinen Format», sagt der 54-jährige. Seit je schätze die Bauernfamilie den Umgang mit Leuten und das Wirtschaften: Erst nur im privaten Rahmen, dann während einzelner Anlässe, und nun sind sie von April bis Dezember sieben Tage die Woche einsatzbereit.

Wenn Neuenschwanders bis spät in die Nacht für das Wohl ihrer Gäste schauen, kräht frühmorgens gleichwohl der Hahn. Denn obwohl die Erlebnisgastronomie an sich ein Vollzeitjob sei, werde der Bauernbetrieb nebenbei weitergeführt. Zeit zum Ausschlafen bleibt dabei nicht, denn die Arbeit im Stall und auf den Feldern müsse trotzdem erledigt werden. «Da kommt es vor, dass man am Sonntagabend etwas müde ist», gesteht das Ehepaar ein.

«Ganz so einfach ist es nicht»

Auch in diesem Sommer stehen bei den innovativen Bauern Dutzende Familienfeste und Brunches auf dem Programm. «Wir sind gut gebucht», sagt Kurt Neuenschwander. Oft seien Freitag- und Samstagabend für die Erlebnisgastronomie reserviert. Manche Gäste reservieren bereits ein Jahr im Voraus. Da erstaunt es nicht weiter, dass die Erlebnisgastronomie auf Bauernhöfen zurzeit einen schweizweiten Boom erlebt. «Viele Landwirte springen auf den Zug auf.» Neuenschwanders fürchten trotzdem keinen Abbruch in ihrem Terminkalender. «Ganz so einfach ist es nicht», sagt Silvia Neuenschwander. Die Festerei sei mit viel Arbeit verbunden.

Anders als ein Restaurant

«Wir funktionieren anders als ein Restaurant», mutmasst Kurt Neuenschwander, gefragt nach den Gründen des Erfolgs. Die Erlebnisgastronomie stehe daher auch nicht in einem Konkurrenzverhältnis mit ihnen, vielmehr bilde sie eine Ergänzung dazu. Das selbst gebackene Brot, Milch von den Kühen aus dem Stall nebenan oder die Küken, die es nach dem Schmaus zu bestaunen gibt: Es sind die kleinen Dinge, welche Neuenschwanders Erlebnisgastronomie von einem Besuch im Restaurant unterscheiden. Die Gäste auf dem Hof sind bunt durchmischt. «Insbesondere Städtern scheint ein Besuch auf dem Bauernhof zu gefallen.»

Künftig wollen Neuenschwanders ihr Angebot noch weiter ausbauen. Gemeinschaftsspiele und Musik sollen das kulinarische Angebot ergänzen. Auch wenn der Bauernfamilie noch viele durchgefeierte Nächte ins Haus stehen: Zeit zum Ausruhen bleibt im Winter genug.

www.bauernhof-gastronomie.ch

Berner Zeitung

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