Lützelflüh

Wenn der Computer zum Schulbuch wird

Lützelflüh Die Schule Lützelflüh erhält eine ganze Menge neuer Computer. Zumindest Schülerinnen und Schüler der Oberstufe können so mit ihrem persönlichen Notebook arbeiten.

Noch liegen die neuen Laptops gestapelt im Regal. Gemeinderat Peter Bärtschi ist überzeugt von der kostspieligen Anschaffung.

Noch liegen die neuen Laptops gestapelt im Regal. Gemeinderat Peter Bärtschi ist überzeugt von der kostspieligen Anschaffung. Bild: Thomas Peter

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Die zweite Tranche der Lieferung wird nach den Frühlingsferien installiert. Dann werden alle Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, also ab der 7. Klasse, mit einem persönlichen Notebook arbeiten können.

Auch für die 5.- und 6.-Klässler werden genügend Geräte in den Schulzimmern vorhanden sein, sodass jedes Kind an einem Computer lernen kann. «Die aktuellen Lehrmittel sind darauf ausgelegt, dass der Schüler jederzeit auf ein Gerät zugreifen kann», sagt Peter Bärtschi, vor allem in den Sprachfächern Deutsch, Französisch und Englisch sei der direkte Zugriff mit einer Audiodatei gefordert. Bärtschi ist im Team der Computerbeschaffung dabei, selber Lehrer an der Berufsfachschule in Langnau und im Gemeinderat Lützelflüh für das Ressort Bildung zuständig.

Verträge ausgelaufen

Schulunterricht an Computern ist im Gotthelf-Dorf kein neues Thema. Schon 2009 wurden entsprechende Geräte angeschafft, damals noch Macs. Jetzt sind die Leasingverträge nach zweimaliger Verlängerung auf Ende März ausgelaufen, weshalb sich eine Arbeitsgruppe unter Gemeinderat Bärtschi intensiv mit dem Thema befasste.

Und zum Schluss kam: Das bisherige Konzept erwies sich als reformbedürftig und zu teuer. Allein die Leasingraten kosteten die Gemeinde jährlich 25 000 Franken, für den Unterhalt der Geräte mussten weitere 30'000 Franken bezahlt werden. Dies für nur 120 Geräte, also rund der Hälfte des künftigen Bedarfs.

Also entschied sich der Gemeinderat für den Kauf neuer Laptops und für den Wechsel vom Mac- zum Windows-System. Der für eine Gemeinde wie Lützelflüh happige Investitionskredit von 322 000 Franken bein­halte alle Garantie- und Unterhaltsarbeiten für die ersten drei Jahre, versichert Gemeinderat Bärtschi.

Sponsor aus Finanzdistrikt

Zudem kann das Dorf auf einen aussergewöhnlichen finanziellen Zustupf zählen: Seit zwei Jahren darf die Schule mit einer gross­zügigen Spende aus Zürich rechnen. Paul Geissbühler, ein Vermögensverwalter aus dem Zürcher Finanzdistrikt, hatte der ­Gemeinde auf Ende 2013 eine Summe von 200'000 Franken vermacht, die der Gemeinderat dann in jährliche Tranchen von 40'000 Franken aufteilte. Der 73-jährige Mäzen mit Wohnsitz in Herrliberg, der sich anfänglich nicht namentlich outen wollte, war in Grünenmatt zur Schule ­gegangen und wollte sich für die guten Kindheitsjahre von damals erkenntlich zeigen.

Die dazu gegründete Bärbel-und-Paul-Geissbühler-Stiftung bezweckt gemäss Handelsregister ganz allgemein «die Förderung humanitärer Entwicklung und die Lin­derung menschlicher Not». Zudem unterstützt sie «insbesondere den Ausgleich sozialer Defizite und fördert die Aus- und Weiterbildung junger Menschen». Mit der Verwendung des Geldes für die Informatikaufrüstung sei der Sponsor einverstanden gewesen, verlautet aus dem Gemeinderat. Weshalb Gemeindeverwalter Ruedi Berger zur finanziellen Belastung wegen des Investitionskredits Entwarnung geben kann: «Das ist durchaus tragbar.»

Zukunftsorientierte Lösung

Die willkommene Spende erleichterte dann auch den Entscheid zum Kauf von etwas wertbeständigeren Geräten. Ziel sei es gewesen, lässt der Gemeinderat mitteilen, eine «wirtschaftliche, moderne und zukunftsorientierte Lösung zu finden». Anders als in Konolfingen und Huttwil, wo die Schulzimmer mit günstigeren Computerlösungen (Chromebooks bzw. Streambooks) ausgestatten wurden, konnte Lützelflüh mit einem etwas höheren Budget kalkulieren. «Es ist ein stolzer Betrag», sagt Peter Bärtschi, «durch die Spende mussten wir nicht die billigsten Geräte anschaffen.» Zudem wird in allen Schulhäusern aus dem gleichen Kredit das WLAN-Netz ausgebaut, sodass die Geräte optimal genutzt werden können.

Vom Lehrplan gefordert

Mit der Anschaffung der rund 230 neuen Geräte erweist sich die Schule Lützelflüh als vorbildlich. Sie folgt damit den Empfehlungen der Berner Erziehungsdirektion, welche sich wiederum auf die Einführung des Lehrplanes 21 in zwei Jahren abstützt. Darin ist festgehalten, dass jeder Schüler zumindest während gewisser Unterrichtszeiten ein eigenes Gerät zur Verfügung haben sollte. Heute stehen, das hat eine aktuelle Erhebung ergeben, in den bernischen Schulen durchschnittlich nur gerade drei Laptops pro Klasse zur Verfügung.

Vorgaben stossen auf Kritik

Die Vorgaben der Erziehungs­direktion zum allgemeinen Aufrüsten der Schulinformatik stossen allerdings auch in Emmentaler Gemeinden zumindest hinter vorgehaltener Hand auf Kritik. Denn der Kanton bezahlt zwar die Informatikweiterbildung der Lehrkräfte, nicht aber die Anschaffung der Geräte. «Der Kanton überlässt den Gemeinden die volle Freiheit und hält sich mit konkreten Empfehlungen zu sehr zurück», ärgert sich auch Peter Bärtschi. Lützelflüh will diese Verantwortung nun wahrnehmen – dem grosszügigen Sponsoren sei Dank.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 13.04.2016, 08:21 Uhr

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Keine Erfolgsgarantie

Der Unterricht mit Computern ist keine Garantie für erfolgreiches Lernen. Das hat eine im vergangenen Herbst publizierte Studie der OECD ergeben. In Ländern, die massiv in die IT-Ausstattung von Schulen investieren, konnten «keine merklichen Verbes­serungen» bei den Leistungen in den Pisa-Bereichen wie Lesen, Rechnen oder Naturwissenschaften festgestellt werden. Denn ein erfolgreicher Einsatz dieser Geräte hänge davon ab, wie die Lehrpersonen für den Einbezug dieser Medien in den Schulunterricht geschult wurden. Schweizer Schülerinnen und Schüler nutzen den Com­puter täglich nur 16 Minuten in der Schule. Weit intensiver ist die schulische Nutzung in Dänemark (46 Minuten), Schweden (39 Minuten) oder Australien (58 Minuten). Zu viel Informatik bringe tatsächlich nichts, weiss auch Peter Bärtschi aus Lützelflüh, «man muss eine gesunde Mischung finden».uz

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