Wenn das Wasser knapper wird

Der trockene Sommer zwingt die Behörden, über Investitionen nachzudenken. Im Gebiet Röthenbach und Eggiwil etwa bereitet es Sorgen, wie die Quellen und der Grundwasserspiegel zurückgegangen sind. 

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Das Kabel ist zu kurz. Die Sonde, die daran hängt, reicht nicht mehr bis ins Wasser hinunter. Röthenbachs Brunnenmeister Manfred Bieri musste etwas basteln, damit er den Grundwasserspiegel weiterhin messen kann. Jetzt wird nicht mehr automatisch aufgezeichnet, wie das Wasser sinkt, Bieri muss die Werte von Hand in ein Buch eintragen. Aber das ist das kleinste Problem, mit dem er und Peter Mosimann sich beschäftigen.

Der Grundwasserspiegel sinkt jeden Tag um elf Zentimeter.Manfred Bieri
Brunnenmeister in der Gemeinde Röthenbach

Mosimann ist stellvertretender Brunnenmeister und Mitglied des Gemeinderates. Jetzt müssen sie zuschauen, wie das Grundwasser stetig abnimmt. «Der Spiegel sinkt jeden Tag um elf Zentimeter», sagt Bieri. Letztes Wochenende, als es regnete, habe er sich nur kurz leicht stabilisiert. Inzwischen liege er 15 Meter unter dem normalen Stand. 

Keine akute Not

Das Rohr, das in den Grundwasserstrom führt, ist 50 Meter lang. Die Sonde wird also noch lange nicht im Trockenen landen. Aber ab einer gewissen Tiefe, die laut Mosimann bald erreicht ist, ist das Rohr seitlich eingeschlitzt. Durch diese Öffnungen dringt das von Kiesgestein umgebene Wasser ein. «Jetzt wissen wir nicht, was passiert, wenn wir von so tief unten Wasser hochpumpen», sagt Peter Mosimann. «Es könnte leicht getrübt zum Vorschein kommen», umreisst er das Problem. Um Rat gefragte Ingenieure seien nun daran, diese Frage zu klären.  

Schlimmstenfalls müsste die Gemeinde Röthenbach die Pumpen abstellen. Doch das heisst nicht, dass die Leute im Dorf befürchten müssen, bald kein Trinkwasser mehr zu erhalten. Denn letztes Jahr hat die Gemeinde Röthenbach das gemacht, was der Kanton empfiehlt (siehe Interview unten).

Sie hat eine Verbindungsleitung gebaut zwischen der Grundwasserfassung im Tal und den Quellen in der Nähe des Chuderhüsi. Im Gebiet Gauchern schütten die insgesamt vier Quellen immer noch mehr Wasser, als die Gemeinde zur Versorgung ihrer Bürger braucht. Die Menge ist laut Mosimann, der auf Gauchern eine Leitungsbaufirma betreibt, zwar auch zurückgegangen. Normal läge sie bei 250 Litern pro Minute, aktuell seien es noch rund 150. «Davon brauchen wir etwa die Hälfte», der Rest fliesst im Bach Richtung Bowil. 

Der Verbrauch steigt

«Dank den Quellen bleibt die Bevölkerung in Röthenbach sicher versorgt», sagt Mosimann. «Selbst wenn vorübergehend kein Wasser mehr aus dem Grundwasser gepumpt werden könnte.» Deshalb habe es sich die Gemeinde auch erlauben können, der Wasserversorgungsgenossenschaft Siehen-Knubel 50 Kubikmeter zu verkaufen.

In dem auf Eggiwiler Boden liegenden Gebiet unterhalb des Schallenbergs sind die Quellen, die 1985 gefasst wurden, zu stark zurückgegangen. «Im Sommer reichte es problemlos», sagt Anton Bigler, Präsident der Genossenschaft, die in diesem Gebiet 2005 für die Wasserversorgung gegründet wurde.

Vor zwei Wochen musste das Reservoir aber mit fremdem Wasser gefüllt werden. Denn jetzt, da die Kühe wieder im Stall sind, steigt der Verbrauch auf den Höfen. Auch für das Reinigen von Melkmaschinen und Milchtankanlagen brauche es mehr Wasser nötig als früher, sagt Bigler. Gleichzeitig stellt er generell eine Abnahme der Quellschüttungen fest. Wie das Problem zu lösen ist, weiss er noch nicht. «Bis vor zwei Wochen habe ich von einer Grundwasserfassung geträumt», sagt der Bauer. Doch mit Blick nach Röthenbach hat er das aufgegeben. 

Vom Geissbach ins Dorf

In der Gemeinde Eggiwil will man nach diesem trockenen Sommer auch nicht zur Tagesordnung übergehen, obwohl das Wasser «gerade noch reicht», wie Gemeindepräsident Niklaus Rüegsegger sagt. Jetzt will der Gemeinderat ein Projekt angehen, das man schon länger vor sich herschiebe. Er denkt daran, die sogenannte Kummerquelle im Geissbach zu fassen. Rüegsegger sagt: «Wenn wir deren Wasser ins Dorf führen können, sind wir wieder topversorgt.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.11.2018, 08:25 Uhr

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