Langnau

Wenn Wasser und Strom nicht fliessen

LangnauBetreiber von Kleinkraftwerken hatten es diesen Sommer schwer. Emme und Ilfis führten wenig Wasser, was herbe Verluste in der Stromproduktion verursachte.

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Der Sommer war heiss, der Himmel fast durchgehend strahlend blau. Ein Paradies für Spaziergänger, Badibesucher und andere Freizeitaktivisten. Doch: des einen Freud, des anderen Leid. Bruno Wittwer betreibt im Industriegebiet Obermatt in Langnau ein Wasserkraftwerk. Diesen Sommer musste er aufgrund der tiefen Wasserstände wiederholt die Schotten dicht machen. «Die Anlage laufen zu lassen, hätte mehr Energie gekostet, als produziert worden wäre», sagt er.

Der ewige Motor

An einem durchschnittlichen Tag brachte die Ilfis letztes Jahr jede Sekunde 4,4 Kubikmeter Wasser, wobei der März mit 8300 Litern der abflussreichste Monat war. Zum Vergleich: Heuer führte die Ilfis in Langnau Anfang August zuweilen nur 750 Liter pro Sekunde. So waren Juli und August mit durchschnittlich 1,34 Kubikmetern pro Tag die wasserärmsten Monate 2018. «Der September wird wohl noch schlechter ausfallen», meint Wittwer. Für ihn gilt: kein Wasser, kein Strom.

Das Kleinkraftwerk, das Wittwer betreibt, kann mit der angestrebten Jahresleistung von 800 000 Kilowattstunden gut 200 Haushalte mit Strom versorgen. Diesen August produzierte das Kraftwerk noch knapp eineinhalb Prozent der angestrebten Monatsleistung. Die Kosten für den Betrieb überstiegen die Produktion, das Werk musste abgeschaltet werden.

Zuerst wurde geschmolzen

Seit dem frühen 19. Jahrhundert wird in der Obermatt mit dem Wasser der Ilfis Energie produziert. Damals war dort eine Schmitte ansässig. Was mit einem einfachen Wasserrad und Transmissionsantrieb begann, wurde von 1936 an zur Stromproduktion genutzt. Mithilfe einer Turbine wurde in der Firma Jost der Strom zum Antrieb der Maschinen und zum Schweissen genutzt. In der Nacht brauchte man den überschüssigen Strom, um Aluminium zu schmelzen.

«Die Anlage laufen zu lassen, hätte mehr Energie gekostet, als produziert worden wäre.»

Bruno Wittwer
Betreiber Wasserkraftwerk

Heute fabriziert die Firma Maschinen, welche Kabel in den Boden verlegen. Der Betrieb erneuerte die Anlage in den 80er-Jahren. «Als ich 1991 die Firma kaufte, produzierte die Anlage noch Strom für den Betrieb», sagt Bruno Wittwer. Heute ist das anders. Der 63-jährige Ingenieur hat die Firma 2010 seinem Nachfolger übergeben. Seit damals gehört das Kraftwerk der Aktiengesellschaft Enwag, deren einziger Aktionär Wittwer ist. Zwischen 2014 und 2015 liess er das Kraftwerk erneuern.

Es geht weiter

Das neue Kraftwerk produziert 500 000 Kilowattstunden mehr Leistung als das alte. Zudem weist es einen sehr guten Wirkungsgrad auf. Von theoretisch 200 Kilowatt pro Stunde können deren 170 genutzt werden. Bruno Wittwer liess sich diverse Erneuerungen rund drei Millionen Franken kosten. Die Konzession für das Kraftwerk läuft noch bis 2055, und Wittwer rechnet mit gut 20 Jahren, bis er die Anlage amortisiert hat.

Angst für die Zukunft hat er zwar nicht, dennoch blickt er ungewiss voraus. «Ich weiss es nicht», sagt Wittwer auf die Frage, ob trockene Sommer wie dieser dem Geschäft schaden würden. Zustimmung findet Wittwer bei Peter Kast, dem Geschäftsführer des Kraftwerks der BKW im Gohlhaus. «Das können wir jetzt noch nicht sagen», meint dieser. Für die Wasserkraft massgebend sei lediglich die Gesamtabflussmenge über das ganze Jahr gesehen. Jedoch hätten sie ihre Anlage nie abstellen müssen. «Das Kraftwerk produzierte am schlechtesten Tag immer noch 35 Kilowatt in einer Stunde», sagt der Geschäftsführer. Sie seien selbst überrascht gewesen, bei wie wenig Wasser die Turbine noch funktioniere. Auch sie würden aber eine Ertragseinbusse erleiden, so Kast.

Dennoch bestehe kein Grund zur Sorge. Tendenziell würden die Winter nässer, meint er. Momentan aber ist weit und breit kein Regen in Sicht.

(Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 13.10.2018, 09:25 Uhr

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