Wenn Sitze wichtiger sind als Inhalte

Drei Listenverbindungen gibt es im Wahlkreis Oberaargau für die Grossratswahlen. Dass es dabei mehr um die blosse Anzahl Sitze als um politische Inhalte geht, zeigt ein Blick auf die Profile der Kandidierenden.

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Alle Parteien ausser der BDP tun es auch heuer wieder: Sie verbinden ihre Listen für die Grossratswahlen vom 30.März. Sie versuchen so ihre Aussichten zu verbessern, Sitze im Kantonsparlament zu erobern. Im Wahlkreis Oberaargau gibt es die folgenden drei Listenverbindungen:

  • SVP, FDP, Jungliberale.

  • SP, Grüne, Junge Grüne.

  • EVP, Junge EVP, Grünliberale (GLP), EDU.

Was ist das?

Eine Listenverbindung ist eine Vereinigung von Listen, die bei der Verteilung der Mandate wie eine einzige Liste behandelt wird. Es ist quasi ein Stimmenpool. Die miteinander verbundenen Listen werden bei der Sitzverteilung als Einheit behandelt, womit die Chance eines zusätzlichen Sitzes besteht. Deshalb sind Listenverbindungen vor allem bei kleinen Parteien beliebt. In einer internen Zuordnung werden die Sitze dann nach den Proporzregeln auf die einzelnen Parteien verteilt.

Es geht bei den Listenverbindungen somit primär um mathematische Wahlmaximierung und kaum um politische Inhalte. Das führt dazu, dass sich Parteien zusammenschliessen, deren Kandidierende zum Teil erhebliche politische Differenzen aufweisen. Das zeigt der Blick auf die sogenannten Smartspiders der Listen im Wahlkreis Oberaargau. Diese lassen sich mit der Onlinewahlhilfe Smartvote generieren. Die Grafiken zeigen die Smartspiders der sieben Mutterparteien.

Bürgerliche Stimmen bündeln

Bei SVP und FDP einerseits, EVP, GLP und EDU andererseits sind die Smartspiders alles andere als deckungsgleich. Dies im Gegensatz zu SP und Grünen, bei denen die politischen Ziele der Kandidierenden doch sehr stark übereinstimmen.

Während sich viele SVP-Kandidierende für eine sehr restriktive Migrationspolitik aussprechen, sind bei der FDP vielen eine liberale Wirtschaftspolitik und Gesellschaft sowie eine durchaus offene Aussenpolitik wichtig. Das heisst: Wählerinnen und Wähler der FDP geben ihre Stimmen ungewollt auch für diese SVP-Politik ab und umgekehrt.

BDP-Grossrat und -Präsident Dieter Widmer brachte dieses Dilemma auf den Punkt, als er die Absage seiner Partei an eine bürgerliche Listenverbindung SVP, FDP, BDP erklärte: «Wer BDP wählt, unterstützt ausschliesslich die BDP und nicht zugleich noch Kandidaten von anderen Parteien, die zum Teil sehr divergierende Ziele verfolgen.»

Bei der SVP und der FDP wird die Allianz damit begründet, dass es primär darum gehe, die bürgerlichen Stimmen in den verschiedenen Teilregionen zu bündeln und zu sichern. So hat die FDP beispielsweise in und um Huttwil keine Kandidierenden, die SVP aber gleich zwei. Wer in Huttwil somit «bürgerlich» wählen wolle, komme nicht umhin, diesen ihre Stimme zu geben, sagen die Parteistrategen von SVP und FDP. Dank der Listenverbindung verzetteln sich diese Stimmen nicht.

Sitz für EDU dank GLP?

Die drei kleinen Parteien EVP, GLP und EDU verfolgen mit ihrer Allianz ganz klar das Ziel, gemeinsam den EVP-Sitz zu verteidigen und ein zweites Mandat hinzuzugewinnen. Dass dabei GLP und EDU sehr unterschiedliche politische Ziele haben und die Grünliberalen um den Unternehmer Kurt Schär (Biketec) der christlich-konservativen EDU vermutlich zu einem Grossratssitz verhelfen werden, wird dem Streben nach Sitzen im Kantonsparlament untergeordnet.

Klar: Die GLP hofft, dass der zweite Sitz, den die Listenverbindung wohl machen wird, ihr zufällt. Doch aufgrund der Wähleranteile bei den letzten Wahlen 2010 und der schwachen Verankerung der GLP im Oberaargau ist es wahrscheinlicher, dass die EDU den Sitz gewinnt. Aber immerhin ist die Wahrscheinlichkeit, dass die GLP einen Sitz gewinnt, mit der Listenverbindung grösser, als wenn sie alleine zu den Wahlen antreten würde.

Nicht wählen als Alternative

Stellt sich die Frage, welche Möglichkeit die Wählenden haben, wenn sie nicht wollen, dass ihre Stimme nicht nur der Partei ihrer Wahl, sondern auch deren Listenpartner zugute kommt. Konkret: Was macht ein GLP-Wähler, der nicht will, dass seine Stimme auch der EDU hilft? «Nicht GLP wählen oder überhaupt nicht wählen», sagt der Politologe Georg Lutz. (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.03.2014, 09:20 Uhr

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