Langenthal

Wenn Ideen und Stoffe fliessen

LangenthalVor zehn Jahren lancierte die Langenthalerin Christine Hurst ihr eigenes Modelabel Cascade. In ihrem 2009 eröffneten Atelierladen an der Wiesenstrasse lädt die gelernte Schnitttechnikerin morgen Freitag zu einem Event mit Stoffen, Zuckerkreationen, Bildern und Worten.

Christine Hurst in ihrem Atelierladen in Langenthal. «Ich verarbeite gerne Stoffe aus früheren Zeiten zu tragbarer Mode für Frauen, Männer und Kinder.»

Christine Hurst in ihrem Atelierladen in Langenthal. «Ich verarbeite gerne Stoffe aus früheren Zeiten zu tragbarer Mode für Frauen, Männer und Kinder.» Bild: Thomas

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Jupes flattern lustig im Wind vor dem Atelierladen Cascade im ehemaligen Gebäude der Oswald Meier AG in Langenthal. Beim Eintreten taucht man ein in eine Welt voller aparter Stoffe, Röcke, Shirts und Jacken. Ausgefallene Schnitte und Ideen sind neben ungewöhnlichen Materialien das Markenzeichen von Christine Hurst. Heiss begehrt sind ihre Etuikleider aus Mischgewebe. Oder darf es vielleicht edle Valentinoseide sein?

«Ich verarbeite gerne Stoffe aus früheren Zeiten zu tragbarer Mode für Frauen, Männer und Kinder», sagt die Schnitttechnikerin. Ihre erste Anlaufstelle sei die Langenthaler Polsterei und Sattlerei Lehmann gewesen. Diese Ausbildung hat sie gemacht, damit sie Mode nicht nur entwerfen, sondern auch in exklusiven Kleinserien herstellen kann. Mit ihren Kreationen aus original Blumenjacquard- oder Streifenmuster bringt sie das formenreich gemusterte Gewebe ans Tageslicht, statt es unter Leintüchern verschwinden zu lassen.

Know-how und Kreativität

«Einem Luzerner Geschäft durfte ich als erste Musterkollektion T-Shirts aus Frotteeplüsch in Kommission geben», erinnert sich Christine Hurst an die Anfänge des 2004 gegründeten Labels Cascade. Bald folgten weitere Aufträge. Fünf Jahre später eröffnete sie ihr Geschäft, und inzwischen hat sie eine grössere Ladenfläche gemietet. «Das eröffnet Optionen für Kunstausstellungen oder diesen Jubiläumsevent», sagt Christine Hurst, die ihre Selbstständigkeit schrittweise aufbaute. «Eine tolle Möglichkeit, ans Publikum zu gelangen, war die Z-Art in Langenthal, ebenso die Modeschauen an der Basler Mustermesse.» Auch dieses Jahr näht sie zusammen mit einer Schneiderin die Kostüme für den Chor der Gartenoper Langenthal.

Im Laden geht es lebhaft zu und her. Christine Hurst braut Kaffee, winkt einer Passantin und erklärt Christoph Hauri, wo er seine Bilder aufhängen kann. Mit ihrer gewinnenden Art bittet sie einen Bekannten, in ein Jackett zu schlüpfen, und beschliesst sogleich, den Prototyp, eine Mischung aus Gilet und Jacke, ins Sortiment zu nehmen. «Meistens habe ich eine Idee, die ich im Kopf ‹nähe›. Eigentlich bin ich eine Retrotante, die gerne alte Sachen in eine neue Form bringt», meint sie lachend. Schon als Zwölfjährige hat sie ihre erste Jacke aus Matratzenstoff genäht.

Talent, Disziplin, viel Herzblut

Aufgewachsen ist die Künstlerin im bernischen Lindental auf einem Kleinbauernhof. Ihr Vater war Küfer, und ihre Mutter hat ihr das Talent zum Malen weitergegeben. Christine Hurst konnte als eine der Gewinnerinnen des Chrämerhuus-Art-Slams ihre Bilder in Neocolortechnik letztes Jahr in Genua ausstellen.

Ursprünglich lernte sie am Seminar in Thun Handarbeitslehrerin. Sie erhielt ein Teilpensum in Roggwil und unterrichtete später im Inforama Waldhof Textiles Gestalten. «Daneben besuchte ich die Schule für Gestaltung in Olten und bildete mich an der Textilfachschule in Zürich zur Schnitttechnikerin aus», erzählt Christine Hurst. In dieser Funktion war sie acht Jahre bei Zimmerli Textil Aarburg tätig.

«Das Selbstständigsein ist die grösste Herausforderung», sagt sie. Zuerst müsse man zu sich selber finden, an sich selber glauben und immer wieder Selbstzweifel ablegen. Am wichtigsten seien Herzblut und Disziplin. «Trotzdem möchte ich die Selbstbestimmung und die Selbstverantwortung nicht mehr missen. Inzwischen habe ich viel Erfahrung. Oft spüre ich intuitiv, welcher Stoff einer Kundin steht. Das ist immer ein Highlight, ebenso, wenn die Anprobe passt», betont die vielseitige Schnittkünstlerin.

Event zum 10-Jahre-Jubiläum des Labels Cascade: Freitag, 25. April, ab 19 Uhr, Wiesenstrasse 21, Langenthal. Mit Stoffen von Christine Hurst, Zucker von Janine Daher, Farben von Christoph Hauri und Worten von Remo Zumstein. Infos unter: www.cascade.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.04.2014, 08:51 Uhr

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