Langenthal

Wenn Haue kriegen Spass macht

LangenthalVier Langenthaler liessen am Samstagabend die erste Oberaargauer Wrestlingparty steigen. Dabei kletterten die Organisatoren gleich selber in den Ring. Mit einer Portion Selbstironie boten die Jungs eine unterhaltsame, letztlich abgekartete Gewaltshow.

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Würg, was für ein Ekelpaket! Diablo blickt selbstherrlich in die Zuschauermenge und mimt den Sieger. Dass er gehasst und ausgebuht wird, stört ihn nicht. Im Ring liegt regungslos Publikumsliebling Rott, alle Viere von sich gestreckt. Diablo hat ihn eben in hohem Bogen zu Boden geschmettert. Aber Rott gibt nicht auf. Er kämpft sich zurück auf die Beine, schleicht sich an Diablo heran und – bamm! – zieht dem Kerl eins über die Rübe, dass dieser gleich vornüberkippt. Das Publikum johlt und klatscht. Jetzt ist wieder der Richtige am Drücker.

Wahrlich, was an diesem Samstagabend in der Markthalle geboten wird, ist nichts für schwache Gemüter. Wrestling ist angesagt, die Schaukampf-Sportart aus Übersee. Es steigt der Longvalley Smackdown, die erste Wrestlingparty im Oberaargau. Organisiert haben den Anlass vier Langenthaler – Thomas Moser, Alain Schneeberger, Philippe Rohr und Andreas Moser. Die vier steigen dabei gleich selbst in den Ring. Schliesslich haben die Lokalmatadoren für diesen Augenblick ein halbes Jahr lang hart trainiert. Der Wrestlingabend ist das Resultat einer anfänglichen Bieridee. Entstanden ist ein abendfüllendes Programm mit Bar, Musik und gehörig viel Haue zum eigenen und zum Vergnügen des Publikums.

Theatralisches Machogehabe

Bei Diablo und Rott hat es sich ausgekämpft. Der Böse verliert, der Gute gewinnt, das Publikum grölt. So muss es sein. Wrestling folgt einem einfachen Drehbuch: Die Kämpfe sind abgekartet. Was zählt, ist die Show. Theatralisches Machogehabe kombiniert mit mehr oder weniger abgesprochenen Schlägen, Würfen und Tritten. Um die zu lernen, sind die vier Langenthaler Wrestler zum Training ins Zürcher Unterland gefahren. Die Kämpfer der Wrestling Academy aus Rorbas brachten ihnen das Handwerk bei. Diablo und Rott sind zwei von ihnen.

Sie und einige mehr sind eigens für den Wrestlingabend nach Langenthal gereist. So können beim Longvalley Smackdown drei Kampfrunden ausgetragen werden. Bei der ersten sind auch die vier Langenthaler dabei. Sie kämpfen das Battle Royale. Das heisst: Acht Wrestler stehen gleichzeitig im Ring und raufen, bis bloss noch einer übrig bleibt. Zur Show gehört auch, dass die Kämpfer in eine Rolle schlüpfen und sich kostümieren. Besonders kreativ zeigen sich dabei die Hiesigen. Thomas Moser geht als wild gewordenes Tier, Alain Schneeberger als flinker Latino mit Gesichtsmaske, Philippe Rohr als Holzfäller und Andreas Moser als Hardrocker. Sie nennen sich Wild Animal, El Mono, Red Neck und Black Metal.

Mitfiebern und mitleiden

Als sie in den Ring steigen, wird es laut in der Markthalle. Man merkt: Viele Zuschauer sind vor allem wegen der Organisatoren gekommen, nicht unbedingt wegen des Wrestlings. Die meisten sind vor dem Kampf sogar ziemlich skeptisch. Im Oberaargau scheint das Publikum doch anspruchsvoller zu sein als in den USA, wo ein Wrestlingkampf locker ein ganzes Stadion füllt.

Los gehts mit der ersten Runde. Kaum ertönt der Gong, fliegen schon die Fetzen. El Mono hat sich einen der Auswärtigen gepackt und schleudert ihn gegen die Seile. Derweil kassiert Red Neck ein paar Kopfnüsse von Black Metal. Die Massenschlägerei ist in vollem Gang. Wie war das noch mit dem anspruchsvollen Publikum? Auch in Langenthal wird gejohlt und geklatscht, wenn ein Wrestler unter krachenden Geräuschen zu Boden geht. Der Schaukampf hat seltsamerweise etwas Packendes, Unwiderstehliches. Man lässt sich gerne provozieren vom Imponiergehabe der Stärkeren, fühlt aber auch mit den Unterlegenen, die ächzend am Boden liegen. Letztlich aber ist jedem klar: Es ist alles nur gespielt.

So liegt auf der Hand, wer im Battle Royale die Oberhand behält: Es sind die Lokalmatadoren. Alle Auswärtigen wurden aus dem Ring spediert. Den Rest machen die Langenthaler unter sich aus. Schwitzend und schnaubend scheidet einer nach dem anderen aus. Bis nur noch Alain Schneeberger alias El Mono oben steht und sich vom Publikum frenetisch feiern lässt.

Die anfängliche Skepsis gegenüber Wrestling? Sie ist schnell verflogen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.06.2014, 06:32 Uhr

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