Burgdorf

Wenn Farben das Herz erfreuen

BurgdorfDie Burger­gemeinde zeigt, dass das Miteinander von Biodiversität und produzierender Landwirtschaft möglich ist. Das Gebiet Schönenbüeli liefert den ­Beweis.

Ein prächtiger Ort des Lebens und der Vielfalt: Werner Kugler, Oberförster der Burgergemeinde Burgdorf, kommt auf der Wiese unweit des Bahnhofs Steinhof ins Schwärmen.

Ein prächtiger Ort des Lebens und der Vielfalt: Werner Kugler, Oberförster der Burgergemeinde Burgdorf, kommt auf der Wiese unweit des Bahnhofs Steinhof ins Schwärmen. Bild: Thomas Peter

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So unwirtlich und tot das Wort Rotationsbrache klingen mag, so diametral anders ist die Realität. Jedenfalls, wenn die Rede vom Schönenbüeli in Burgdorf ist.

Anders als bei Industriebrachen ist die Rotationsbrache – die von Landwirten auch Bunt­brache genannt wird – ein Ort des Lebens, der Vielfalt und der Farbenpracht. Das Herz eines jeden jauchzt, der in diesem Gebiet unterwegs ist. Denn die ehemals ausschliesslich landwirtschaftlich genutzten Flächen, die seit 2017 für die nächsten acht Jahre als Buntbrache bewirtschaftet werden, sind zum Leben erwacht.

Dort, wo einst Weizen oder Mais angebaut wurden, gedeiht nun in fast unzähligen Farben eine Blumenwiese. Man glaubt es kaum, dass so etwas Wunderschönes nur wenige Hundert Meter von der Bahnstation Steinhof entfernt überhaupt möglich ist.

Flora und Fauna

Die Zusammensetzung der Blumen ändert sich fast monatlich. Im Frühling dominiert das Weiss der Margeriten die Wiese, im Sommer sind es die Wilde Malve, Odermenning, Esparsette, aufrechtes Fingerkraut, Johanniskraut, Vogelwicke, Kleearten und Klatschmohn.

Bis nach den ­Sommerferien wird die Pracht im Schönenbüeli zu bewundern sein. Artenreich ist nicht nur die Flora, sondern auch die Fauna: Schmetterlinge, Jung- und Wildbienen sowie Vögel und Insekten bevölkern die Rotationsbrache. Werner Kugler, Oberförster der Burgergemeinde Burgdorf, kommt da ins Schwärmen: «Noch nie habe ich im Kanton Bern eine Buntbrache dieser Grösse gesehen.» Manchmal treffe man in den Alpen auf blumenreiche ­Wiesen, aber kaum noch im Flachland – schon gar nicht in diesem Ausmass.

«Noch nie habe ich im Kanton Bern eine Buntbrache dieser Grösse gesehen.»Werner Kugler, Oberförster

Rotation bedeutet, dass diese Blumenwiese nach acht Jahren umgepflügt und das Land danach wieder für die Lebensmittelproduktion, etwa für den Anbau von Getreide, genutzt wird. Im Schönenbüeli sollen Biodiversität und Ackerbau nebeneinander Platz haben.

Zusammen mit Landwirt und Pächter Reto Buri hat Kugler das Nutzungskonzept entwickelt. Dass ein Bauer diese Koexistenz nicht nur unterstütze, sondern noch fördere, sei nicht selbst­verständlich. Doch Reto Buri sei einer, «der mit Herzblut zur Sache geht».

Die Auszeichnung

Sowohl die forstliche als auch die landwirtschaftliche Bewirtschaftung sind im Schönenbüeli geprägt durch einen extensiven Charakter. So wird der Wald seit mehr als dreissig Jahren nahezu sich selbst überlassen. Eingriffe in den Waldbestand sollen sich nur mit der Erhaltung und der Förderung der Biodiversität begründen lassen. Als Nutzholzlieferant dient dieser Wald nicht. Nur wenn zum Beispiel für Pfadfinder, die in diesem Gehölz Übungen machen, eine Gefahr besteht, wird eingegriffen.

Das Schönenbüeli ist ein 30 Hektaren grosses Areal, das reich an Eichen ist, die mosaikartig im Gelände stehen. Solitäreichen und kleinere Gruppen von Alteichen verleihen der Landschaft ein wahrlich besonderes Gepräge. «Die Erhaltung und Vermehrung der eichenreichen Flächen stellt eine wichtige Zielsetzung in der Bewirtschaftung der Flächen dar», betont Oberförster Kugler.

Abgestorbene Eichen lasse man bewusst stehen. Sie sollen zum Beispiel Vögeln als Beobachtungspunkt dienen. Oder anders gesagt: Der Fauna, die das Totholz als Lebensraum nutzt, wollen die Burger eine Chance geben.

Diese Bemühungen, welche zur Erhaltung des vielfältigen Natur- und Kulturerbes der Eiche in der Schweiz beitragen, werden jetzt vom Verein Pro Quercus ausgezeichnet. Im Namen der Burgergemeinde Burgdorf konnte Werner Kugler den Preis am Freitag in Empfang nehmen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.06.2018, 14:35 Uhr

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