Weil der Biber grub, ist die Strasse kaputt

Koppigen

Das ist aussergewöhnlich: Unter der Willadingenstrasse in Koppigen wurde ein Biberbau entdeckt. Da es gefährlich wurde, musste die Strasse gesperrt werden. Bis am Donnerstagabend sollte sie geflickt sein.

Ein Bau mit Folgen: Der Biber hat sich unter der Willadingenstrasse gegraben. Nun wird sie repariert.

Ein Bau mit Folgen: Der Biber hat sich unter der Willadingenstrasse gegraben. Nun wird sie repariert.

(Bild: Andreas Marbot)

Nadja Noldin

Aus der Sicht des Bibers mag es eine gute Idee gewesen sein, sich quer unter der Willadingenstrasse in Koppigen einzurichten. Er hat unter der Kantonsstrasse, die parallel zur Oesch verläuft, vom Bach her unbemerkt ein Loch gegraben und eine Höhle gebaut. Aus Sicht der Menschen allerdings war die Idee des Bibers denkbar schlecht: Die Willadingenstrasse ist eingestürzt und muss derzeit repariert werden. Sie ist seit Mittwoch bis voraussichtlich Donnerstag gegen Abend für den motorisierten Verkehr gesperrt.

Eine Umleitung für Autos und Motorräder ist via Aspi signalisiert; Lastwagen werden über Höchstetten umgeleitet. Mit dem Velo kann die Baustelle passiert werden. «Die Sache ist glimpflich ausgegangen und eher ärgerlich als gravierend», sagt Strasseninspektor René Wälchli. Man müsse ausheben, die Lücke füllen und den Belag neu machen. Wälchli rechnet mit Kosten von gut 3500 Franken.

Keine sichtbaren Spuren

In Koppigen waren zuvor mehrere Meldungen eingegangen, weil Leute auf ein Loch im Belag aufmerksam wurden. Der Wegmeister entdeckte daraufhin unter der Strasse den Biberbau, der von der Oesch her erschlossen war. Von aussen war der Bau nicht sichtbar, es deuteten auch keine Spuren oder ein Damm darauf hin, dass das Tier am Werk gewesen war.

Bis über die Hälfte der Strasse, gut drei Meter, hat der Nager untergraben. Sein Bau war circa 30 Zentimeter gross mit einem Schlafplatz. Die kantonale Wildhut geht auf Anfrage davon aus, dass es sich um einen «temporären Bau» gehandelt hat. Als die Arbeiter mit der Reparatur begannen, war der Biber jedenfalls nicht mehr da. Mag sein, dass ihn der Strassenlärm vertrieben hat.

Zu einem späteren Zeitpunkt soll auch die Bachböschung wieder befestigt werden. Es sollen auch Massnahmen getroffen werden, damit der Biber dort nicht wieder gräbt. Denn die ­Nager haben die Angewohnheit, an bekannte Orte zurückzukehren. «Auf einer Länge von 15 Metern werden Armierungsnetze als ­Widerstand eingebaut», sagt Wälchli. Die anderen Stellen weiter oben respektive weiter unten an der Strasse müssten nun genau beobachtet werden.

Dass eine Kantonsstrasse betroffen sei, sei extrem selten, sagt Christof Angst von der nationalen Biberfachstelle Schweiz. Viel häufiger geht es um Feldwege, weil diese oft näher am Gewässer liegen. In der Schweiz gebe es rund 3000 Biber, sie sind alle streng geschützt. Zu schweren Unfällen im Strassenverkehr sei es aber bisher nicht gekommen, betont Angst.

Vier wurden überfahren

In Koppigen selbst sind Biber schon seit längerem wohnhaft und aktiv – vor allem in der Region Lutermoos. Dort würden immer wieder frische Frassspuren gefunden, weiss Koppigens Wegmeister Stefan Schürch. Letztes Jahr mussten vier Tiere auf der Willadingenstrasse ihr Leben lassen. Sie wollten wohl auf der anderen Strassenseite Zuckerrüben stibitzen und wurden überfahren. Und gegen Recherswil hin befänden sich zwei kleinere Verbau­ungen im Bach, so Schürch. Dem Wegmeister gelang es sogar, ein Exemplar zu fotografieren. Unterwegs ist der Biber auch an der Oesch in der Nähe der Gartenbauschule.

Berner Zeitung

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