Emmental

Was vom Sturm übrig bleibt

EmmentalWenn ein Unwetter durchs Land fegt, hinterlässt es nicht nur Schäden, sondern etwa bei Forstunternehmen und Sägereien auch volle Auftragsbücher. In dieser Hinsicht war Burglind eher ein laues Lüftchen.

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Heute vor zehn Tagen toste Burglind durch die Schweiz und hinterliess landauf, landab grosse Verwüstungen. Auf den ersten Blick hat so ein Sturm nichts Gutes an sich. Er kann aber auch seine positiven Seiten haben. Nämlich für die Auftragsbücher von Sägereien, Schreinereien, Drahtseilfabriken oder, allen voran, von Forstunternehmen.

Wie etwa jenem der Simon Reber AG aus Trub. Reber und seine vier Mitarbeiter haben seit zehn Tagen mehr als alle Hände voll zu tun. An den Tag des Sturms erinnert er sich noch genau: «Ich hatte Angst. Denn diesen Sturm hätten wir wirklich nicht gebraucht. Wir hatten schon genug zu tun.»

Nun aber kam der ungebetene Gast trotzdem. Und seither herrscht Chaos. Tag für Tag und auch mal in der Nacht gilt es Häuser und Strassen von entwurzelten Bäumen und Wälder von Fallholz zu befreien. Bis heute hat Reber 20 bis 25 Anrufe erhalten, die alle den Sturm betreffen. Es gibt viel zu tun im Einzugsgebiet Trub, Trubschachen und Langnau. Zu viel, meint der Geschäftsführer. «Deshalb geht es in den nächsten Tagen vor allem darum, die Sache zu koordinieren und Prioritäten zu setzen», sagt er am Telefon. Derzeit komme alles gleichzeitig.

Immerhin stimmt das Wetter. Laut Reber können die Wälder ohne grössere Schwierigkeiten vom Fallholz befreit werden. Bei Schnee wäre das anders. Einzig ein paar Landschäden durch Traktoren müssen befürchtet werden, weil der Boden nicht gefroren ist.

Angst hatte Reber am 3. Januar nicht nur vor zu vielen Aufträgen, sondern auch um den Holzpreis. Die Erinnerung an den Sturm Lothar 1999 sei sogleich aufgekommen, sagt er, daran, dass die Preise in den Keller gefallen und dann sehr lange dort unten geblieben seien.

Heute weiss Simon Reber, dass er wohl aufatmen kann. Auch wenn es in einigen Gebieten, etwa in Langnau und Trubschachen, fast so schlimm aussehe wie damals, vergleichbar seien die Schäden nicht. «Das Ausmass ist vielleicht ein Fünftel vom Lothar», meint er.

«Nur» 1500 Kubikmeter

Nein, Burglind war kein Lothar. Das zeigen auch die Schäden im Wald der Burgergemeinde Burgdorf, der grössten Waldbesitzerin im Emmental. Oberförster Werner Kugler sagt es so: «Wir sind nochmals mit einem blauen Auge davongekommen.» Laut Kugler hat der Sturm rund 1500 Kubikmeter Holz geworfen. «Das ist nicht so dramatisch», sagt er. «Beim Lothar waren es 35 000 Kubikmeter.»

Und doch wird Burglind bei der Burgergemeinde seine Spuren hinterlassen – immaterielle. «Wir werden wohl einen kleinen Verlust einfahren», sagt Werner Kugler. «Durch den Sturm wird es heuer mehr Brenn- und weniger Nutzholz geben.» Mit anderen Worten: mehr günstigeres Material etwa für Schnitzelheizungen und weniger vom teureren Sägeholz. Trotzdem sei der Schaden nicht gravierend.

Kugler erwartet denn auch keinen Preissturz. «Wir stellen das Holz zurück», sagt er. «Es wird nicht mehr auf den Markt kommen als in anderen Jahren.» Weshalb es auch keine zusätzlichen Abnehmer für das Holz brauchen werde. Und um den Wald zu räumen, würden die bestehenden Kräfte wohl ebenfalls ausreichen. «Wir haben die nötigen Betriebsmittel», sagt er.

Ruhig Blut

So richtig konnte Burglind die erwähnten Branchen also nicht in Aufregung versetzen. So konnte etwa die Jakob AG, Drahtseilerei, in Trubschachen seither gerade mal rund 30 zusätzliche Aufträge verzeichnen. Anders als damals, nach dem Lothar, als wirklich jeder kurzfristig ein Drahtseil benötigte und die Jakob AG in drei Schichten arbeiten und die Maschinen fast 24 Stunden am Tag laufen lassen musste.

Auch die Sägereien und Schreinereien im Emmental bewahren ruhig Blut. So etwa Hans Hofer, Inhaber der traditionsreichen Hofer Holz Sägerei und Holzhandlung AG aus Signau. Er weilt noch im Engadin in den Ferien und wird seinen Urlaub deshalb nicht abbrechen, wie er am Telefon sagt. Er glaubt nicht, dass er seinen Betrieb kurzfristig hochfahren oder gar Leute rekrutieren muss. «Wir halten Gewehr bei Fuss und warten ab.»

Holz wird beliebt

Ulrich Kühni von der Holzbaufirma Kühni aus Ramsei sieht beide Seiten der Medaille. «Wenn unkontrolliert geholzt wird, ist die Qualität des Holzes schlecht», sagt er. Das sorge immer wieder für Überraschungen, etwa wenn plötzlich Risse auftauchen würden, die man oft erst nach der Verarbeitung sehe. «Das war schon nach dem Lothar so», sagt er.

Die positive Seite an Burglind? Es gibt nach solchen Stürmen meist ein Umdenken bei der Bevölkerung, bei Bauherren und Architekten. «Das Bewusstsein für Holz wird gesteigert», sagt Ulrich Kühni. «Plötzlich wird wieder mehr darüber nachgedacht, was man mit Holz alles machen kann. Nämlich fast alles.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.01.2018, 10:53 Uhr

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