«Was ich getan habe, tut mir unendlich leid»

Kirchberg

Ein junger Rumäne steht vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau. Er soll mindestens einem Landsmann geholfen haben, in grossem Stil Kupfer zu klauen.

Das Schuhprofil des Einbrechers ist noch heute sichtbar.

Das Schuhprofil des Einbrechers ist noch heute sichtbar.

(Bild: Johannes Hofstetter)

Johannes Hofstetter

In Kirchberg waren in einer Samstagnacht vor zwei Jahren dubiose Gestalten unterwegs: Aus einer Elektrotechnikfirma stahlen sie eine Tonne Kupfer. Unmittelbar danach fuhren sie mit zwei Lieferwagen, die sie in einem benachbarten Unternehmen entwendet hatten, nach Holland, wo sie die Ware verkauften. 

Einer der mutmasslichen Täter muss sich seit Mittwoch vor dem Regionalgericht Emmmental-Oberaargau verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 24-jährigen Rumänen Diebstahl, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch vor.

Zum Einstieg in die Verhandlung machte sich das Gericht ein Bild vom Tatort. Im Beisein von Gerichtspräsident Roger Zuber, der Gerichtsschreiberin, des Staatsanwaltes, der beiden Privatkläger und dreier Polizisten erzählte der in Fussfesseln gelegte Angeklagte, wie sich der Einbruch abgespielt hatte.

Sein Kumpel habe im Inneren des Gebäudes Kupferrollen geklaut und ihm das Diebesgut durch ein aufgebrochenes Fenster gereicht. Auf Ölfässern im Untergeschoss sind noch Fussabdrücke zu sehen, die der «Chef» hinterlassen hatte, als er auf hohen Regalen nach Beute suchte.

Er selber sei nicht in dem Haus gewesen, behauptete der Angeklagte. Sein Job sei es gewesen, die Ware in den Wagen zu hieven und in die Niederlande zu bringen. 

Die Spuren des Angeklagten

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass an dem Coup mehr Leute beteiligt waren als nur die beiden Rumänen. Dem Rest der Bande gelang es jedoch, abzutauchen. Spuren hinterliess nur der Angeklagte – auf einem blutigen Papiertaschentuch.

Monate nach dem Einbruch konnte er dank eines DNA-Abgleichs in Grossbritannien verhaftet werden. Von dort wurde er nach Deutschland überführt, wo er eine Gefängnisstrafe wegen Diebstahl absass. Unmittelbar danach lieferte ihn Deutschland an die Schweiz aus. Sein Name ist auch in den Vorstrafenregistern von Belgien, Frankreich und England vermerkt.

Geplant sei der Einbruch in Kirchberg nicht gewesen, versicherte der Beschuldigte. Stunden zuvor habe er noch in Bern gebettelt, als ihn ein Landsmann gefragt habe, was er hier tue. Er brauche dringend Geld, habe er geantwortet. Der Fremde habe daraufhin gesagt, er könne ihm Arbeit verschaffen.

Einen Kaffee später sei man in Kirchberg zur Tat geschritten. Dass an dieser «Arbeit» etwas faul sein müsse, habe er realisiert, gab der Mann zu. Nur: Sein Auftraggeber habe ihm 400 Franken Lohn versprochen. Mit Betteln bringe er es auf 5 bis 12 Franken pro Tag.

«Was ich getan habe, tut mir unendlich leid», versicherte der Osteuropäer, der sich selber als «Zigeuner» bezeichnet. Die Geschädigten bat er «millionenfach» um Entschuldigung. Er sei in sehr armen Verhältnissen aufgewachsen, erzählte er. Als Jugendlicher habe er, wie es die Tradition in seiner Heimat verlange, geheiratet. Seine Frau könne «nicht einmal ihren eigenen Namen schreiben».

Zwei seiner Kinder seien krank und würden Therapien benötigen. Sein Vater sei der Einzige, der mit Schwarzarbeit ein bisschen etwas verdiene. All diese Umstände seien jedoch keine Entschuldigung dafür, was er getan habe, fügte er an. «Finanzielle Probleme rechtfertigen kein Verbrechen», habe er in der Untersuchungshaft erkannt.

Zukunft in Frankreich

Falls das Gericht den Angeklagten für schuldig befindet – das Urteil wird am Donnerstag eröffnet – wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit nach Rumänien ausgeschafft. Dagegen hätte der Mann nichts einzuwenden: «Wenn nötig, unterschreibe ich sofort, dass ich nie mehr in die Schweiz zurückkehren werde.»

Längerfristig sehe er seine Zukunft in Frankreich. Dort könnte er als Elektriker oder Übersetzer arbeiten. Stehlen werde er «ganz, ganz sicher nie mehr», liess er übersetzen. «Im Gefängnis ist das Leben sehr hart. Die Zeit dort hat mich zerstört.»

Berner Zeitung

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