Vor 20 Jahren

Vom Zeughaus zum Gefängnis

Vor 20 JahrenIn der Berner Zeitung vom Donnerstag, 24. September 1998, war zu lesen: «Wird aus dem Zeughaus ein Regionalgefängnis?». Gemeint war das Zeughaus an der Kirchbergstrasse in Burgdorf.

<b>Das alte Zeughaus</b> vor dem Abriss im Jahr 2006.

Das alte Zeughaus vor dem Abriss im Jahr 2006. Bild: Thomas Peter

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Die Frage lässt sich kurz und knapp beantworten: Ja, es wurde. Und noch einiges mehr. Aber wir erzählen die Geschichte lieber der Reihe nach.

Im Artikel vom September 1998 ging es also um das alte Zeughaus an der Kirchbergstrasse in Burgdorf. Das stand nahezu leer, es diente dem Bund nur noch als Depot.

Das Verwaltungszentrum Neumatt vor der Eröffnung im April 2012. (Bild: Thomas Peter)

Und es ging um das Schloss. Dort nämlich herrschte nicht gähnende Leere, sondern Platznot. Vor allem im Gefängnis. Die Zellen waren zu klein, und es fehlte der Spazierhof. Die Insassen durften nur auf den Gängen hin und her gehen.

Dazu kam, dass die Sicherheitsvorschriften auf dem Schloss nicht eingehalten werden konnten. Die Angestellten lebten zuweilen gefährlich. Erst ein paar Monate zuvor waren fünf Häftlinge ausgebrochen.

Und: Die 25 Zellen im Schloss reichten nirgends hin. Angedacht war, deren Zahl um 40 auf 65 zu erhöhen. Zudem wollte man nicht nur mehr Platz für die Gefangenen schaffen, sondern am gleichen Ort auch das Untersuchungsrichteramt unterbringen.

Das alles ging natürlich nicht auf dem Schloss. So ein altes ­Gemäuer lässt sich nicht nach Belieben erweitern und ausbauen. Zumal der Platz auf dem Schlosshoger ja auch einiger­massen begrenzt ist.

Da kam nun eben das alte Zeughaus ins Spiel, das leer und fast ganz verlassen an der Kirchbergstrasse stand. Die kantonale Liegenschaftsverwaltung, die nach einem geeig­neten Standort für das neue ­Gefängnis suchen musste, hatte 1998 bereits ein Auge darauf geworfen.

Erste Gespräche waren geführt worden, mehr war aber noch nicht zu erfahren. Genau bekannt war dafür der Zeitplan für das neue Gefängnis: Spätestens 2004, so liess der Kanton verlauten, müssten die Häftlinge zügeln.

Die Bezirks­gefängnisse in den Ämtern Trachselwald, Aarwangen, Signau und Fraubrunnen würden geschlossen, jenes in Burgdorf erweitert. Die Emmestadt werde neben Thun, Bern, Biel und Moutier ein Stützpunkt mit Regionalgefängnis.

Wer nun dachte, sechs Jahre seien für ein so grosses Vorhaben vielleicht doch ein bisschen knapp, der sollte recht behalten. Und wie: Im Juli 2000 hiess es in der BZ: «Der Zeitplan gerät ins Wanken».

In Burgdorf war – vier Jahre vor dem Bezugstermin – weit und breit nichts vom neuen Gefängnis zu sehen. Das Bauprojekt steckte noch in der Anfangsphase. Immerhin aber hatte der Kanton die Bewilligung vom Bund, auf dem Zeughausareal planen zu dürfen.

Man führte Verhandlungen über den Kauf des Geländes und war daran, den Architekturwettbewerb auszuschreiben. Im Frühling 2001 könne man dann die eingereichten Arbeiten auswerten. «So wie es im Moment aussieht, wird es unheimlich schwierig, den Termin im Jahr 2004 einzuhalten», sagte der zuständige Projektleiter.

Der Mann war ein Hellseher – oder wohl einfach ein Realist. Jedenfalls wurde es April 2012, bis die modernen, mehrstöckigen Neubauten an der Kirchbergstrasse bezugsbereit waren. Entstanden ist dafür aber auch viel mehr als nur ein Ort für verurteilte Straftäter, nämlich das Verwaltungszentrum Neumatt.

Es bietet kantonalen Ämtern und Stellen ein neues Daheim, so etwa dem Oberingenieurkreis, dem Schulinspektorat, dem ­Kantonalen Laboratorium, der Steuerverwaltung, der Berufsberatung – und ja, natürlich auch dem Gefängnis und dem Gericht.


Was geschah vor 20 Jahren? In loser Folge werfen wir einen Blick zurück, erinnern an kleinere und grössere Geschichten, die in dieser Zeitung standen, und schauen, was aus ­ihnen geworden ist. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.09.2018, 09:30 Uhr

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