Burgdorf

Verlogenes in gelackter Umgebung

BurgdorfEin brisantes Stück brachte die Theatergruppe Burgdorf auf die Bühne: Die Uraufführung von «Zeitzünder» des Bündner Autors Marco Badilatti. Die Premiere im Theater Z fand Anklang, aber kein volles Haus.

Aufführung im Theater Z: Franziska Kindler als Elfi Wolfmann, Simon Lüdi (Christian Wolfmann), Toni Kunz (Bob Wolfmann) und Nancy Rahn als Mira (von links) spielten subtil und facettenreich.

Aufführung im Theater Z: Franziska Kindler als Elfi Wolfmann, Simon Lüdi (Christian Wolfmann), Toni Kunz (Bob Wolfmann) und Nancy Rahn als Mira (von links) spielten subtil und facettenreich. Bild: zvg

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Die gelackte Umgebung glänzt. Die Bühne mit der spärlichen Designmöblierung ist ganz in Weiss gehalten. Die Besucherstühle dagegen in glänzendem Schwarz. Die gelackte Bühne (René Schärer / Ruedi Schütz) ist zwei Treppenstufen erhöht, und das Publikum sitzt in etwas gelichteten Zweierreihen darum herum. Das Bühnenbild scheint bewusst unterkühlt gewählt worden zu sein.

Denn was an der Premiere der Uraufführung «Zeitzünder» des Bündner Autors Marco Badilatti auf der Bühne passiert, ist kalt und menschenverachtend. Keine leichte Kost für das Premierenpublikum im Theater Z.Für einmal musste die Theatergruppe Burgdorf (TGB) wegen der zeitlich unsicheren Umbaupläne des Casino-Theaters lokalmässig fremdgehen.

Das Bühnenbild scheint bewusst  unterkühlt gewählt worden zu sein.

So entschied man sich aus Platzgründen für ein kurzes, fünf Viertelstunden dauerndes Theaterstück mit vier Darstellerinnen und Darstellern. Regie führt Reto Lang, der Leiter des Stadttheaters Langenthal. Dieser ist kein Unbekannter bei der TGB, war er doch lange Zeit deren Hausregisseur.

Aufgeladene Atmosphäre

Das Vierpersonenstück hat po­litische Brisanz. Und der Titel «Zeitzünder» ist zugleich Programm. Es schwelt unter der gelackten Oberfläche der Uhren- und Gerätehersteller-Unternehmerfamilie Wolfmann AG. Die Atmosphäre ist aufgeladen anlässlich der Vorbereitung der ­Jubiläumsfeier der Firma.

Da ist das Unternehmerehepaar Bob (Toni Kunz) und Elfi (Franziska Kindler), die in opportunistischer Art und Weise nur ihre ei­genen, wirtschaftlichen Interessen verfolgen. Platz für weiche Faktoren wie Empathie und Herzlichkeit haben in dieser Beziehung keinen Platz. Vernetzt mit Wirtschaft, Politik, Kirche und Kultur, weiss Bob sehr genau um die Bedeutung seiner Freunde. Dabei geht er wortwörtlich über Leichen. Zumal die Firma nicht nur Uhren exportiert, sondern auch Explosives in Krisengebiete.

Da ist aber auch Mira (Nancy Rahn), die Stadträtin, Bobs ehemalige Geliebte. Und diese weiss mehr, als ihm lieb ist, hält ihm den Spiegel vor, rüttelt an den Grundfesten seiner monetären Selbstgefälligkeit. Der einzig Empathische in dieser Familie ist der aufmüpfige Sohn Christian (Simon Lüdi), dem das oberflächliche und unmoralische Getue seiner Eltern gewaltig auf den Geist geht. Dies, weil das Verschwinden seiner Schwester keinen zu kümmern scheint.

Drama um Ruhm und Ehre

Das politische Weltgeschehen oder folgenreiche Entscheide, wie etwa die vor zwei Jahren ge­lockerten Vorgaben der Schweiz für den Waffenexport, stehen zwar nicht im Zentrum des Stückes, bilden aber den Aufhänger und Rahmen des Familiendramas um Ruhm, Ehre und Profilierungssucht. Die in Hochdeutsch parlierenden Protagonisten indes geben mit ihrem subtilen, facettenreichen Spiel den Figuren die entsprechende Gewichtung.

Dass der Sohn dabei fast älter wirkt als die Mutter oder ob es denn nötig war, dass sich der entlarvte Bob am Schluss das Hemd vom Körper reisst und sich ekstatisch am Boden wälzt, ist dabei vernachlässigbar. Trotz der nicht ganz einfach zu verdauenden Kost, dem Premierenpublikum hat es gefallen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.01.2017, 17:18 Uhr

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