Unternehmen müssen präsent sein

Heute eröffnet in Langnau die Lehrstellenbörse. Ein Blick auf die aktuelle Situation zeigt: Im Emmental sind über­raschend viele Lehrstellen besetzt. Die Firmen müssen aber auch viel dafür tun.

Es gibt nun mal beliebte und weniger beliebte Berufe: Die GLB hat es nicht leicht, angehende Heizungsmonteure zu finden.

Es gibt nun mal beliebte und weniger beliebte Berufe: Die GLB hat es nicht leicht, angehende Heizungsmonteure zu finden. Bild: Christine Wüthrich

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Es ist paradox: Junge finden keine Lehrstelle, während sich Unternehmen gleichzeitig damit schwertun, an passende Lehrlinge zu kommen. Dieser verworrenen Situation will die ab heute in Langnau stattfindende Lehrstellenbörse entgegenwirken. Ziel ist es, die einen mit den an­deren ­zusammenzubringen. 36 Unternehmen aus dem Emmental präsentieren im Tigersaal ihre offenen Lehrstellen für den Sommer 2018. Die suchenden Schülerinnen und Schüler können sich vor Ort informieren und direkt mit den möglichen zukünftigen Arbeitgebern in Kontakt treten.

Die Mühlen für die Lehrstellensuche 2018 mahlen also bereits. Das müssen sie auch. Und solche Aktionen wie die Lehr­stellenbörse sind unabdingbar. Denn: Lehrlinge finden sich heute nicht so leicht.

Kaum Lücken

Ein Blick auf das Jahr 2017 zeigt zwar ein durchaus positives Bild. Laut dem Mittelschul- und Berufsbildungsamt des Kantons Bern gibt es kantonsweit rund 4100 beim Amt gemeldete Lehrstellen in total 230 Berufen. Eine Umfrage hat gezeigt, dass es Ende Juli nur noch gerade 31 unbesetzte Stellen gab. Zwar sind die Zahlen für das Emmental und das Oberaargau nicht erhältlich, bei rund 900 möglichen Lehrstellen und 180 Berufen dürfte die Besetzungsquote aber ähnlich sein.

Ein durchaus gutes Ergebnis. Dass das aber nicht selbstverständlich ist, zeigt das Beispiel der Genossenschaft für leistungsorientiertes Bauen. Die GLB, hauptsächlich im Kanton Bern und in Zürich vertreten, hat insgesamt 760 Mitarbeitende in 18 Berufen und bildet derzeit 125 Lernende aus. Im Emmental, mit Hauptsitz Langnau und Betriebsstandort Emmenmatt, sind es 42 Lernende bei 260 Mitarbeitenden. Wie Personalleiterin Barbara Burri auf Anfrage sagt, konnten in diesem Jahr die Lehrstellen früher und auch passender besetzt werden als auch schon. Dafür muss die GLB aber auch etwas tun.

Messen, Börsen, Schulen

Die Liste der Aktivitäten dafür, zum richtigen Nachwuchs zu kommen, ist lang. Zu den wichtigsten gehört etwa das Angebot mit Wochenplätzen. Die GLB arbeitet eng mit den umliegenden Schulen zusammen, um bereits während der Schulzeit Jugendliche beruflich an sich zu binden. Weiter stellt sie ihre Lehrberufe im Rahmen des Berufskundeunterrichts vor. Dazu kommen sogenannte Besuchstage, an denen Schülerinnen und Schüler den Betrieb kennen lernen können. Dann ist die GLB stets an den Lehrstellenbörsen, wie jener in Langnau, oder an der Berufsinformationsmesse (BAM) vertreten.

Präsent ist das Unternehmen aber auch an grösseren Veranstaltungen wie etwa an den Schwingfesten. Auf den Online-Lehrstellenbörsen können sich die Schulabgänger zudem einfach, ohne grossen Aufwand, für Schnupper- und Lehrstellen bei der GLB bewerben.

All das sei nötig, sagt Barbara Burri, um die Jungen zu erreichen. Fast genau so, wenn nicht bedeutender, sei aber auch der Kontakt zu den Eltern. Es sei wichtig, den Eltern immer wieder auch die Vorteile einer Berufs­lehre aufzuzeigen, die Karrieremöglichkeiten via Berufsmatur etwa. Derzeit sind es im Kanton Bern rund 53 Prozent der Schulabgänger, die sich für eine berufliche Grundausbildung entscheiden (siehe Kasten).

Besuchstage anbieten

Auch in Branchen, die nicht gerade über einen Lehrlingsmangel zu klagen haben, müssen Unternehmen heute präsent sein.

So etwa das Spital Emmental. Es bietet zwischen 20 und 23 Lehrstellen in 8 Berufsfeldern an. Für die 11 Stellen Fachfrau/-mann Gesundheit gingen rund 60 Bewerbungen ein. Trotzdem ist das Spital auch an den Lehrstellenbörsen und an Messen ­vertreten, bietet Zukunfts- und Besuchstage an, an denen Junge etwa im Operationssaal mit der Zange nach Gummibärchen fischen oder einer Frucht eine Spritze verpassen können.

Denn auch ein Spital kennt Schwierigkeiten in der Rekrutierung von Lehrlingen. Etwa für die Hauswirtschaft. Da seien laut der Personalabteilung auf die eine Stelle vielleicht 5 Bewerbungen eingegangen. Und auf den Posten für den Betriebsunterhalt seien gerade mal 2 Bewerbungen eingetroffen.

So wird dann auch klar: Omnipräsenz schützt vor Lücken nicht. Denn es gibt nun mal beliebte und weniger beliebte Berufe. Die GLB etwa kämpft seit Jahren damit, Sanitär- und Heizungsinstallateurlehrlinge oder Spenglerlehrlinge zu finden. Das stimmt mit den Angaben des Amtes für Berufsbildung überein. Neben den Berufen der Haustechnik haben es etwa auch das Gastgewerbe und die Lebensmittelverarbeitung nicht einfach, Nachwuchs zu finden.

Dafür sind Berufe wie Polymechaniker, Zimmermann, Elektroinstallateurin, alles im kaufmännischen Bereich und im Detailhandel weiterhin sehr beliebt. Dort sehen sich die Unternehmen dafür mit anderen Problemen konfrontiert: nicht mit der Quantität, sondern der Qualität der Bewerber.

Fünf Prozent Lernende

Ein gutes Beispiel liefert die Burgdorfer Herstellerin von ­Injektions- und Infusionssystemen, Ypsomed. Gut fünf Prozent der Belegschaft sind laut Mediensprecher Julian Stressig Lernende, insgesamt 55. Pro Jahr gehen 350 bis 400 Bewerbungen bei ­Ypsomed ein. Die meisten für die Berufe Mediamatiker und Kaufmann. 2017 hatten zwei Lehrstellen nicht besetzt werden können. Der Grund: keine geeigneten Kandidaten.

Zudem hätten trotz dem grossen Interesse viele Plätze in diesem Jahr erst im Frühling definitiv besetzt werden können. Der Grund ist derselbe: Die Kandidaten entsprachen nicht dem Anforderungsprofil. Auch Ypsomed strengt sich an, dass sie zu ihren Lehrlingen kommt, und engagiert sich entsprechend. Laut Stressig sei das Unternehmen an allen regionalen Messen in den Kantonen Bern und Solothurn vertreten. Zudem gibt es Tage der offenen Tür, Schulbesuche und sonstige Veranstaltungen.

Die Ausnahme

Apropos paradox. Nicht alle Unternehmen im Emmental müssen sich so ins Zeug legen. Laut dem Mittelschul- und Berufsbildungsamt hat auch die Baubranche ein Nachwuchsproblem. Nicht so die Faes Bau AG aus Burgdorf. Im Gegenteil: Bei dem Bauunternehmen mit 92 Vollzeitmitarbeitenden und 6 Lehrlingen freut man sich derzeit darüber, dass in den letzten Jahren das Interesse an technischen Berufen wieder gestiegen ist.

Sowohl für die Maurer- wie auch die Strassenbauerausbildung hätten genügend und vor ­allem geeignete Lernende gefunden werden können. Und dies noch auf dem klassischen Weg: Wie das Unternehmen auf Anfrage sagt, erfolgten die meisten Bewerbungen über eine telefonische Nachfrage für eine Schnupperlehre. 10 bis 15 Jugendlichen würde eine solche dann angeboten, 6, ab 2018 sogar 8, bekommen dann eine Zusage.

Inzwischen würden sich auch wieder starke Schulabgänger und sogar Sekundarschüler bei ihnen bewerben. Das sei in der Vergangenheit sehr selten vorgekommen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.08.2017, 09:09 Uhr

Schulabgänger

Eine im Juni 2017 publizierte Umfrage der Berufsberatungs- und Informationszentren des Kantons Bern zeigt, wohin es Schulabgänger verschlägt. 2017 begannen 53,3 Prozent von rund 9000 Befragten nach der Schule eine berufliche Grundausbildung. Im deutschsprachigen Raum ist das ein Plus von mehr als 10 Prozent seit 2007. Fast 20 Prozent der Jugend­lichen entschieden sich für das Gymnasium, gut 4 Prozent für die Mittelschule. Lediglich 232 Schulabgänger oder knapp 3 Prozent hatten am 1. Juni 2017 noch keine Anschlusslösung. Davon waren 207 noch auf Lehrstellensuche.

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