Trotz Skandal: Die Lust auf Pferdefleisch ist ungebrochen

Burgdorf

Hans-Peter Horisberger hat wegen des Pferdefleischskandals in seiner Burgdorfer Rossmetzgerei bisher keinen Umsatzeinbruch erlitten. Im Gegenteil: «Ich verkaufe mindestens gleich viel wie vorher.»

Er weiss genau, woher sein Fleisch kommt: Pferdemetzger Hans-Peter Horisberger.<p class='credit'>(Bild: Thomas Peter)</p>

Er weiss genau, woher sein Fleisch kommt: Pferdemetzger Hans-Peter Horisberger.

(Bild: Thomas Peter)

Philippe Müller

«Im Moment rede ich im Laden fast mehr, als dass ich Fleisch schneide», sagt Hans-Peter Horisberger. An der Mühlegasse 10 in Burgdorf führt er eine Pferdemetzgerei, wohl kein Metzger in der Schweiz schlachtet so viele Pferde wie er. 500 bis 600 sind es pro Jahr, Fohlen inklusive. Das Fleisch verarbeitet er zu Steaks, Filet, Entrecotes, Schnitzel, Landjäger, Wurst oder zu Tierfutter. Klar, dass der Fleischskandal auch in seinem Laden angekommen und seit Wochen das Thema Nummer eins ist. «Die Leute stellen Fragen, wir leisten Aufklärungsarbeit und legen Rechenschaft darüber ab, woher unser Fleisch kommt.» Darauf reagierten die Kunden wohlwollend, Kritik habe er bisher keine vernommen, sagt der 62-jährige Metzger.

«Das ist Betrug»

Horisberger versteht den Ärger der Kunden in ganz Europa. «Dass nicht das in den Produkten enthalten ist, was auf der Etikette steht, ist einfach nur Betrug.» Und dass in einigen Fertiggerichten Spuren von minderwertigem Pferdefleisch aus Irland und Rumänien aufgetaucht seien, sei für die ganze Branche rufschädigend. «Ich kann garantieren, dass so etwas bei uns nicht passiert.» Horisberger erklärt, dass 97 Prozent des Pferdefleisches in seiner Metzgerei aus eigener Schlachtung stammt. «Ich bin in der ‹Rösseler-Szene› bestens vernetzt und kenne jeden Lieferanten persönlich.»

Schlachten, ausnehmen, verarbeiten: Das alles macht Horisberger selber und legt für die Qualität seine Hand ins Feuer. Doch was ist mit den 3 Prozent Pferdefleisch in seinem Verkaufsladen, das nicht aus eigener Schlachtung stammt? «Diese Ware importieren wir aus Kanada und den USA.» Insgesamt 50 Tonnen führt er pro Jahr ein. Horisberger betont, dass ihm nur die teuerste Fleischkategorie gut genug sei. Und auch dort kenne er die Lieferanten seit Jahren. «Es ist immer genaustens dokumentiert, woher das Fleisch kommt.» Ausländische Ware brauche er in seinem Geschäft jedoch nur, um Spitzen abzudecken, etwa um die Weihnachts- und Neujahrszeit. Den Grossteil des importierten Pferdefleischs verkauft er an den Grosshandel und die Gastronomie.

Keine Massenschlachtung

Die Kunden scheinen Vertrauen in den Familienbetrieb Horisberger zu haben, denn die Lust auf Pferdefleisch war trotz der negativen Schlagzeilen auch in den letzten Wochen ungebrochen. «Seit 40 Jahren können wir auf eine treue Kundschaft zählen», freut sich Horisberger. Er habe zuletzt mindestens gleich viel verkauft wie sonst auch. «Vielleicht sogar etwas mehr.»

Der bekannte Pferdemetzger legt Wert darauf, dass das Schlachten der Tiere so tiergerecht wie nur möglich passiert. So gebe es bei ihm beispielsweise keine Massenschlachtung. «Eigentlich ist es üblich, dass morgens alle Tiere gleichzeitig angeliefert und dann festgebunden werden, bis sie an der Reihe sind. Ich mache das nicht, sondern bestelle die Lieferanten gestaffelt.» Das Pferd sei ein intelligentes Tier. Wenn es vor dem Schlachthof lange festgebunden sei, begreife es, dass seine letzte Stunde geschlagen habe und erlebe dann stressvolle Momente.

In der Geschichte der Familie Horisberger spielt das Pferd seit jeher eine zentrale Rolle. Der Grossvater hat kurz vor dem Zweiten Weltkrieg in Wasen damit begonnen, Pferde zu schlachten, später setzte der Vater in Langnau die Tradition fort. 1972 war es dann an Hans-Peter Horisberger, in Burgdorf eine Rossmetzgerei zu eröffnen. Er bezeichnet sich als Pferdeliebhaber und schlachtet die Tiere nicht nur, er reitet selber auch und nimmt mit gewissen Ambitionen an Springreitwettkämpfen teil. «Ich verstehe, dass Pferdebesitzer zum Teil kein Rossfleisch essen», sagt Horisberger. Er werde in ‹Rösseler-Kreisen› aber nie angefeindet. «Im Gegenteil: Die Leute kennen mich und wissen, wie ich die Tiere schlachte. Das schätzen sie.»

Berner Zeitung

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