Sumiswald

Trockener Alpsommer geht festlich zu Ende

Sumiswald Am Freitag kehrten rund 600 prächtig geschmückte Rinder von der Hinterarni- und der Lüderenalp zurück ins Tal. Das lockte wieder zahlreiche Schaulustige nach Sumiswald.

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Die Tische und Bänke des Landfrauenvereins rund um den Feuerwehrweiher sind schon voll besetzt. Hier werden demnächst über 300 Bratwürste verspeist. Auch vor dem Landgasthof Bären ist kein Platz mehr frei.

«Man sagte uns, es gebe heute ein Fest, das wir nicht verpassen sollten.»Touristen aus den Niederlanden

So setzt man sich auf Mäuerchen oder Trottoirränder, steht möglichst nah am Strassenrand, Kamera und Handy im Anschlag. Bald soll sie kommen, die Herde schön ­geschmückter Rinder, Viehnachwuchs und Stolz der umliegenden Bauern, die den Sommer auf der Alp verbracht haben. Das wolkig-sonnige Wetter ist ideal und hat am Freitag sehr viele Besucher nach Sumiswald gelockt.

Alpabfahrt, ein Höhepunkt

Auf langen Bänken, teils im Rollstuhl, sitzen in Wolldecken gehüllte Bewohner des Altersheims Weier. Sie wärmen die zittrigen Finger an einem Glas Kaffee, das man ihnen im Restaurant geholt hat. Die Alpabfahrt sei jedes Jahr ein Höhepunkt in ihrem Alltag, sagt eine Betreuerin.

Ein älteres Paar steht vor dem Landgasthof Kreuz und schaut verwundert umher. Es sind Leute aus den Niederlanden, auf der Durchreise durch die Schweiz.

«So chumm doch jetze, mir wei heizue.»Ein Bauer zum bockigen Guschti

«Zufälligerweise haben wir hier übernachtet, und man sagte uns, es gebe heute ein Fest, das wir nicht verpassen sollten», erklären die beiden. Sie freuen sich, dass das wohlmeinende Schicksal ihnen ein Stück Kulturgeschichte der Schweiz beschert, von dem sie noch nie etwas gehört hatten.

Zwei Männer mit teurer Fotoausrüstung fallen auf, die unablässig die Umgebung, Häuser, Leute und später die Kühe fotografieren. Es sind Amerikaner, mit einer Touristengruppe in Luzern stationiert. Sie sind begeistert von diesem Volksfest, es sei so authentisch, finden sie.

Da kommen sie

Die Kindergärteler hörten sie zuerst: «Sie kommen, sie kommen», schreien sie, hüpfen aufgeregt umher und halten schon mal die Ohren zu.

Der Lärm des vielhundertfachen Treichelns ist gewaltig. Jedes Rind trägt einen prachtvollen Blumenschmuck und schaut drein, als wäre es sich der Wichtigkeit seiner Rolle bewusst.

Die Beine aber sind müde, das sieht man, nur wenige mögen noch ein bisschen «das Kalb machen» und aus der Reihe tanzen. Das hinterste Tier der ersten Gruppe lässt sich schieben und ziehen, es hat genug. Schliesslich ist man seit sechs Uhr früh unterwegs, und jetzt ist ein Viertel nach zehn.

Heimzu

Auf dem Parkplatz stehen Traktoren mit Anhängern bereit, wo das Vieh nun verladen wird und in denen es den Rest bis zum Hof mitfahren darf. «Sie sind trotz der Futterknappheit gut beieinander», lobt ein Bauer fachkundig.

Und einer, der zwei Stück Simmentaler Fleckvieh mit schön geschwungenen Hörnern verfrachtet, kann das eine nicht zum Einsteigen bewegen. Er redet ihm gut zu: «So chumm doch jetze, mir wei heizue», aber das Guschti bockt.

Jetzt kommt nicht etwa ein Stecken zum Einsatz, sondern ein Nachbar schiebt, und der Bauer zieht, bis die Anhängerklappe verriegelt werden kann. «Dem hat es wohl in den Ferien gefallen», sagt der Besitzer und lacht. Das Jungvieh hat 105 Tage Sömmerung auf der Alp verbracht.

Dass die Alpabfahrt von Hinterarni und von der vorderen und der hinteren Lüderen dieses Jahr am selben Tag stattfinde, habe viel zu reden gegeben, sagt Elisabeth Uecker vom Verkehrsverein Sumiswald.

Aber es seien wegen der Futterknappheit infolge der Tröckene viele Tiere schon vorzeitig heimgeholt worden. Die verbleibenden 600 Stück ergaben aber immer noch ein eindrück­liches Alpabfahrtserlebnis.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 15.09.2018, 09:42 Uhr

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