Streit um Antenne ist voll entbrannt

Langenthal

Die geplanten Sunrise-Antennen sorgen weiter für Wirbel. Anwohner im Hinterbergquartier warnen den Grundeigentümer jetzt vor Schadenersatzklagen. Gegen eine andere Sunrise-Antenne am Bahnhof gab es zudem mehrere Einsprachen.

Das Profil auf dem Dach dieses Wohnblocks am Hinterbergweg 8a weist auf eine geplante Mobilfunkanlage von Sunrise hin.

Das Profil auf dem Dach dieses Wohnblocks am Hinterbergweg 8a weist auf eine geplante Mobilfunkanlage von Sunrise hin.

(Bild: Thomas Peter)

Tobias Granwehr

Projekte für Mobilfunkantennen sorgen von jeher für Aufregung. Vor allem dann, wenn sie in Wohnquartieren geplant werden. So war es Ende vergangenen Jahres in Herzogenbuchsee – und so ist es derzeit in Langenthal. Die geplante Sunrise-Antenne an der Bettenhausenstrasse in Buchsi ist mittlerweile vom Tisch, der Mobilfunkanbieter will sich in der Gemeinde mittel- bis langfristig nach einem anderen Standort umsehen. In Langenthal laufen aktuell zwei Baubewilligungsverfahren, die kaum ohne Hürden über die Bühne gehen werden. Darauf deutet jedenfalls vieles hin.

Zulässige Einsprachen?

Diese Woche ist die Einsprachefrist für eine temporäre Handyantenne an der Kühlhausstrasse 4 abgelaufen. Sie soll eine bestehende Antenne auf einem Gebäude an der Kühlhausstrasse 2 ersetzen. Gemäss Auskunft des Stadtbauamtes Langenthal sind mehrere Einsprachen eingetroffen. Zurzeit wird abgeklärt, ob alle Eingaben als Einsprache zulässig sind. Geplant ist ein freistehender Mast mit drei Antennen, drei Richtfunkantennen sowie Technikschränken. Zuständig für die Umsetzung des Projekts ist nicht direkt der Mobilfunkanbieter, sondern die Huawei Technologies Switzerland AG, die auf solche Projekte spezialisiert ist und die Antenne für Sunrise plant.

Noch mehr zu reden geben als jene Antenne am Bahnhof dürfte hingegen eine geplante Anlage im Wohnquartier am Hinterberg. Dort ist auf einem Wohnblock mit diversen Wohnungen ebenfalls eine Sunrise-Mobilfunkantenne vorgesehen. Dieser Standort wurde nach langer Suche auserkoren, wie den Gesuchsunterlagen zu entnehmen ist. Doch kaum wurde das Vorhaben bekannt, hagelte es Protest. Viele Anwohner im Quartier ärgerten sich, aus dem Anzeiger oder sogar erst dank eines Berichts in dieser Zeitung von der geplanten Antenne erfahren zu haben (siehe Kasten).

In der Zwischenzeit hat sich die Interessengemeinschaft (IG) «Keine Mobilfunkantenne am Hinterbergweg» formiert. Die IG ruft die Anwohner im Quartier auf, Einsprachen einzureichen oder solche mitzuunterzeichnen. Solange die Einsprachefrist läuft, wollen sich die Vertreter der IG jedoch im Hintergrund halten und nicht öffentlich auftreten.

Grenzwert nicht überschreiten

Eigentümer der Liegenschaft am Hinterbergweg 8a ist das Ehepaar Monika und Ulrich Zürcher aus Steinhausen ZG. Sie seien angefragt worden, ob sie mit einer Mobilfunkanlage auf dem Dach ihres Gebäudes einverstanden wären, erklärt Ulrich Zürcher. Als Gegenleistung erhalten sie «monatlich einen rechten Betrag», wie er sagt. Allerdings hätten sie nur unter der Bedingung zugestimmt, dass die Strahlenbelastung den gesetzlich zulässigen Grenzwert nicht überschreiten darf. Das sei vertraglich so festgehalten, sagt Zürcher. Würde der Grenzwert überschritten, müsste die Antenne entfernt werden.

Nun formiert sich auch gegen den Grundeigentümer am Hinterbergweg Widerstand: Liegenschaftsbesitzer im Quartier wehren sich gegen die geplante Mobilfunkantenne. Dazu gehören Theresia Baumgartner Schmid und Erich Schmid. Sie besitzen ein Haus am Geissbergweg. Sie haben im Quartier ein Schreiben verteilt, das sie dem Ehepaar Zürcher zugeschickt haben. Darin machen sie auf einen Artikel im Zivilgesetzbuch (ZGB) zum Nachbarrecht aufmerksam, wonach der Grundeigentümer für alle Schäden, die von der Antenne auf seinem Grundstück ausgehen, hafte. Baumgartner Schmid weist das Ehepaar Zürcher im Brief darauf hin, sie würden sich auf diesen Artikel berufen, sollte ihre Liegenschaft eine Wertverminderung erfahren oder sie wegen der Antenne gesundheitlich zu Schaden kommen. Sie empfehlen anderen Grundeigentümern im Quartier, sich gegenüber den Zürchers ebenfalls abzusichern. «Wir wollen mit diesem Brief die Leute im Quartier aufrütteln», sagt Baumgartner Schmid.

Forderungen chancenlos?

Ulrich Zürcher nimmt die Drohung gelassen. Er habe keine Bedenken, dass er wegen der Mobilfunkanlage belangt werden könne, sagt er. Ihnen sei zugesichert worden, dass die Strahlenbelastung nicht überschritten werde und periodisch Messungen ausgeführt würden. «Deshalb dürften Forderungen wegen übermässiger Einwirkungen gemäss diesem Artikel im ZGB chancenlos sein.» Zürcher weist im Übrigen darauf hin, dass die Bewohner des Wohnblocks am Hinterbergweg sowie die unmittelbare Nachbarschaft von der Strahlung am wenigsten betroffen sein werden. Dies, weil in der näheren Umgebung eine Art Regenschirm gegen die Strahlung bestehe. Und er ist überzeugt: «Wird die Antenne nicht am Hinterbergweg aufgestellt, dann später an einem anderen Ort in diesem Gebiet.»

Berner Zeitung

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