«Die Panther-Falle ist nicht ungefährlich für Spaziergänger»

Kestenholz-Bätterkinden

Ein Raubtier schleicht durch die Solothurner Wälder. Bernerzeitung.ch/Newsnetz ist vor Ort und sprach mit Augenzeugen. Das Tier könnte von Deutschland eingewandert sein. Jäger wollen den Panther nun fangen.

Der Verdacht hat sich im Verlaufe der letzten Stunden erhärtet: Im Gebiet Kestenholz-Bätterkinden ist ein Panther unterwegs.

Das Tier wurde am vergangenen Mittwoch in einem Waldstück bei Kestenholz SO gesichtet, von Förster Robert Käser, der dort gemeinsam mit seiner Frau unterwegs war: «Es war morgens um halb acht, als wir an einer Strassenkreuzung bei der Stelliwaldhütte eine grosse schwarze Raubkatze sahen», sagt er gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz. Das Tier habe er in circa 20 Metern Entfernung, während fünf bis sieben Sekunden gesehen.

Die zwei Jagdhunde, die der Förster bei sich hatte, hätten gebellt, da flüchtete das Tier zu einer Hütte. Bei der Einschätzung um welches Tier es sich handelt ist Robert Käser vorsichtig, er will keine Panik auslösen. Doch der Revierförster und Waldhüter mit mehr als 40 Jahren Berufserfahrung weiss auch, was er sah: «Nach Farbe, Grösse und Verhalten müsste man auf einen Panther tippen.» Das Tier habe einen menschenscheuen Eindruck gemacht.

Beute des Raubtieres gefunden

Auch Marcel Tschan, Leiter des Amts für Jagd und Fischerei des Kantons Solothurn, ist sich inzwischen fast sicher, dass es sich um einen Panther handelt: «Wir haben ein fast gänzlich ausgeweidetes Reh gefunden.» Eine mögliche Beute des Raubtieres.

In der Zwischenzeit hat sich auch eine weitere Augenzeugin gemeldet, die das Tier in der Nacht vom 6. auf den 7. Mai sichtete: Die Bäckerin war morgens um halb vier mit dem Auto auf dem Weg zur Arbeit, als das Tier die Strasse überquerte. Marcel Tschan, der die Frau befragte, hält ihre Beschreibung des Tieres für glaubwürdig. Tschan erklärt weiter, dass laut neusten Erkenntnissen die erste Sichtung des Tieres bereits am 30. April erfolgte. Eine Person meldete sich nach der Veröffentlichung der Medienberichte, sie habe das Tier kurz vor Mittag in der Region Kestenholz Richtung Olten bei einem Scheibenstand gesehen.

Polizei hält sich zurück

50 Zentimeter gross, schwarzes Fell, langer Schwanz: Mit diesem Signalement beschrieb auch die Kantonspolizei Solothurn den Vierbeiner am Freitag in einer Mitteilung. Dass es sich um einen Panther handeln könnte, wurde indes mit keinem Wort erwähnt. Stattdessen war von einer «kleinen Raubkatze» oder einem «entlaufenen Hund» die Rede.

Am Freitagabend tauchte der schwarze Räuber im Raum Kräiligen bei Bätterkinden (BE) auf. Mit dem Übertritt der Kantonsgrenze wurde er – quasi über Nacht – auch zum Fall für den bernischen Jagdinspektor Peter Juesy. Äussern darf er sich aber nicht zu den aktuelle Ereignissen. Das Kommando liege bei der Kantonspolizei Solothurn, das habe man so vereinbart.

Tierfallen wurden aufgestellt

Übers Wochenende herrschte in den Wäldern rund um Kestenholz Hochbetrieb. Mehrere Foto- und Tierfallen wurden in Stellung gebracht, bis jetzt ohne Erfolg. «Wir haben das Tier noch nicht gefunden. Der Wald ist relativ gross, das erschwert unsere Aufgabe», sagt Thalia Schweizer, Pressesprecherin der Kantonspolizei Solothurn.

Das Tier ist allerdings nicht zum Abschuss freigegeben, entgegen einer früheren Meldung. Die Jäger wollen den Panther mit oder ohne Betäubung fangen.

Woher stammt das Tier?

Ein Rätsel ist für die Behörden, woher das Raubtier stammen könnte und weshalb es frei herumläuft. Seit letzten Mittwoch hat die Kantonspolizei Solothurn systematisch Zoos, Zirkusse und private Besitzer von Raubtiergehegen kontaktiert. «Bis jetzt konnten wir den Besitzer allerdings nicht ausfindig machen», sagt Schweizer.

«Es kann praktisch nur ein Panther sein», sagte Reinhard Schnidrig, Chef der Sektion Jagd beim Bundesamt für Umwelt (Bafu). «Wir haben recherchiert, wir haben keine Ahnung, wo solch ein Tier in der Schweiz fehlen könnte.» Aber in Süddeutschland sei im vergangenen Herbst ein schwarzer Panther gesichtet worden. «Es könnte sich um dieses Tier handeln», sagte Schnidrig. Bei der Solothurner Kantonspolizei ging heute die Meldung aus Süddeutschland ein, wonach seit Oktober vergangenen Jahres ein schwarzer Panther vermisst wird.

Die Behörden klärten nun die Details ab, so etwa die Frage, ob dieses Tier aus einer privaten Haltung oder aus einem Zoo entwichen sei. Schweizer sagte, es sei allerdings noch nicht klar, ob es sich bei dem rätselhaften Tier im Solothurner Wald tatsächlich um den Panther aus Süddeutschland handle.

Nicht nähern!

Tipps für Spaziergänger, die in der Region im Wald unterwegs sind, will die Kantonspolizei Solothurn noch keine abgegeben, auch Warntafeln sucht man im Wald vergeblich. Presesprecherin Thalia Schweizer: «Zuerst müssen wir sicher sein, um welche Tierart es sich handelt. Vorher können wir nicht abschätzen, ob das Tier für den Menschen eine Gefahr darstellt.»

Dompteur und Raubtierexperte Jürg Jenny sagt gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetzaber, dass keine Angst geboten sei, auch wenn es sich tatsächlich um einen Panther handeln sollte. Das Tier sei vermutlich sehr scheu – wenn man es nicht grad drauf ankommen lässt: «Wer sie sieht soll einen grossen Bogen um die Raubkatze machen. Ja nicht nachlaufen oder jagen!»

Die Kantonspolizei Solothurn bittet um Hinweise aus der Bevölkerung (Telefon 112 oder 117).

Berner Zeitung

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