Langenthal

Stephan Anliker: «Wir stossen bei der Stadt auf taube Ohren»

LangenthalKurz vor dem Saisonstart stehen die Zeichen auf Sturm: SCL-Verwaltungsratspräsident Stephan Anliker fühlt sich von der Stadt im Stich gelassen. Wichtige Themen wie das Stadionprojekt und die Gastronomie-Einnahmen würden auf die lange Bank geschoben. «Das ist frustrierend.»

«Wenn es um das Image der Stadt geht, wird jeder Franken dreimal umgedreht.» SCL-VR Präsident Stephan Anliker (rechts) nervt sich über die Nichterhöhung des Marketingbeitrages der Stadt. Neben ihm: Sportchef Reto Kläy.

«Wenn es um das Image der Stadt geht, wird jeder Franken dreimal umgedreht.» SCL-VR Präsident Stephan Anliker (rechts) nervt sich über die Nichterhöhung des Marketingbeitrages der Stadt. Neben ihm: Sportchef Reto Kläy. Bild: Thomas Peter

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Keine Runde ist gespielt, und schon hat der SC Langenthal eine empfindliche Niederlage kassiert. Der Stadtrat will den jährlichen Marketingbeitrag für den SCL nicht von 25000 auf 50000 Franken erhöhen. Enttäuscht?
Stephan Anliker:?Enttäuschend ist für mich die fehlende Akzeptanz unserer Leistungen. Offenbar merkt ein Grossteil des Stadtrats nicht, welche Ausstrahlung der SC Langenthal als NLB-Team hat und welchen Werbeeffekt er der Stadt bringt.

SP-Stadtrat Samuel Köhli sagte im Parlament, der SCL würde mit den 50000 Franken zum grössten Posten beim Stadtmarketing aufsteigen. Das dürfe nicht sein.
Sollte das stimmen, ist das Stadtmarketing ein Witz. Wenn der Stadt ihr Marketing so wenig Wert ist, kann sie damit aufhören. Für jede Abwasserleitung werden riesige Summen hingeblättert, aber wenn es um das Image geht, wird jeder Franken dreimal umgedreht. Das stört mich extrem und zeugt nicht von Weitsicht.

So schlecht geht es dem SC Langenthal nun auch wieder nicht. Immerhin hat die Stadt für die Kunsteisbahn ein Sanierungspaket über 2,9 Millionen Franken geschnürt. Davon profitiert doch auch der SCL.
Mit diesem Sanierungspaket wurde Vergangenheitsbewältigung betrieben – nicht mehr und nicht weniger. Jahrelang haben es die Behörden versäumt, der Kunsteisbahn Langenthal AG (KEB) die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen. Dieser Fehler wurde nachträglich korrigiert, die Situation des SC Langenthal hat sich dadurch aber nicht verändert. Wir als Hauptmieter sind immer noch der geduldete Bittsteller, der auf die Gnade von Stadt und KEB angewiesen ist.

Immerhin konnte die Stadt dank des Sanierungspakets die Zusatztribünen im Schoren kaufen. Der SC Langenthal kommt dadurch zu Einnahmen von 670000 Franken.
Die Stadt hat uns kein Geld überwiesen. Die Summe wird mit den Eiskosten verrechnet und stellt für den SCL lediglich eine Wertverlagerung dar. Auch dieses Geschäft ist Vergangenheitsbewältigung. Wenn wir die Tribünen nicht selbst gebaut hätten, wäre ein Aufstieg in die NLB gar nicht möglich gewesen. Die Sitzplätze für die Donatoren hätten uns gefehlt. Sie bringen dem SCL rund 25 Prozent der Gesamteinnahmen.

Welche Hilfe erwarten Sie konkret? Die Stadt kann das Budget der 1.Mannschaft ja nicht mit Steuergeldern aufstocken.
Eines möchte ich klarstellen:?Seit der SCL in der NLB spielt, hat er sich immer mit eigenen Mitteln durchgekämpft und nie bei der Stadt um Geld gebettelt. Mir geht es darum, unsere Rahmenbedingungen zu verbessern, zum Beispiel im Bereich Gastronomie.

Wie stellen Sie sich das vor?
Obwohl wir die Hockeyfans in den Schoren bringen, ist es uns nicht möglich, während der Spiele mit Essen und Getränken im Schoren Geld zu verdienen. Die Einnahmen fliessen in die Kasse der Kunsteisbahn AG. Das ist ein gewichtiger Nachteil gegenüber anderen NLB-Vereinen und beeinflusst unser Budget stark. Mit einem Aufwand von 4 Millionen Franken für die 1.Mannschaft und den Nachwuchs sind wir am Limit angelangt, mehr Geld können wir in Anbetracht der Rahmenbedingungen nicht in die Hände nehmen. Obwohl die Kosten steigen und unsere Gegner stark aufrüsten.

Haben Sie das Gastronomieproblem mit der Stadt und der KEB besprochen?
Wir sprechen es immer wieder an und haben auch schon um einen Verhandlungstermin gebeten. Leider erfolglos. Wir haben auch den Wunsch geäussert, den Betrieb der Eishalle vollständig zu übernehmen, wie es in Bern der SCB macht. Die KEB AG bräuchte es in diesem Fall nur noch als Immobilienverwalterin. Leider stossen wir auch hier auf taube Ohren. Ich würde nicht sagen, einzelne Personen in Langenthal seien gegen uns. Es ist vielmehr das System, das zu kompliziert ist und zu langsam funktioniert. Manchmal fühle ich mich wie in einem Spinnennetz gefangen, in dem man weder vorwärts noch rückwärts kommt. Oder wie in einer Mumie, in der man sich nicht bewegen kann. Das ist frustrierend.

Warum zügelt der SC Langenthal nicht weg? Im Nationalen Sportcenter Huttwil steht eine moderne Eishalle leer.
Die gehört Unternehmer Markus Bösiger, und ich weiss nicht, ob sie überhaupt zu haben ist. Ein Wegzug vom Schoren wäre mit Emotionen verbunden und bestimmt nicht einfach zu realisieren. Wenn schon in eine andere Gemeinde, fände ich Huttwil geografisch schlecht. Das ist für uns kein Thema. Richtung Autobahn würde mir besser gefallen.

Gibt es konkrete Pläne?
Nein. Grundsätzlich bin ich der Meinung, der SCL sollte in Langenthal bleiben – das dürfte auch im Sinne unserer Fans und Sponsoren sein. Der Schoren ist als Spielstätte ja nicht grundsätzlich schlecht, obwohl er sich am Rande eines Wohnquartiers befindet und verkehrstechnisch ungünstig gelegen ist.

Wo wäre der richtige Spielort, falls es irgendwo in Langenthal ein neues Stadion gäbe?
Ganz klar?beim ehemaligen Hotel Dreilinden. Da muss ich nicht siebenmal überlegen. Aber eben. Bis ein solches Projekt spruchreif ist, dürfte noch viel Zeit vergehen. Zuerst muss die Stadt ihr längst überfälliges Sportstättenkonzept fertig stellen. Die Mühlen der Verwaltung mahlen langsam, davon ist im übrigen nicht nur der SCL betroffen. Es gibt zahlreiche Sportklubs, die dringend eine bessere Infrastruktur bräuchten.

Sie klingen frustriert...
Ich habe Mühe, dass die Stadt ihre Chancen nicht nutzt. Langenthal hat in den Bereichen Kultur und Sport riesiges Potenzial, sie müsste es nur nutzen. Man stelle sich vor, die Stadt würde in den nächsten 10 Jahren 20 Millionen Franken in die Sport- und Kulturszene investieren. Das würde der Region einen gewaltigen Schub verleihen – und weit über die Region hinaus zur Kenntnis genommen werden.

Darauf können Sie vermutlich lange warten. Wann schmeissen Sie den Bettel hin und ziehen sich als VR-Präsident des SC Langenthal zurück?
Das ist kein Thema im Moment. Ich spüre eine gewisse Verantwortung gegenüber den Kernaktionären, Sponsoren, Donatoren und der ganzen SCL-Familie. Gegenüber der Stadt Langenthal allerdings fühle ich mich zu nichts mehr verpflichtet. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.09.2011, 09:06 Uhr

Zur Person

Stephan Anliker (54)ist VR-Präsident des SC Langenthal, Architekt und Mehrheitsaktionär der Firmengruppe Ducksch&Anliker. Der gebürtige Langenthaler ist mit der ehemaligen Spitzenleichtathletin Regula Anliker Aebi verheiratet und Vater von zwei schulpflichtigen Kindern.

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