Spitaldirektor Kuert: «Das ist Rufmord»

Langenthal

Weil sie das falsche Blut erhalten hat, ist am Montag eine 73-jährige Attiswilerin im Spital Langenthal gestorben. Nun werden Vorwürfe gegen Spitaldirektor Hans Peter Kuert laut: Er habe den Vorfall verheimlichen wollen.

Spitaldirektor Hans Peter Kuert wehrt sich gegen die Vorwürfe, er habe den Tod einer 73-jährigen Patientin verheimlichen wollen.

Spitaldirektor Hans Peter Kuert wehrt sich gegen die Vorwürfe, er habe den Tod einer 73-jährigen Patientin verheimlichen wollen.

(Bild: Thomas Peter)

Dominik Balmer@sonntagszeitung

Wollte das Spital Langenthal den Tod einer 73-jährigen Attiswilerin verheimlichen? Am Montag ist die Patientin nach einem chirurgischen Eingriff am Arm gestorben. Der Grund für den Tod: Sie hat während der Operation vermutlich Blut der falschen Blutgruppe erhalten (wir berichteten).Nicht für Öffentlichkeit?In seiner letzten Ausgabe erhebt der «Blick» nun schwere Vorwürfe gegen Hans Peter Kuert, Direktor der Spital Region Oberaargau (SRO) AG. Er habe «alles versucht, damit die aussergewöhnlichen Todesfälle nicht publik werden». Und weiter: «Nach Kuerts Überzeugung ist der Fall nichts für die Öffentlichkeit, er bittet, nicht über den Vorfall zu schreiben.» Doch die Zeitung lässt sich von ihrem Vorhaben nicht abbringen – sie schreibt: Erst nachdem Kuert dies festgestellt habe, habe er eine Pressemitteilung in Aussicht gestellt.Spitaldirektor Kuert wehrte sich am Mittwoch vehement gegen die Vorwürfe der Boulevardzeitung: «Das ist eine Frechheit», sagte er. «Das Gegenteil ist wahr – wir wollten nie etwas vertuschen.» Den Artikel bezeichnete er als «Rufmord» und als «pietätlos gegenüber den Angehörigen der verstorbenen Frau». Kuert versicherte: «Wir wären auf jeden Fall an die Öffentlichkeit getreten, denn die Gerüchte über den Vorfall waren bereits da.»Kuert gelangt an RingierGestorben ist die schwer kranke Frau am Montagnachmittag. Gemäss Kuert sind die Kadermitarbeiter am Spital am Mittag des folgenden Tages informiert worden. Danach setzte Kuert die Medienmitteilung auf, die er um genau 16.26 Uhr verschickte. Zu dieser Zeit wurden auch alle übrigen Angstellten des Spitals informiert.Kuert liess am Mittwoch durchblicken, dass er die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen will. Er sagte: «Ich habe mit ‹Blick›-Verleger Michael Rinigier studiert.» Er werde sich nun bei seinem früheren Kommilitonen über die Arbeit seiner Journalisten beschweren. Doch allzu grosse Hoffnungen machte sich Spitaldirektor Kuert dennoch nicht: «Im Moment sind die Spitäler die Zielscheiben. Das läuft leider so.»Zwei Versionen kursierenNoch immer ist unklar, wie es am Spital Langenthal zur tödlichen Verwechslung der Blutkonserven kommen konnte. Möglich ist, dass der Beutel mit dem Blut im spitaleigenen Labor falsch angeschrieben worden ist. Diese Version verbreitete Spitaldirektor Kuert bereits am Dienstag. Eine zweite Version publizierte der «Blick»: Die Verwechslung soll erst im Operationssaal passiert sein, wusste eine Quelle zu berichten. Eine Krankenschwester habe bemerkt, dass mit dem Blutbeutel etwas nicht stimme. Sie habe vermutet, dieser sei falsch angeschrieben. Sie habe den vermeintlichen Fehler korrigiert. Doch der Beutel war offenbar tatsächlich falsch angeschrieben – und so erhielt die Patientin das falsche Blut.Ergebnisse nächste WochePolizeisprecher Jürg Mosimann bestätigte auf Anfrage keine der beiden Versionen. «Die Untersuchungen sind im Gang», sagte er bloss. Bisher mussten die involvierten Mitarbeiter der Polizei ein Gedächtnisprotokoll abliefern. Erste Einvernahmen finden nächste Woche statt. Die Leiche der 73-jährigen Attiswilerin wird am Institut für Rechtsmedizin in Bern untersucht.

Berner Zeitung

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