Spital-Schliessung kostet 50 Stellen

Niederbipp

Ein weiteres Kapitel der kantonalen Spitalgeschichte geht zu Ende: Das Akutspital Niederbipp schliesst am 4.April 2011 seine Türen. Nahtlos nimmt das neue Gesundheitszentrum seinen Betrieb auf. 50 Stellen werden abgebaut.

Die Lichter gehen aus: Ab 4.April 2011 hat das Spital Niederbipp keinen Akutbereich mehr. Neu gibt es dafür ein Gesundheitszentrum.

Die Lichter gehen aus: Ab 4.April 2011 hat das Spital Niederbipp keinen Akutbereich mehr. Neu gibt es dafür ein Gesundheitszentrum.

(Bild: Thomas Peter)

Dominik Balmer@sonntagszeitung

Jetzt steht das Ende definitiv fest: Das Akutspital in Niederbipp schliesst seine Türen am 4.April des nächsten Jahres. Dies hat die Spital Region Oberaargau (SRO) AG gestern vor den Medien in Langenthal bekannt gegeben. Mit dem Ende des Akutbereichs verschwindet die medizinische Versorgung aber nicht komplett aus Niederbipp. Denn am Tag der Schliessung nimmt in den Spitalräumen das neue Gesundheitszentrum Jurasüdfuss seinen Betrieb auf.

Die Ende des Akutspitals hat einen Verlust von Personal zur Folge. Insgesamt baut die SRO 50 Vollzeitstellen ab, betroffen sind 65 Mitarbeiter. Unter dem Strich müssen aber nur 32 Mitarbeiter mit einer Entlassung rechnen, weil Teile des Personals nach Langenthal wechseln und andere bereits von sich aus gekündigt haben. Im Gesundheitszentrum werden dereinst 147 Personen arbeiten. Mit dem Abbau spart die SRO jährlich 5 Millionen Franken ein.

«Grosszügiger Sozialplan»

Den betroffenen Mitarbeitern stellte Spitaldirektor Andreas Kohli einen «grosszügigen Sozialplan» in Aussicht. Darüber hinaus würden sie «in diesem schweren Prozess» von Personalfachleuten begleitet. Trotzdem übten die Verbände des Spitalpersonals gestern in einer Medienmitteilung leise Kritik am Abbau. Auch die Niederbipper Behörden bedauern das Ende des Akutspitals und den damit verbundenen Stellenabbau.

Der harte Spitalmarkt

Dass der Schnitt ohne Emotionen über die Bühne gehen würde, war auch nicht zu erwarten. Am Mittwochabend hat die SRO die Mitarbeiter in Niederbipp informiert. Die Versammlung sei ruhig verlaufen, sagte am Tag darauf SRO-Verwaltungsratspräsident Dieter Widmer. Die Leute hätten betroffen, aber auch mit Verständnis reagiert. «Zum Teil sind aber Tränen geflossen.» Dennoch sei der «schmerzhafte Eingriff» angesichts des immer härteren Spitalmarkts «nicht zu vermeiden» gewesen. Mit dem Masterplan sei die SRO aber auf dem richtigen Weg.

Die SRO baut in Niederbipp aber nicht nur ab, sondern auch auf. So bietet das Gesundheitszentrum Jurasüdfuss dereinst eine breite Palette an Leistungen an. Geplant sind unter anderem Hausarztpraxen inklusive gynäkologischer Sprechstunden. Darüber hinaus sollen eine chirurgische sowie eine orthopädische Praxis eingerichtet werden. Zudem werden die Bereiche Magen/Darm (Gastroenterologie), Röntgen, Ergo- und Physiotherapie sowie Ernährungsberatung abgedeckt.

In der Psychiatrie ist sogar ein markanter Ausbau geplant. So möchte die SRO in Niederbipp künftig eine mobile Krisenintervention betreiben. Das Gesuch für mehr Betten hat die SRO bei der Gesundheitsdirektion eingereicht. Ebenfalls neu ist eine Tagesstätte für Betagte. «Eine ganz gute Idee», wie Direktor Kohli sagte. Damit könnten zum Beispiel Familien in der Betreuung betagter Angehöriger entlastet werden. Geprüft werden letztlich auch kinderärztliche, alternativmedizinische und palliative Angebote.

Betrieb läuft wie gewohnt

Vom Wegfall des Akutspitals nicht betroffen sind in Niederbipp der Bereich Wohnen und Pflege im Alter sowie der Rettungsdienst. Letzterer wird auch ab dem 4. April wie bisher sieben Tage die Woche während 24 Stunden betrieben. Zuständig sind ein Team der SRO sowie eines aus Solothurn.

Für den Start des Gesundheitszentrums sind laut Direktor Kohli nur «kleine bauliche Massnahmen nötig». Vorerst leer bleiben nach dem 4.April allerdings die Operationssäle. Sie werden erst umgebaut, wenn klar ist, zu welchem Zweck sie gebraucht werden. Bis im April läuft der Spitalbetrieb in Niederbipp wie gewohnt weiter.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt