Spital spart: 40 Mitarbeiter betroffen

Langenthal

Die Spital Region Oberaargau AG will bis Ende Jahr 30 Stellen abbauen. In einem offenen Brief an die Spitaldirektion setzt sich die Betriebskommission nun zur Wehr.

Auf sich gestellt: Ab 2012 muss der Betrieb der Spital Region Oberaargau AG mindestens kostendeckend sein.<p class='credit'>(Bild: Thomas Peter)</p>

Auf sich gestellt: Ab 2012 muss der Betrieb der Spital Region Oberaargau AG mindestens kostendeckend sein.

(Bild: Thomas Peter)

Die Kommunikation ist offenbar ins Stocken geraten. Dies ist zumindest aus dem Schreiben zu schliessen, das die Betriebskommission der Spital Region Oberaargau AG vergangene Woche an die Spitaldirektion verfasst hat und das dieser Zeitung vorliegt. Diesem «offenen Brief» zufolge hat die Betriebskommission erst von betroffenen Mitarbeitenden erfahren, dass bereits erste Entlassungen ausgesprochen sind. Insgesamt, so die Kommission, plane die Spitaldirektion im Zusammenhang mit der neuen Spitalfinanzierung «einen massiven Stellenabbau». Dadurch sollen nächstes Jahr 5 bis 6 Millionen Franken eingespart werden.

Spitaldirektor Andreas Kohli bestätigte gestern den Abbau gegenüber der BZ. Insgesamt 30 Stellen würden gestrichen, die meisten auf Ende Jahr, einige wenige in den darauffolgenden Monaten. Betroffen seien 40 Personen aus allen Bereichen, vom Hausdienst bis zur Ärzteschaft. Abgebaut werde primär im Spital Langenthal, vereinzelt auch in den Gesundheitszentren Huttwil und Niederbipp.

Mitarbeiter verängstigt

Es sind Einsparungen, über die sich die Betriebskommission wenig erfreut zeigt. Kritik übt sie aber auch am Vorgehen der Direktion. Die «Umsetzung der Massnahmen im Eilzugtempo» löse bei den Mitarbeitenden Angst aus und führe zu einem «enormen Vertrauensverlust», schreibt sie. «Mit einer offenen Kommunikation und einer längerfristigen Planung hätte der Abbau sozialverträglicher gestaltet werden können.»

Denn betroffen seien auch ältere Mitarbeitende sowie Angestellte, die länger krank gewesen sind. «Diese Menschen haben am meisten Mühe, auf dem Arbeitsmarkt eine neue Stelle zu finden.» Die Situation sei für die Betroffenen untragbar – zumal die Finanzierung des Sozialplans unsicher sei.

Wie viele Mitarbeitende den offenen Brief unterzeichnen, ist offen – noch läuft die Unterschriftensammlung. Klar sind indes die Forderungen der Unterzeichnenden: Sie verlangen von der Spitaldirektion eine Verschiebung des geplanten Stellenabbaus auf Juli 2012 sowie eine gezielte Unterstützung der Betroffenen. Der Sozialplan müsse umgesetzt werden. Und die Restrukturierung dürfe nicht zu Einbussen bei der Qualität und der Patientensicherheit führen.

Massnahmen notwendig

Spitaldirektor Andreas Kohli zeigt Verständnis für die Forderungen. «Ein Stellenabbau ist immer schmerzhaft – für die Betroffenen wie auch für diejenigen, die ihn umsetzen müssen.» Die Spitaldirektion sei sich jedoch einig, dass die geplanten Massnahmen die richtigen seien und zum Wohl des Betriebs jetzt umgesetzt werden müssten. Mit Inkrafttreten der neuen Spitalfinanzierung auf 2012 müsse der Betrieb mindestens kostendeckend sein. «In diesem Anpassungsprozess haben wir bis Ende Jahr Zeit», sagt Kohli. Eine Verschiebung des Stellenabbaus komme daher nicht infrage.

Kohli stellt aber auch klar: Man habe die verschiedenen Abteilungen Ende Mai über die geplanten Sparmassnahmen in Kenntnis gesetzt und bereits mit rund einem Drittel der Betroffenen Gespräche geführt. Es sei der Direktion wichtig, dass den Betroffenen genug Zeit bleibe, sich neu zu orientieren. Tatsächlich sei derzeit aber unklar, ob der Sozialplan vollumfänglich umgesetzt werden könne. «Die Finanzierung ist noch nicht vollständig gesichert», bestätigt Kohli die Befürchtungen der Betriebskommission. Die Spitaldirektion führe deshalb derzeit auch mit dem Kanton Gespräche. Heute finde ausserdem ein Gespräch mit den Gewerkschaften statt.

Die Spital Region Oberaargau AG beschäftigt derzeit gut 1200 Mitarbeitende in rund 800 Vollzeitstellen.

Berner Zeitung

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