Sonderschicht für das Gericht

Burgdorf

Derzeit geht es auf Schloss Burgdorf hoch zu und her: Das Gericht hat nicht nur Juristisches, sondern auch viel Organisatorisches zu bewältigen. Man bereitet sich auf die neue Gerichtsregion vor, die nicht so einfach aufzugleisen ist.

Hans Herrmann

Eigentlich müsste man alle potenziellen Delinquenten in der Region Burgdorf ersuchen, bis Ende Jahr keine Missetaten zu begehen. Um Verständnis bitten müsste man auch jene Kundschaft, die in einer zivilrechtlichen Angelegenheit mit dem Gericht zu tun haben: Verschiebt, liebe Leute, eure Ehescheidung doch auf nächstes Jahr. Das würde dem Gericht auf Schloss Burgdorf und vorab dessen Geschäftsführer Peter Urech Luft verschaffen – Luft, die für aktuelle organisatorische Arbeiten so dringend nötig wäre.

Halb Richter, halb Manager

Aber eben – der juristische Alltag geht ungebremst weiter, während das Gerichtsteam gleichzeitig an einem grossen Projekt arbeitet. Es gilt, die neue Gerichtsregion Emmental-Oberaargau aufzugleisen, die im Rahmen der Bezirks- und Verwaltungsreform entstanden ist und ab Anfang nächsten Jahres zum Tragen kommt. Zu ihrem Geschäftsleiter ist Peter Urech ernannt worden. Genau genommen zum Vorsitzenden der Geschäftsleitung, denn diese wird sich aus mehreren, noch zu bestimmenden Personen zusammensetzen. Urech wird zu 50 Prozent als Manager, zu 50 Prozent nach wie vor als Richter angestellt sein.

Ein Sonderfall

Das Problem ist bloss: Bis Ende Jahr ist Peter Urech noch zu 100 Prozent als Gerichtspräsident des Kreises Burgdorf-Fraubrunnen tätig und versieht das Amt des Geschäftsleiters zusätzlich quasi nebenbei. Eigentlich ist nun aber sein voller Einsatz als Manager gefragt. Seine künftige Gerichtsregion stellt nämlich einen organisationstechnisch intensiven Sonderfall dar: Während in Bern, Biel und Thun für den neuen Justizbetrieb bereits zentrale Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, ist in Burgdorf der künftige Gerichtssitz auf dem Zeughausareal erst am Entstehen. Die Tore öffnen wird das Gebäude voraussichtlich in der ersten Hälfte des Jahres 2012. Bis dahin wird die Gerichtsregion Emmental-Oberaargau also in einem provisorischen Rahmen zu funktionieren haben – und ebendieses Provisorium muss nun auf die Beine gestellt werden.

Spezialisierung erwünscht

Konkret bedeutet dies, dass in dieser Übergangsphase aus Platzgründen nach wie vor in Aarwangen, Burgdorf und Langnau zu Gericht gesessen wird. Dabei stellte sich die Grundsatzfrage: Soll man jeden dieser Standorte in ein Kompetenzzentrum umwandeln, eines für Strafsachen, eines für Zivilhändel und eines für Betreibungsrechtliches? Oder soll vorläufig alles beim Alten bleiben? «Wir haben uns der Einfachheit halber für Letzteres entscheiden, obwohl es unsere vorgesetzte Instanz gerne sähe, wenn sich die Richterinnen und Richter künftig vermehrt spezialisieren würden», sagt Peter Urech.

Noch bleibt viel zu tun

So wird also für die kommenden anderthalb Jahre an allen drei (Noch-)Standorten der Gerichtsregion Emmental-Oberaargau wie bisher die gesamte Palette an Gerichtsrelevantem behandelt werden. Mit diesem Entscheid sind die Vorbereitungen auf die neue Ära aber noch lange nicht abgeschlossen. Weiter gilt es, nebst vielem anderen, über Stellenprozente zu verhandeln, das Personal zu rekrutieren, die Anzahl Lehrstellen und Praktikumsplätze festzulegen, die Geschäftsleitung zu konstituieren, ein Reglement zu erstellen und den Betrieb auf ein neues Verwaltungsmodell (NPM) umzustellen.

Auf zu neuen Horizonten

Peter Urech will jedoch nicht jammern, im Gegenteil. «Diese Aufgaben sind Teil meines neuen Jobs, den ich mit Schwung angehe», betont er. Nun sei er 55-jährig und erachte es als befriedigend, sich im letzten Berufsjahrzehnt noch einmal einer neuen Herausforderung stellen zu können.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt