«Sollen doch die anderen»

Einige Kirchgemeinden tun sich schwer bei der Suche nach neuen Ratsmitgliedern. Dass das nicht direkt mit der Kirche zu tun hat, zeigen die Absageargumente von angefragten Kandidaten.

Die Kirche in Dürrenroth: Der Exekutive der Kirchgemeinde fehlen Mitglieder. Solche zu finden, wird immer schwieriger.

Die Kirche in Dürrenroth: Der Exekutive der Kirchgemeinde fehlen Mitglieder. Solche zu finden, wird immer schwieriger. Bild: Thomas Peter

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Die Suche nach neuen Kirchgemeinderatsmitgliedern ist für manche Kommune eine Herausforderung. Die Kirchgemeinde Dürrenroth beispielsweise hat den Rat von sieben auf sechs Mitglieder reduziert, wie «Der Unter-Emmentaler» berichtete.

Die Kirchgemeinde Dürrenroth beispielsweise hat den Rat von sieben auf sechs Mitglieder reduziert, wie «Der Unter-Emmentaler» berichtete. Die Kirchgemeinderatspräsidentin, Elisabeth Ryser, habe aber insgesamt sogar drei Mitglieder verabschiedet und bis dato noch keine Nachfolger gefunden. Zu den Schwierigkeiten bei der Suche wollte Elisabeth Ryser gegenüber dieser Zeitung nicht Stellung nehmen.

Was man mitbringen muss

Aber nicht nur in Dürrenroth lassen sich freie Sitze nicht ohne weiteres neu besetzen: «In den vergangenen drei Monaten haben wir zwanzig potenzielle Nachfolger für den Bereich Kinder und Jugend angefragt», sagt die Kirchgemeinderatspräsidentin aus Langnau, Therese Hulliger.

Doch bis heute erfolgte keine Zusage. Aus gesundheitlichen, familiären und somit auch zeitlichen Gründen treten per Ende 2017 zwei Personen aus dem Kirchgemeinderat Langnau zurück. Ihre Nachfolger müssen ein entsprechendes Profil mitbringen: Zwischen 25- und 40-jährig sollten sie sein, sich für die kirchliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen interessieren und Freude an Begegnungen mit Menschen haben.

«Zudem müssen sie vor Leute stehen können und etwas sagen dürfen sowie ein Flair fürs Führen haben», ergänzt Therese Hulliger. Der wöchentliche Zeitaufwand liege bei zwei bis vier Stunden.

Anspruchsvoller geworden

«Der häufigste Absagegrund war die mangelnde Zeit, sei es aus familiären oder beruflichen Gründen», sagt die Präsidentin. Viele würden es sich nicht zutrauen, nebst den sonstigen Verpflichtungen ein solches Amt zu übernehmen.

Denn das Amt ist anspruchsvoller geworden: «Es braucht aktuelle Fachkenntnisse in den Bereichen Personal, Finanzen oder Immobilien, aber vor allem ist der Job zeitintensiver geworden», was heute viele Menschen als einengend oder sogar störend empfänden. «Sollen doch andere eine Aufgabe und die damit verbundene Verantwortung übernehmen», scheinen sich laut Therese Hulliger viele zu sagen.

Wohingegen sie selbst die freiwillige Arbeit gerne mache: «In meinem Amt lerne ich nebst Menschen auch Berufs- und Themenfelder kennen, in die ich sonst keinen so detaillierten Einblick erhielte.» Auch deshalb ist die Lehrerin zuversichtlich, dass sie an der nächsten Kirchgemeindeversammlung zwei mögliche neue Ratsmitglieder empfehlen und somit den elfköpfigen Rat wieder vervollständigen kann.

Obwohl auch mit den bestehenden neun Personen noch keine kritische Grösse erreicht würde: «Reglementarisch wären wir sogar mit nur sechs Mitgliedern gerade noch beschlussfähig», erklärt die Präsidentin. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.12.2017, 10:06 Uhr

Expertenmeinung

Hansruedi Spichiger bestätigt, dass die Bereitschaft dazu, ein öffentliches Amt zu übernehmen, generell gesunken ist. Der langjährige, ehemalige Präsident des Kirchgemeindeverbands des Kantons Bern ist überzeugt: «Die Menschen reflektieren heute weniger über die Mitverantwortung in der Gesellschaft.»

Und nicht alle stellten sich noch die Frage, ob man dem Gemeindewesen etwas schuldig sei. «Das ist aber ein gesamtgesellschaftliches Phänomen und nicht nur bei Kirchgemeinden, sondern auch bei Einwohnergemeinden der Fall», sagt Spichiger.

Bei Einwohnergemeinden sei die Rekrutierung jedoch einfacher, da sich oftmals politische Parteien darum bemühen, Nachfolger aus den eigenen Reihen nachziehen zu können. Aber es gibt auch Kirchgemeinden, die keine Schwierigkeiten bei der Suche nach neuen Mitgliedern haben. «Es hat sich gezeigt, dass vor allem professionell aufgezogene Gemeinden keine Problemen dabei haben, geeignete Personen zu rekrutieren», hält Spichiger fest. grt

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