Siegermuni beim Samentester

Alchenstorf

Matthias Sempachs Siegermuni wird zurzeit intensiv geprüft. Es geht um seinen Wert als Samenspender.

Bei aller Liebe zum Muni: Jetzt will Matthias Sempach wissen, wie es um dessen Samenqualität bestellt ist.

Bei aller Liebe zum Muni: Jetzt will Matthias Sempach wissen, wie es um dessen Samenqualität bestellt ist.

(Bild: Andreas Blatter)

Susanne Graf

Der berühmteste Muni der Schweiz darf im Moment nicht gestört werden. «Fors vo dr Lueg» steht «für Medien und öffentliche Auftritte nicht zur Verfügung», teilt das Management von Besitzer und Schwingerkönig Matthias Sempach mit. Denn jetzt kommt aus, ob er etwas taugt.

Sempach ist es wichtig, «dass der Muni dafür gebraucht wird, wofür er geboren wurde, nämlich um Nachwuchs zu zeugen». Deshalb steht das Tier jetzt bei Swissgenetics, einer Schweizer Firma für künstliche Besamung, auf dem Prüfstand. Es wird untersucht, ob der Schwingfestpreis «die fachlichen Anforderungen für die Produktion von Samendosen erfüllt». Wenn ja, werden die künstlichen Besamer ab Dezember landauf, landab in ihren Köfferchen auch Samen des Königsmunis im Angebot mitführen.

Die Frage ist aber, warum «Fors vo dr Lueg» seiner Aufgabe nicht auf natürliche Weise nachleben kann. Warum er nicht im Natursprung zeigen darf, ob er etwas taugt? Denn dass er durchaus ein Auge hat für die weiblichen Reize, hat er die weite Welt über Facebook schon lange wissen lassen. Am Tag, als er zwecks Vorbereitung auf seinen späteren Auftritt als Königsmuni in den Stall von Muniflüsterer Hans Bichsel nach Ranflüh kam, postete er: «Mann, hat der vielleicht schöne Kühe!»

Es ist auch nicht so, dass der Muni auf natürliche Weise nicht könnte. Im Stall von Roland Abbühl in Gwatt jedenfalls steht ein von «Fors vo dr Lueg» im Natursprung gezeugtes Kuhkalb. «Das Kalb ist gut», sagt Abbühl.

Dann ist also gelogen, wenn man munkelt, dass der Muni nicht der Springfreudigste sei? Abbühl erinnert sich: «Es ging schon einen Moment, vielleicht zwei Stunden», bis er gesprungen sei. Aber in Bezug auf die Fruchtbarkeit sei der Stier wohl nicht schlecht. Immerhin habe seine Kuh vorher nach der künstlichen Besamung nicht aufgenommen, nach «Fors’» Einsatz jedoch habe es sogleich geklappt. Als das Kalb gezeugt wurde, hatte Abbühl noch keine Ahnung, dass der Stier später als Siegermuni am «Eidgenössischen» einspringen und grosse Berühmtheit erlangen würde.

Wenn «Fors’» Sperma nun also den gewünschten Qualitätsanforderungen entspricht, werden nicht nur Sempach und Swissgenetics mit ihm Geld verdienen. Auch die Jungzüchter und eine Organisation für Kinder in der Schweiz werden profitieren: Sempach und Swissgenetics wollen pro verkaufte Samendose je 5 Franken spenden. «Ich durfte in den letzten Wochen so viel Glück und Genugtuung erfahren, dass ich davon gerne etwas zurückgeben möchte», wird Sempach in einer Medienmitteilung zitiert. Und weiter: «Kinder und Jugendliche liegen mir sehr am Herzen.»

Was aber passiert, wenn der Muni die Erwartungen punkto Nachwuchsproduktion nicht erfüllt? Dann kann er wohl nur hoffen, dass er seinem Besitzer schon zu sehr ans Herz gewachsen ist, als dass ihn dieser im Magen haben möchte.

Berner Zeitung

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