Burgdorf

Sie wollen die Hofstatt mit einem bunten Mix aufmischen

BurgdorfEin Verein will in der Oberstadt Raum für ­alternative Arbeitsformen schaffen und Mieter zum Mitgestalten anregen.

Jessica Bast und Christoph Schafroth wollen mit ihrer Idee die Hofstatt beleben.

Jessica Bast und Christoph Schafroth wollen mit ihrer Idee die Hofstatt beleben. Bild: Thomas Peter

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Der Coiffeur verpasst seiner Kundin einen neuen Haarschnitt. Im Büro nebenan brütet die Jungunternehmerin über ihrem Businessplan. Und in der Küche der ehemaligen Café-Bar Specht brutzelt der Teilzeitgastronom Burger. Jessica Bast und Christoph Schafroth erzählen, wie es in den Räumlichkeiten an der Hofstatt 3 und 5 schon bald zu- und hergehen könnte. Individuell, flexibel nutzbar und gemeinsam sind Stichworte, die oft fallen, wenn die beiden ihre Geschäftsidee beschreiben.

Mit drei weiteren Mitgliedern haben sie den Verein Fuchs & Specht gegründet. In der Burgdorfer Oberstadt einen Co-Arbeitsraum und eine Infra­struktur für verschiedene Gastronomen bieten ist ihr Ziel. «Wir wollen diesen Ort neu beleben», sagt Schafroth, der Präsident des Vereins ist.

Vorgänger machte Konkurs

Denn belebt waren zumindest die Räumlichkeiten des vormaligen Hofstatt-Marktes schon lange nicht mehr. Im Juni 2013 musste der Lebensmittelladen von Safet Zeka nach elf Monaten schliessen. Zekas Aare Market GmbH, die auch in Bern einen Quartierladen betrieb, meldete Konkurs an. Der Auszug aus dem Hofstatt-Markt erfolgte dann von einem Tag auf den anderen.

Und dieser schnelle Abgang war nach mehr als drei Jahren noch sichtbar. Anfang Dezember erhielt Christoph Schafroth den Schlüssel für die Räume. Da stiess er auf so manches Überbleibsel seines Vorgängers. «Wir mussten erst Kühlvitrinen und Regale abmontieren», so der 34-jährige Jugendarbeiter. Die ganze Einrichtung sei noch im Geschäft gewesen.

«Um die Küche zu finanzieren, haben wir vor fünf Tagen ein Crowdfunding gestartet.»Jessica Bast, Finanzen Verein Fuchs & Specht

Nach Verhandlungen mit dem Vermieter kam der Verein für die Entsorgung auf und konnte dafür die Einnahmen aus dem Inventar behalten. Nun ist der vormalige Laden leer geräumt. Ein Tisch, sechs Stühle und eine Kartonkiste mit Glühbirnen stehen etwas verlassen im Raum. Dies soll sich aber bald ändern. Arbeitsplätze, ein Sitzungszimmer und eine Lounge sollen bald eingerichtet werden.

Am meisten kosten wird jedoch der Einbau einer neuen Küche in der ehemaligen Café-Bar Specht. Deren Betrieb stellte die vorherige Mieterin, Verena Pfeiffer, im vergangenen Herbst ein. «Um die Küche zu finanzieren, haben wir vor fünf Tagen ein Crowdfunding gestartet», so Jessica Bast. Die 22-Jährige ist zuständig für die Finanzen des Vereins. 20'000 Franken sollen zusammenkommen.

«Die Aktion ist gut angelaufen, wir haben bereits 2000 Franken beisammen.» Für die Möblierung des Kaffees hingegen haben die Initianten bereits eine kostengünstige Lösung gefunden. «Das Brockenhaus Holzwurm macht eine Leihgabe», sagt Schafroth. So würden Sitzgelegenheiten und Tische im Kaffee zum Verkauf ausgestellt und gleichzeitig von den Gästen genutzt.

Mitgestalten erwünscht

Sowohl in den Büroräumlichkeiten wie auch im Restaurant möchten die Initianten den Nutzern viele Freiheiten lassen. Sie können selber entscheiden, an wie vielen Tagen sie das Restaurant bewirten und wie lange sie ihren Büroplatz mieten. Ebenso sollen die Nutzer in der Gestaltung der Räume Freiheiten haben. Diese Mitgestaltungsmöglichkeiten könnten beispielsweise im Keller zum Tragen kommen.

«Burgdorf braucht Raum für inno­vative Arbeits­formen.»Christoph Schafroth, Präsident von Fuchs & Specht

Dort befinden sich zwei ehemalige Lagerräume des Hofstatt-Marktes. «Hier könnte ein Handwerker seine Werkstatt einrichten», meint Schafroth. Dass Burgdorf der richtige Ort ist, um einen sogenannten Co-Workingspace zu betreiben, ist Schafroth überzeugt. Denn in Bern gebe es bereits viele solche Arbeitsräume, die von mehreren Parteien genutzt würden. «Burgdorf braucht Raum für innovative Arbeitsformen.»

Von diesem Geschäftsmodell scheint auch Pro Burgdorf überzeugt. Die Ladenvereinigung übernimmt im ersten Jahr die Miete der Räumlichkeiten. Weil es ein partizipatives Modell sei, bei dem nicht der Profit im Vordergrund stehe, greife man dem Verein gerne unter die Arme, sagt Christoph Balmer, Geschäftsführer von Pro Burgdorf. Zudem sei es etwas Neues, das es im Emmental bisher kaum gebe.

«Es ist an der Zeit, dass an einem der schönsten Plätze in Burgdorf wieder Leben einkehrt», so Balmer. Wenn alles nach Plan verläuft, wird es bereits in diesem Sommer so weit sein.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 18.02.2017, 11:57 Uhr

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