Burgdorf

Sie kämpfen um komplizierte Operationen

BurgdorfDas Spital ­Emmental soll keine Enddarmeingriffe mehr machen dürfen. Die Spitalleitung warnt vor den Folgen.

Anton Schmid (links) und Stephan Vorburger stehen dem HSM-Entscheid kritisch gegenüber.

Anton Schmid (links) und Stephan Vorburger stehen dem HSM-Entscheid kritisch gegenüber. Bild: Andreas Marbot

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Das Gremium für hochspezialisierte Medizin (HSM) schlägt vor, dass das Spital Emmental nicht mehr auf der Liste für ­Operationen am Enddarm steht und diese damit nicht mehr durchführen darf. Kam das überraschend?
Anton Schmid: Das kam sehr überraschend. Schliesslich erfüllen wir wirklich alle Anforderungen, führen genug Operationen durch und sind schweizweit eines der innovativsten Spitäler im Bereich der Enddarmchirurgie. Wir sind das einzige Spital, das alle Anforderungen erfüllt und trotzdem nicht auf der Liste ist.

«Wir sind das ­einzige Spital, das alle Anforderungen erfüllt und trotzdem nicht auf der Liste ist.»Anton Schmid
CEO Spital Emmental

Hat das HSM-Organ inzwischen eine Erklärung dafür geliefert?
Stephan Vorburger: Das einzige Kriterium, das wir gemäss ­Bericht nicht erfüllen, ist die ­Weiterbildungsberechtigung für Bauchchirurgie. Doch seit diesem Herbst sind wir auch in ­diesem Bereich als Weiterbildungsstätte anerkannt. Scheinbar sind hier einfach gewisse ­Informationen nicht bis zum Gremium gelangt, obwohl die Liste der anerkannten Weiterbilder öffentlich einsehbar ist.

Wird das Spital Emmental ­rechtlich gegen den Entscheid vorgehen?
Anton Schmid: Wir haben nun das Recht auf eine Anhörung. Davon werden wir Gebrauch machen. Wir gehen davon aus, dass wir ­danach in die Liste aufgenommen werden. Wenn nicht, ziehen wir auch rechtliche Schritte in Erwägung.

Stephan Vorburger: Falls wir nicht aufgenommen werden, ist das ein rein politischer Entscheid und hat nichts mit der Qualität der Eingriffe zu tun. Wir erfüllen die Kriterien besser als 95 Prozent der Schweizer Spitäler. Es ist ja nicht so, dass wir «häbchläb» mit der Note vier bestanden hätten.

Macht es denn grundsätzlich nicht Sinn, hochspezialisierte Eingriffe nur noch in grösseren Spitälern durchzuführen?
Stephan Vorburger: Eine gewisse Konzentrierung ist sicher sinnvoll und wird bei uns seit Jahren umgesetzt. Eingriffe an der Leber, an der Speiseröhre oder an der Bauchspeicheldrüse machen wir nicht. Da gibt es Spezialisten am Inselspital, welche diese Operationen durchführen. Gerade bei einem Tumor hat der Patient aber sehr viel Angst. In dieser Situation will er bei seinen Angehörigen sein. Deshalb ist es am besten, wenn er in der Nähe seines Wohnorts behandelt wird. Vorausgesetzt, die Qualität stimmt.

Nun plant man eine Zusammenarbeit mit dem Spital Region Oberaargau (SRO) in der Bauchchirurgie. Die Patienten werden also bei gewissen Eingriffen nicht mehr in ihrem Regionalspital operiert, sondern müssen nach Burgdorf oder Langenthal gehen, also weiter entfernt vom Wohnort als bisher.
Stephan Vorburger: Das gilt aber nur für die Operation. Vor und nach dem Eingriff werden die ­Patienten weiterhin in ihrem Stammspital behandelt. Es ist wichtig, dass gerade bei einem Tumor die Patienten von einem Arzt betreut werden, den sie ­kennen und der sie durch diese Talsohle führt. Das funktioniert nur, wenn es zwischen den beiden Spitälern eine enge Zusammenarbeit gibt.

War die Zusammenarbeit mit dem SRO eine Reaktion auf den HSM-Entscheid?
Stephan Vorburger: Nein, das planen wir seit eineinhalb Jahren. Ab Januar operieren wir unsere Emmentaler und Oberaargauer Patienten bei Enddarmtumoren in Burgdorf und bei Mageneingriffen wegen Übergewicht in Langenthal.

Ist eine solche Zusammenarbeit auch noch in anderen Bereichen denkbar?
Stephan Vorburger: Bei der Ausbildung der Spezialisten werden wir bestimmt zusammenarbeiten oder auch mal einen Austausch der Assistenzärzte machen. Weitere Operationen nur noch in einem der beiden Spitäler an­bieten werden wir zumindest in nächster Zeit nicht. Eine solche Zusammenarbeit macht nur bei hochspezialisierten Eingriffen Sinn.

Wird die Zusammenarbeit nun wegen des HSM-Entscheids auf Eis gelegt?
Stephan Vorburger: Wir haben entschieden, nicht auf den definitiven HSM-Entscheid zu warten. Das SRO ist bereits auf der Liste der Spitäler für bariatrische Chirurgie. Und wir gehen davon aus, dass auch wir den heute bestehenden Auftrag für tiefe Enddarmchirurgie nach der Anhörung weiterführen können.

Was, wenn nicht?
Anton Schmid: Mit rund 15 hochspezialisierten Eingriffen pro Jahr sprechen wir bei mehreren Tausend chirurgischen Opera­tionen von einer geringen Zahl. Finanziell gesehen sind die ­Eingriffe ein Nullsummenspiel. Und auch die Auslastung des ­Spitals wäre nicht merkbar schlechter. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Wenn wir keine Enddarmoperationen mehr durchführen dürften, hätte das langfristig gravierende Konsequenzen.

Welche?
Anton Schmid: Wir haben die ­Verantwortung, dass wir die ­Emmentaler Bevölkerung langfristig medizinisch gut versorgen können. Dafür brauchen wir gute Fachspezialisten und interessante Eingriffe, welche die Spezia­listen anziehen. Wenn man diese Fachleute verliert, kann man auf die Dauer auch die Notfallversorgung nicht mehr in guter Qualität gewährleisten. Das ist aber un­sere Pflicht gegenüber der Bevölkerung.

Anton Schmid ist seit 2015 CEO des Spitals Emmental. Stephan Vorburger ist Leiter Chirurgische Kliniken und Chefarzt der Chirurgie in Burgdorf. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.12.2017, 10:56 Uhr

Das Beschlussorgan

Am 27. November 2017 hat das eidgenössische Beschlussorgan für hochspezialisierte Medizin (HSM) verkündet, welche Spi­täler in Zukunft noch hochspezialisierte Eingriffe durchführen dürfen und welche nicht mehr. Im Beschlussorgan sitzen die kantonalen Gesundheits­direktoren.

Nicht mehr auf der Liste für Eingriffe im Enddarmbereich steht das Spital Emmental. Seit 2010 werden in Burgdorf solche Eingriffe vorgenommen. Bis Ende Januar 2018 wird nun die Vernehmlassungsphase ­laufen, in der die Spitäler zum Entscheid Stellung nehmen können. rsc

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