«Schmerzfrei geht es sicher nicht»

Krauchthal/Moskau

In 19 Tagen nach Osteuropa: Ernst Salzmann und Roland Gugger wollen tatsächlich 3000 Kilometer bis nach Moskau radeln. Die Strapazen sollen aber nicht umsonst sein, denn die beiden Krauchthaler verbinden die Tour mit einer Spendenaktion.

Start Bannholzrain, Krauchthal: Morgen brechen die Sportler Ernst Salzmann (links) und Roland Gugger zur grossen Radtour auf.

(Bild: Walter Pfäffli)

16.August 2011, 16.15 Uhr, Roter Platz, Moskau: Zwei Radler aus Krauchthal fahren ein. Das Ziel ist erreicht. Wenn diese Prophezeiung so eintrifft, dann lief alles nach Plan. Ernst Salzmann und Roland Gugger haben Grosses vor: Von ihrem Heimatdorf Krauchthal aus starten sie morgen Dienstag zur Sommervelotour durch den Osten Europas bis nach Moskau. 3000 Kilometer in 19 Tagen wollen sie abfahren, die reine Fahrtzeit beträgt rund 130 Stunden. Die Route führt via Bodensee über den Vorarlberg nach Innsbruck, Linz, Prag, Warschau, Brest, Minsk und schliesslich Moskau (siehe Grafik). Für beide ist es die bisher längste Tour, welche sie in Angriff nehmen.

19 Tage lang werden sie Wind und Wetter trotzen, Pannen und «Plattfüsse» in Kauf nehmen und physische und psychische Krisen meistern müssen. «Es wird sicher gute, aber auch harte Momente geben», sagt Ernst Salzmann dazu. «Die Strecke ist ziemlich präzis festgelegt», erklärt der 47-jährige Salzmann. Die Tagesetappen sind klar eingeteilt, einige Hotels sind bereits gebucht. Durchschnittlich strampelt das Team Gugger-Salzmann 160 Kilometer pro Tag. Die längste Etappe von Minsk nach Orsha beträgt 230 Kilometer, die kürzeste ist 90 Kilometer lang und führt über Brest. «Die Einreise nach Weissrussland wird zeitaufwendig sein», begründet Salzmann die kurze Strecke. Radfahrer seien hier nicht oft gesehene Grenzgänger, Probleme seien vorprogrammiert. Zumindest hätten sie seit kurzem endlich das Visum in der Tasche.

Radeln für einen guten Zweck

Die beiden Krauchthaler treten aber nicht umsonst in die Pedale. «Unsere Reise soll auch sinnvoll sein», erklärt Initiant Ernst Salzmann. Er hatte die Idee, die Tour mit einer Spendenaktion zu verknüpfen. Das Radteam sammelt Kilometerrappen. Jeder kann sich beteiligen, ausmachen würde dies bei 3000 Kilometern genau 30 Franken. Das gesammelte Geld kommt dem Batzebär der Berner Kinderkliniken zugute. Mit dem Fonds werden schwer kranken Kindern Behandlungen durch Fachärzte sowie eine psychische Betreuung ermöglicht.

Roland Gugger wie auch Ernst Salzmann sind erfahrene Tourenbiker. Kennen gelernt haben sich die beiden durchs Velofahren. Letzten Sommer unternahmen sie zum ersten Mal zusammen eine Tour ins schwedische Malmö. «Um Mensch und Material zu testen», wie der 52-jährige Gugger augenzwinkernd sagt. Und weil das Team damals harmonierte, brechen sie nun morgen nach Moskau auf.

Ein erster Höhepunkt erwartet die Radsportler im tschechischen Kamenny, der Partnergemeinde von Krauchthal. Hier werden sie vom Bürgermeister persönlich empfangen und für eine Nacht beherbergt. Je einen Ruhetag werden Salzmann und Gugger in Prag, Warschau und Minsk einlegen, um sich die Städte anzusehen und vor allem um kurz zu verschnaufen und «dem Hintern einen Tag Erholung zu gönnen».

Radeln mit Gepäck

20 bis 25 Kilogramm Gepäck werden die Radsportler je mit sich schleppen, «nur das Nötigste»: Kleidung, Apotheke, Verpflegung, Ersatzteile, Werkzeuge, GPS und Karten. «Regelmässig trinken ist wichtig», antwortet Gugger auf die Frage, was besonders zu beachten sei. Ihr oberstes Gebot: Niemals die letzte Wasserflasche öffnen, bevor nicht für Nachschub gesorgt ist. Und während der Fahrt mal einen Energieriegel zu sich nehmen, das könne bei Krisen auch helfen, sagt der Profi. «Aber», fügt Salzmann an, «wir werden schon auch Pausen einlegen.» Zu Recht – immerhin sitzen sie rund acht Stunden täglich auf dem Rad. «Schmerzfrei wird es sicher nicht gehen.» Das wissen beide.

Radeln auf der Autobahn

Das Kartenmaterial hat Ernst Salzmann im Internet zusammengetragen. So viel, wie eben zu finden war. Ab Warschau rechnet der Bauführer mit der einen oder anderen Überraschung: «Der weissrussische Botschafter in der Schweiz beispielsweise sagte mir, dass wir durch sein Land am besten auf der Autobahn fahren, denn die gehöre allen.»

Am 16.August geht die Radtour dann nach 3000 Kilometern auf dem Roten Platz von Moskau zu Ende. Erwartet werden die wohl erschöpften Radler von ihren Gattinnen Marianne Salzmann und Gabi Gugger, die per Flugzeug nach Moskau einreisen werden. Am 20.August, nach einem kurzen Sightseeingaufenthalt, fliegen alle wieder zurück in die Schweiz.

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