Schangnauerin für ihr Lebenswerk geehrt

Schangnau

Als junge Frau zog sie in die Welt hinaus, um den Menschen zu helfen. Am Sonntag ernannte Schangnau Elisabeth Neuenschwander (81) zur ersten Ehrenbürgerin.

Ehre für ihr Lebenswerk: Ursula Hadorn (links) und Ernst Aegerter  zusammen mit der neuen Ehrenbürgerin Elisabeth Neuenschwander.

Ehre für ihr Lebenswerk: Ursula Hadorn (links) und Ernst Aegerter zusammen mit der neuen Ehrenbürgerin Elisabeth Neuenschwander.

(Bild: Hans Wüthrich)

Rote Gerbera und weisse Doldenblumen schmücken in den Farben des Gemeindewappens Chor und Taufstein der Kirche Schangnau. Nach und nach füllen sich die Kirchenbänke mit Menschen. Die Kirche ist fast bis auf den letzten Platz besetzt, als sich die Regenwolken verziehen und die Sonne durch die Kirchenfenster ins Innere leuchtet.

Die Einwohnergemeinde und die Kirchgemeinde haben gestern Vormittag zur Feier für die erste Ehrenbürgerin von Schangnau eingeladen. Feierlich ist denn auch der Empfang der 81-jährigen Elisabeth Neuenschwander. Sie zog einst als junge Frau in die Welt hinaus, um zu helfen. An der Seite von Gemeindepräsident Ernst Aegerter schreitet die Ehrenbürgerin in die Kirche. «Es ist höchste Zeit, das Lebenswerk von Elisabeth Neuenschwander in der Heimat zu ehren», sagt Aegerter. Unterstützung erhält Ernst Aegerter von Kirchgemeindepräsidentin Ursula Hadorn und Regula Spinner aus Zollikon. Letztere ist langjährige Begleiterin der Geehrten. «Was diese Frau in ihrem Leben geleistet hat, ist gewaltig», betont Regula Spinner. Anfänglich betreute sie tibetanische Flüchtlinge in Indien und Nepal und erteilte als gelernte Damenschneiderin leprakranken Frauen Nähunterricht. Später baute Elisabeth Neuenschwander eigene Projekte auf, um den Menschen in Pakistan und Afghanistan Arbeit und Verdienst zu ermöglichen. Mittlerweile werden dort in ihren Schulen gegen 2000 Mädchen und Buben unterrichtet. Zudem eröffnete sie im letzten Jahr in Kabul ein «Women-Center», in dem 50 junge Frauen Nähen, Lesen und Schreiben lernen. «Elisabeth hat erreicht, dass die Frauen dort selbstsicherer und sicherer leben», so Regula Spinner weiter.

Eine echte Emmentalerin

Aufgewachsen ist Elisabeth Neuenschwander im Neuhüsi an der Hauptstrasse in Richtung Marbach als viertältestes von elf Kindern. Mit 20 Jahren ging sie mit dem dänischen Dienstmädchen des Schangnauer Pfarrers nach Dänemark. Sie begann Sprachen zu lernen; heute spricht sie Englisch, Französisch, Dänisch, Arabisch, Tibetisch sowie Urdu. Vor sechs Jahren wurde sie für den Friedensnobelpreis nominiert.

«Als echte Emmentalerin ist sie nicht einfach einzuordnen», sagt Roland Jeanneret in seiner Laudatio. Der bekannte Moderator und Journalist schreibt derzeit ein Buch über Neuenschwanders Wirken. Er ist überzeugt, «sie hat in Schangnau gelernt, wie man sich in der weiten Welt bewegt.» Die in Bern lebende Elisabeth Neuenschwander gibt sich ob all der Ehre bescheiden. «Ich bin sehr gerührt, es ist wie ein Heimkommen nach vielen Jahren.»

Berner Zeitung

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