Rufener wird jetzt Stromproduzent

Langenthal

Christine und Thomas Rufener wollen auf dem Dach ihres Reitbetriebs eine Solaranlage bauen. Ziel ist, die Anlage zertifizieren zu lassen und den Strom danach selbst zu vermarkten.

Thomas Rufener, Stadtpräsident und privat Besitzer des Stalles Badgut, baut auf dem Dach der Reithalle eine Fotovoltaikanlage mit einer erwarteten Leistung von etwa 250'000 Kilowattstunden Strom.

Thomas Rufener, Stadtpräsident und privat Besitzer des Stalles Badgut, baut auf dem Dach der Reithalle eine Fotovoltaikanlage mit einer erwarteten Leistung von etwa 250'000 Kilowattstunden Strom.

(Bild: Thomas Peter)

Langenthals Stadtpräsident Thomas Rufener (SVP) ist zusammen mit seiner Familie Besitzer des Stalles Badgut, eines Pferdebetriebs am Stadtrand an der St.-Urban-Strasse. Auf dem Dach ihrer Reithalle will die Familie Rufener jetzt eine Fotovoltaikanlage bauen. Dabei handelt es sich um eine Anlage mit einer Jahresleistung von etwa 250'000 Kilowattstunden. Das entspricht einem Jahresbedarf von etwa 70 Haushalten und etwa der sechsfachen Menge, die sein Reitbetrieb selbst braucht.

Ins IBL-Netz einspeisen

Er beschäftige sich seit einiger Zeit mit Sonnenenergie; in den letzten Monaten habe die konkrete Planung für die Solaranlage stattgefunden, sagt Rufener. Die Voraussetzungen auf dem Dach seines Betriebs sind gut – davon ist er aus verschiedenen Gründen überzeugt: «Die Dachfläche und die Ausrichtung sind äusserst geeignet.» Hinzu komme, dass die technischen Voraussetzungen dank der nahen Schule Inforama Waldhof gut seien. Das bedeutet: Die Industriellen Betriebe Langenthal (IBL) als Betreiberin des städtischen Stromnetzes müssen nur geringe bauliche Massnahmen vornehmen, weil beim Inforama bereits eine Trafostation steht. Der Solarstrom wird somit ins Netz der IBL eingespeist – und über dieses vertrieben. Rufeners Betrieb, der den Solarstrom nutzen will, kann direkt keinen Strom von der Anlage beziehen. Das einzurichten, wäre technisch kompliziert und zu teuer.

Die Familie Rufener will den Strom indes selbst vermarkten und verkaufen. Dies werden sie über sogenannte Herkunftszertifikate tun. «Wir wollen die Fotovoltaikanlage bei der Firma Naturemade Star zertifizieren lassen», sagt er. Kunden können schliesslich für einen Aufpreis zum Normalstrom erneuerbare Energie kaufen. «Wir werden das für unseren Eigenbedarf ebenfalls tun.» Er sei gespannt, wie die Nachfrage sein werde, sagt der seit sieben Jahren amtierende Stadtpräsident. Er hat diverse potenzielle Kunden persönlich angeschrieben. Zusammen mit Fachleuten aus der Solarbranche will er zudem an den Dressurtagen des Stalles Badgut an einem Infostand Interessierte beraten. «Wir bieten einen lokalen Bezug zur erneuerbaren Energie und eine Anlage, mit der ersichtlich ist, woher der Strom kommt.»

Auch bezüglich des Preises ist er überzeugt, konkurrenzfähig zu sein: 14 Rappen pro Kilowattstunde sind vorgesehen. Kunden können Bezugspakete à 100 Kilowattstunden kaufen. «Wir mussten eine Mindestgrösse definieren», erklärt er. Mindestbestellmenge sind deshalb 5 Bezugspakete à 100 Kilowattstunden. Rufener nennt ein Beispiel: Eine vierköpfige Familie kann mit 500 Kilowattstunden etwa ein Jahr lang einen Elektroherd betreiben. Für einen Familienhaushalt in einem Mehrfamilienhaus rechnet er mit einem jährlichen Verbrauch von etwa 4000 Kilowattstunden. Das würde beim Stall Badgut – zusätzlich zum normalen Strombezug – im Jahr 560 Franken kosten.

Bau beginnt in zwei Wochen

Dass er mit diesem Angebot der IBL Konkurrenz macht, die ebenfalls Ökostrom verkauft, glaubt Rufener nicht. Vielleicht trage diese Anlage sogar zu höherem Konsum von erneuerbarer Energie bei, davon könnten auch die IBL profitieren. «Sie haben mich zudem bei der Planung stark unterstützt.» Zu den Investitionskosten macht er keine detaillierten Angaben. Er sagt nur, es seien etwas mehr als 500'000 Franken – oder nur wenig über zwei Franken pro Kilowattstunde erwartete Leistung. Der Bau der Fotovoltaikanlage beginnt in zwei Wochen. Sie werde auf einer Fläche von 1900 Quadratmetern aus 1062 Solarmodulen bestehen, «farblich und betreffend Anordnung sorgfältig eingebettet in die Gebäudegruppe».

Bewusst sei nicht der Weg der kostendeckenden, staatlichen Einspeisevergütung gewählt worden. «Wir suchen den direkten Draht zu den Kunden, die einen Beitrag zur Förderung von erneuerbarer Energie leisten wollen», sagt Rufener. «Dafür nehmen wir auch ein unternehmerisches Risiko in Kauf.»

Berner Zeitung

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