Langenthal

«Ruckstuhl bleibt in Familienbesitz»

LangenthalDer starke Franken setzt auch der Teppichfabrik Ruckstuhl zu. «Wir haben im Euroraum sowohl beim Umsatz als auch bei der Marge je circa 15 Prozent verloren», sagt Firmenchef Peter Ruckstuhl (61).

Teppichfabrikant Peter Ruckstuhl sagt, das Teppichsortiment sei zunehmend modischer und bunter. 
«Wir lancieren immer wieder neue Farben.»

Teppichfabrikant Peter Ruckstuhl sagt, das Teppichsortiment sei zunehmend modischer und bunter. «Wir lancieren immer wieder neue Farben.» Bild: Thomas Peter

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Herr Ruckstuhl, von Ihrer Firma hat man in den vergangenen Jahren kaum mehr etwas gehört. Wie geht es der Teppichfabrik Ruckstuhl?
Peter Ruckstuhl: Als exportorientiertes Unternehmen mit einer Exportquote von circa 70 Prozent sind wir stark vom Euro abhängig. Entsprechend haben wir im letzten Jahr im Zuge der Eurokrise respektive der Frankenstärke im Euroraum deutlich Umsatz und Marge verloren. Die Exportquote beträgt jetzt noch rund 60 Prozent.

Können Sie die Einbussen beziffern?
Wir haben im Euroraum sowohl beim Umsatz als auch bei der Marge je circa 15 Prozent verloren. Noch fast fataler als der Eurozerfall hat sich bei uns negativ ausgewirkt, dass das Vertrauen und die Konsumentenstimmung in vielen europäischen Ländern stark gelitten haben. Das hat dazu geführt, dass die Konsumenten auf gewisse Investitionen verzichten, beispielsweise auf neue Teppiche.

Wie sieht das Ergebnis 2011 unter dem Strich aus?
Wir haben im letzten Jahr einen Umsatzverlust von rund 8 Prozent erlitten. Der Umsatz betrug noch knapp 15 Millionen Franken. Damit haben wir es haarscharf in die schwarzen Zahlen geschafft.

Wie haben Sie auf die starken Umsatz- und Margenverluste reagiert?
Einen Teil konnten wir kompensieren, indem wir unsere Spinnereiaufträge neu vergeben haben. Seit dem letzten Jahr lassen wir nichts mehr in der Schweiz spinnen, sondern nur noch im Euroraum. Für die schweizerische Spinnereiindustrie finde ich das sehr schade, aber es ging nicht mehr anders.

Das allein hat wohl kaum gereicht.
Das stimmt. Wir geben auch mit Innovationen und neuen Produkten Gegensteuer. So ist unser Teppichsortiment zunehmend modischer und bunter. Wir lancieren immer wieder neue Farben.

Und wo haben sie auf der Kostenseite sonst noch den Hebel angesetzt?
Wir haben schon gespart. Aber ich bin der Ansicht, dass man eine Firma auch tot sparen kann. Wir glauben, dass wir das Sparpotenzial ausgeschöpft haben. Wir sind daher eher vorwärts orientiert. So wollen wir in Fernost in Hongkong sowie im Mittleren Osten neue Verkaufsbüros eröffnen.

Stellen haben Sie keine abgebaut?
Im letzten Jahr gab es bei uns keine Entlassungen. Punktuell haben wir über die natürliche Fluktuation ein paar wenige Stellen abgebaut. Wir beschäftigen jetzt in Langenthal noch 85 Mitarbeitende. Hinzu kommen circa 10 Personen im Verkauf im Ausland. Dieser Personalbestand liegt rund 15 Prozent tiefer als vor zehn Jahren. Wir haben in den vergangenen Jahren vor allem in der Produktion die Effizienz gesteigert.

Gerade in der Maschinenindustrie reagieren viele Unternehmen mit Produktionsauslagerungen ins Ausland auf die Eurokrise. Ist das bei Ihnen auch ein Thema?
Nein. Wir halten am Produktionsstandort Langenthal fast. Wir haben vor rund zehn Jahren gemerkt, dass in der Eurozone nicht alles nur einfacher ist. Zudem erfordert ein zweiter Standort einen grossen Managementaufwand. Die Einsparungen bei den Löhnen würden daher durch den Zusatzaufwand beim Management und bei der Qualitätskontrolle wieder zunichte gemacht. Hinzu kommt, dass die Rohstoffkosten bei einer Auslagerung die gleichen wären. Aber gerade die machen uns auch Sorgen.

Inwiefern?
Die Rohfaser Wolle ist massiv teurer geworden. Das hat drei Gründe. Erstens haben Rohstoffspekulanten nun auch die Wolle entdeckt. Zweitens ist die Nachfrage der Chinesen nach Wolle massiv gestiegen. Und drittens hat Neuseeland als grösstes Herkunftsland die Produktion wegen der in der Vergangenheit schlechten Preise laufend gedrosselt.

Produziert Ruckstuhl wirklich alle Teppiche in Langenthal?
Fast. Und das wird von unseren Kunden sehr gut aufgenommen. Die Ausnahme sind unsere neuen Outdoorteppiche aus Kokos sowie von Hand gesponnene Teppiche, die wir in Indien herstellen lassen.

Wie laufen die Geschäfte aktuell?
Die Monate Januar und Februar waren schlecht. Im März lief es besser, aber wir sind immer noch in Rücklage. Eine weitere Verschärfung der Eurokrise würde uns stark treffen.

Sie werden in diesem Jahr 62 Jahre alt und leiten das Unternehmen seit 1985. Da stellt sich die Frage nach dem Generationenwechsel.
Die fünfte Generation steht bereit. Unser Sohn Samuel, der 30 Jahre alt ist, arbeitet bereits in der Firma. Es ist vorgesehen, dass ich ihm nach und nach mehr Verantwortung übergebe. Mitte 2015 wird er die Leitung des Unternehmens übernehmen. Die Teppichfabrik Ruckstuhl bleibt somit in Familienbesitz.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 10.04.2012, 08:37 Uhr

Die Firma

Das Familienunternehmen Ruckstuhl produziert in Langenthal seit 1881 Teppiche im Web- und Tuftingverfahren. Peter Ruckstuhl (61) übernahm die Leitung des Unternehmens 1985 in vierter Generation.
Zunächst wurden vor allem Hartfasern wie Kokos und Sisal verarbeitet. Seit den 1979er-Jahren wurde das Materialspektrum laufend erweitert. Heute macht die Schurwolle einen Grossteil des Sortiments aus.
Ab Mitte der 1960er-Jahre baute Ruckstuhl kontinuierlich das Exportgeschäft auf und aus. Heute werden fast zwei Drittel des Umsatzes in Europa, in den USA und im Fernen Osten gemacht. Ruckstuhl hat Tochtergesellschaften mit Showrooms in Mailand, Paris und New York.

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