Sumiswald

Raum für Nonnenstolz und Ideen

SumiswaldDer Ausbau der Dorfkäserei ist nach sechs ­Monaten gut unterwegs. Im Mai ist, wie geplant, Eröffnung. Die ­Vergrösserung der Produktion ist für Inhaber Niklaus Käser wirtschaftlich überlebenswichtig.

Der Umbau der Dorfkäserei ist auf Kurs: Chef Niklaus Käser (vorne) und Verwaltungsratspräsident Hans Haslebacher neben den neuen Milchtanks.

Der Umbau der Dorfkäserei ist auf Kurs: Chef Niklaus Käser (vorne) und Verwaltungsratspräsident Hans Haslebacher neben den neuen Milchtanks. Bild: Thomas Peter

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Mit dem Ausbau der Dorfkäserei in Sumiswald ist alles in Butter. Sechs Monate nach dem Spatenstich ist man auf Kurs. Anfang Mai soll eröffnet werden, mit beinahe nahtlosem Übergang. Die Käserei wird nur im April für zwei Wochen geschlossen. Auch die veranschlagten Kosten von 2,5 Millionen Franken werden wohl nicht überschritten.

Alles läuft also nach Plan bei jener Käserei, die sich mit dem preisgekrönten Nonnenstolz-Käse einen Namen gemacht hat und sogar in den Regalen der Migros vertreten ist.Zum Glück. Denn der Ausbau ist für die Dorfkäserei überlebenswichtig.

Zu eng war es in dem Haus aus den 1960er-Jahren, und die Infrastruktur war schon lange alles andere als auf dem neusten Stand. Niklaus Käser, der den Betrieb seit 1984 führt, sagte es dieser Zeitung einst so: «Die Anforderungen eines Qualitätsbetriebs sind nicht mehr erfüllt.»

Nicht nur die Qualität war ein Problem, auch die Quantität. Mit den engen Platzverhältnissen war es nicht mehr möglich, den Betrieb rentabel zu führen. Hans Has­lebacher, Verwaltungsratspräsident der Dorfkäserei AG, macht klar: «So hätten wir es nicht mehr lange gemacht. Immer musste wieder etwas geflickt werden, das ging ins Geld.»

Der Neubau nimmt Gestalt an

Seit sechs Monaten also läuft alles wie am Schnürchen an der Spitalstrasse in Sumiswald. Das neue Produktionsgebäude, das nahtlos an die alte Käserei angebaut wurde, steht, muss aber noch verputzt werden. Im oberen Stockwerk sind die Handwerker daran, die Technik für die Lüftung und die Kühlräume zu installieren.

Drei frisch angelieferte Tanks stehen unter dem Dach, die dereinst je 6000 Liter Milch fassen werden. Im Erdgeschoss wird der Grünkeller gerade verschalt, wo dereinst der Halbhartkäse die ersten vier Wochen reifen wird. Auch die Wannen für die Salzbäder stehen schon. Und der Raum für die künftige Weichkäseproduktion nimmt langsam Gestalt an.

Die alte Käserei geht nahtlos in das neue Produktionsgebäude über. Ostseitig wird künftig die Milch aus der Region angeliefert. Bild: Thomas Peter

Schwerer Anfang

Schon bald ist es also so weit, dass Niklaus Käser umsetzen kann, was er sich mit dem Ausbau erhofft hat: nämlich mit der gleichen Anzahl Mitarbeitenden fast die doppelte Menge zu produzieren. Statt 800 000 Kilo sollen künftig 1,4 Millionen Kilo Milch zu Käse verarbeitet werden. Käser hat insgesamt drei Mitarbeitende mit total 200 Stellenprozent und einen Auszubildenden.

So reibungslos, wie der Umbau jetzt vonstattengeht, lief es nicht immer. Niklaus Käser wollte schon vor zwei Jahren umbauen. Da fehlte aber das Geld, und die Suche nach einem Investor verlief im Sand.

Dann hatten Käser und Haslebacher die zündende Idee: mehr Aktionäre. Mit Erfolg. Die Erhöhung des Aktienkapitals von 188 000 Franken auf eine halbe Million Franken ging erstaunlich rasch über die Bühne.

Heute beträgt es sogar 623 000 Franken mit 330 Aktionären. Die meisten kommen aus der näheren Umgebung. Es gibt aber auch welche aus Zürich, Solothurn und dem Aargau. Neben der Kapitalerhöhung halfen die Bernische Stiftung für Agrarkredite und die Berghilfe, den Umbau zu finanzieren.

Mehr geht nicht

Mehr als dreissig Jahre lang war Niklaus Käser es gewohnt, auf kleinstem Raum seinen Käse ­herzustellen. Schon bald wird er so viel Platz haben wie noch nie, also auch Raum für neue Ideen. Und die hat er. Verraten will er aber noch nichts. Nur so viel: ­«etwas im Weichkäse- und Biobereich».

Auch wenn man Käser den Erfolg wünscht, nochmals vergrössern wird er seinen Betrieb nicht mehr können. Rund ums Haus sind die Flächen erschöpft, fast jeder Zentimeter ist genutzt. Wenn, dann müsste ein anderer Standort her. «Das war nie ein Thema», erklärt Hans Haslebacher. «Uns war wichtig, dass die Käserei im Dorf bleibt und nicht irgendwohin ins Industriegebiet verschwinden muss.» Eine richtige Dorfkäserei eben.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 14.02.2017, 21:15 Uhr

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