Raiffeisen macht drei Filialen im Emmental dicht

Signau, Röthenbach und Schangnau verlieren Bankenschalter und Bancomaten auf Ende Monat. Die Genossenschaftsbank baut unter Druck stärker auf die Beratung in Langnau und Eggiwil.

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Paukenschlag bei der Raiffeisenbank Oberes Emmental: Die drei Geschäftsstellen in Röthenbach, Schangnau und Signau werden in gut drei Wochen geschlossen. Auch die Bancomaten vor Ort werden abgebaut.

«Der Veränderungsdruck ist so intensiv wie noch nie», begründete Verwaltungsratspräsident Marco Mutzner am Dienstag und skizzierte die schwierige Geschäftslage im ­Bankensektor: schwindende Margen, technologischer Wandel, neue gesetzliche Vorgaben, dazu die starke Belastung durch Negativzinsen. Und die Schalter, die kaum mehr Frequenzen aufweisen und daher schon lange nicht mehr wirtschaftlich sind.

Der Brief an die betroffenen Raiffeisen-Kunden. Zum Vergrössern hier klicken.

«Wir sind gezwungen, die Frage nach der Berechtigung zu stellen», so Mutzner. Schliesslich sei, betont er, der strategische Entscheid nicht gefallen, weil die Genossenschaftsbank ihren Gewinn optimieren wolle. Sondern, das wird deutlich, weil sie kaum mehr Spielraum hat. Die Eigenmittel liegen unter der verlangten Quote: Statt 15,6 Prozent bringt die Raiffeisenbank Oberes Emmental nur gerade 12,41 Prozent auf.

Und ist damit von der künftigen Anforderung von 18 Prozent an eigenen Mitteln recht weit entfernt. Diese Lücke zu schliessen, ist zentral für die Bank, daher will sie ihre Genossenschafter dafür gewinnen, weitere Anteile zu zeichnen. Gleichzeitig müssen die Kosten gesenkt werden. Mutzner: «Dieser Schritt ist nötig, damit wir uns weiter behaupten können.»

Bargeld gibt es neu beim Beck

Für Röthenbach und Schangnau hat die Raiffeisenbank Oberes Emmental auch nach Ende November zumindest eine Alternative anzubieten. Bargeld gibt es da ab 4. Dezember in der Bäckerei Bieri: Inhaber einer Maestro- oder Kreditkarte können bis zu 500 Franken pro Tag beziehen. Gemessen an den heutigen Öffnungszeiten der Banknieder­lassungen – drei beziehungsweise vier Halbtage – ein kleiner Vorteil.

Keine Ersatzlösung ist für Signau vorgesehen. Die Verantwortlichen verweisen, danach gefragt, auf den Bancomaten der Valiant. Rund 10 000 Franken an Ertrag hätten die beiden eigenen Geräte in Röthenbach und Signau erzielt, demgegenüber stehen Kosten von 30 000 bis 40 000 Franken an Wartungskosten jährlich, rechnete Reto Müller vor.

Der Vorsitzende der Bankleitung erklärte damit auch, warum die Raiffeisenbank Oberes Emmental nicht in einen neuen externen Bancomaten in Signau 120 000 Franken investieren will.

Personal wird nicht abgebaut

Den Spareffekt durch die Schliessung der drei Standorte könne er nicht in Franken benennen, sagt Müller. «Es ist ein stolzer Betrag.» An den drei Standorten arbeiten aktuell vier Mitarbeitende im Umfang von je 40 Stellenprozenten. Drei von ihnen arbeiten weiter, eine habe vor der Ankündigung gekündigt. Zwei Mitarbeitende pendeln bereits zwischen Schangnau und Eggiwil.

Künftig werden sie am Hauptsitz in Langnau und am Standort Eggiwil die Teams verstärken. Diese Aufstockung sei nötig, um die Beratungen der Kunden zu ­intensivieren. Darin sehen Müller und Mutzner die Möglichkeit, mehr Ertrag zu erzielen.

Berner Zeitung

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