Rätsel um UFO über Burgdorf ist gelöst

Burgdorf

Vermutlich schwebten am 27.März Papierballone über das nächtliche Burgdorf. Sie sorgten am Boden für ziemlichen Wirbel.

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Johannes Hofstetter

Es hat ein Weilchen gedauert. Aber jetzt scheint das Mysterium keines mehr zu sein: Bei den Leuchtkugeln, die am 27.März um 21.30 Uhr über Burgdorf hinweggeschwebt waren, handelt es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um mit Kerzen angetriebene Luftballone.

«So Papierdinger»

Erste Hinweise darauf gaben gestern Morgen drei Kommentatoren in der Onlineausgabe dieser Zeitung: «Zu 100 Prozent sind dies so Papierdinger, wo unten eine Kerze montiert wird. Diese Dinger gehören inzwischen zu jeder Hochzeit», postulierte Leser «Peter Münger». User «Pwei» tippte auf «selbst gebastelte Ballone mit LEDs; kann man für 5 Franken im Fachhandel kaufen.» Ein «Peter Kaderli» schrieb: «Entweder haben Ausserirdische speziell Interesse an Burgdorf, oder es handelt sich um Wunschballone. Die Dinger sind ja zurzeit ziemlich beliebt.»

Im Feld und im Garten

Den Fall wohl endgültig gelöst haben wenig später die Leserinnen Elisabeth Neuenschwander aus Burgdorf und Käthi Breitenstein aus Koppigen. Unabhängig voneinander berichteten sie, dass sie in ihrem Garten beim «Sommerhaus» und auf einem Feld bei Koppigen zerknitterte Gebilde aus Seidenpapier gefunden hätten, die verblüffende Ähnlichkeiten mit Ballonen aufwiesen, die oft an Festen steigen gelassen werden.

Zur Bestätigung ihrer These las Käthi Breitenstein vor, was vor dem Start «ihres» Ballons mit Filzstift auf dessen Hülle geschrieben worden war: «Familie Flower-Power», «Eleonor Marie», «Gesundheit und Mut» konnte sie, nebst anderem, entziffern.

Der Mitarbeiter der Urania-Sternwarte in Zürich hatte also nicht Unrecht, als er die Leuchtkugeln als «sehr lokales Phänomen» bezeichnete. Weitere Deutungsmöglichkeiten fielen nach Anfragen bei Experten nach und nach ausser Betracht.

Kein Wetterballon

Ralph Rickli von Meteotest in Bern teilte mit, es könne sich unmöglich – und entgegen der Vermutung der Jura-Sternwarte in Grenchen – um Wetterballone gehandelt haben. Normalerweise sei nur ein solches Gerät auf einmal im Einsatz. Abgesehen davon könne man eine derartige Sonde bei dem Regen, der in jener Nacht über Burgdorf niedergegangen sei, vom Boden aus unmöglich sehen.

Der Gedanke an einen UFO-Überflug war nach einem Mail an die Pressestelle von Skyguide schnell verflogen: «Am 26.März wurde zum erwähnten Zeitpunkt nichts Besonderes beobachtet», schrieb Maude Rivière von der schweizerischen Flugsicherungsgesellschaft zurück.

Das kann die Armee nicht

Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) erklärte sich als nicht zuständig für die himmlische Erscheinung: «Die Armee kann und macht vieles, aber leuchtende und schwebende Kugeln, die nicht flackern und wie an Schnüren gezogen horizontal durch die Luft gleiten – nein, das können wir beim besten Willen nicht bieten», teilte Informationschef Christoph Brunner mit.

Zwei Dutzend Leserinnen und Leser haben sich in den letzten Tagen auf der Redaktion dieser Zeitung gemeldet, um ihre Kugelbeobachtungen zu schilden. Dank der Ballonfunde wissen sie nun, dass «da oben» tatsächlich etwas war. Und dürfen darauf hoffen, dass ihre Bekannten ab sofort etwas weniger skeptisch gucken, wenn sie ihnen von den merkwürdigen Flug-Zeugen erzählen.

Unidentifiziert sind die fliegenden Objekte jetzt ja nicht mehr.

Berner Zeitung

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