Platz machen für die Kunst

Trubschachen

In wenigen Tagen öffnet die Kunstaus­stellung ihre Türen. Doch vorher gilt es die Schulhäuser ­Hasenlehn und Dorf leer zu räumen, denn die Gemälde werden in den Schulzimmern ausgestellt.

Alles muss raus: In den nächsten Tagen verwandeln sich die Schulzimmer in Ausstellungsräume. Die Schüler packen mit an.

Alles muss raus: In den nächsten Tagen verwandeln sich die Schulzimmer in Ausstellungsräume. Die Schüler packen mit an.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Jacqueline Graber

«Die Pflanzen könnt ihr in den Korridor stellen. Und das Klavier kommt in den Windfang.» Während Schulleiter Walter Guggisberg mithilft, sein Büro zu räumen, ist im Gang ein Hin und Her.

Schülerinnen und Schüler sind damit beschäftigt, Stühle und Pulte in den oberen Stock zu buckeln. Auch das Schlagzeug aus dem Musikzimmer muss noch in den Werkraum gebracht werden.

Arbeiten nach Plan

Es ist keine normale Züglete, was sich gestern im Schulhaus Hasenlehn in Trubschachen abgespielt hat: «Wir nennen es Demobilisierung», sagt Guggisberg. Das Wort, das in Wikipedia mit der Auflösung einer Streitmacht beschrieben wird, hat in diesem Fall eine ganz andere Bedeutung: Das Schulhaus leer räumen für die 20. Kunstausstellung in Trubschachen. Denn ab dem 1. Juli werden in den Schulhäusern Hasenlehn und Dorf rund 200 Gemälde von Schweizer Künstlern ausgestellt.

Obwohl es für Walter Guggisberg, der bereits 41 Jahre als Lehrer und davon 31 Jahre als Schulleiter in der Schule Trubschachen arbeitet, bereits die 14. Ausstellung ist, ist es immer aufs Neue eine logistische Herausforderung. Aus diesem Grund hat er auch heuer detaillierte Pläne ausgearbeitet. Ihnen ist zu entnehmen, welche Lehrpersonen mit ihren Schülerinnen und Schülern wann, was und wohin zügeln.

Weiter ist festgehalten, an welchem Tag das Klimagerät im Gang montiert wird. Und wann die Reinigungsarbeiten stattfinden. Weiter steht dort, dass bis vorgestern Donnerstag der Un­terricht noch nach Stundenplan stattgefunden hat und am selben Abend die Eingangstüren mit schwarzem Plastik abgedeckt worden sind.

Am Freitagmittag war das Büro von Walter Guggisberg und sämtliche Schulzimmer, auch die im Schulhaus Dorf, leer. Nun hält für die nächsten vier Wochen der Kulturverein Trubschachen, der die Ausstellung organisiert, das Zepter in der Hand.

Zylinder ausgewechselt

Und weil viele Gemälde bereits angeliefert worden sind, werden im Verlauf des Tages bei sämtlichen Türen die Zylinder ausgewechselt. «Danach kommt kein Lehrer und kein Schüler mehr ins Gebäude.»

Selbst er als Schulleiter müsse sich beim Aufsichtspersonal ausweisen können, wenn er an seinem «neuen» Arbeitsplatz im Lehrerzimmer arbeiten wolle, erklärt Guggisberg und fügt hinzu, dass nach der Ausstellung nicht die Schülerinnen und Schüler, sondern Mitglieder des Kulturvereins die Pulte und Stühle zurück in die Klassenzimmer bringen würden.

Obwohl die Liegenschaft nun für die Schüler tabu ist, in die Sommerferien verabschieden können sie sich noch nicht. Nächste Woche findet die Schule ausserhalb der Klassenzimmer statt; da werden Ausflüge mit dem Velo, dem Zug oder zu Fuss gemacht, Zirkusnummern einstudiert und Exkursionen in den Wald unternommen. «Die Lehrer haben verschiedene Programme vorbereitet», sagt Guggisberg.

Doch nach diesen fünf Tagen heisst es dann definitiv «Ferien», eine Woche früher als in den anderen Schulen im Kanton Bern. «Wir haben die Zeit bereits 2016 eingespart», stellt Walter Guggisberg fest. Statt dreier hätten sie nur zwei Wochen Herbstferien gehabt.

Pädagogischer Gedanke

Guggisberg und seine Lehrerkollegen sind immer wieder bereit, diesen grossen Aufwand auf sich zu nehmen. Trotzdem stellt sich die Frage: Wäre es nicht einfacher, die Veranstaltung jeweils in den Sommerferien durchzuführen? «Das schon», räumt Guggisberg ein. Doch Walter Berger, der den Anlass 1964 ins Leben rief, sei selbst Lehrer gewesen. Und für ihn habe die Ausstellung einen pädagogischen Gedanken gehabt.

«Für Walter Berger hat die Ausstellung einen pädagogischen Gedanken gehabt.»Walter Guggisberg, Schulleiter

«Er wollte die Kunst zum Volk bringen.» Genauer gesagt, zu den Kindern und Jugendlichen. Und diesem Motto sei man treu geblieben. «Von der Eröffnung am 1. Juli bis zu den Sommerferien bleibt noch eine Woche.» Während dieser Tage hätten die Lehrer aus anderen Schulen die Möglichkeit, mit ihren Klassen die Ausstellung zu besuchen und allenfalls an einem Workshop teilzunehmen, erklärt Walter Guggisberg.

Die Kunstausstellung Trubschachen findet alle vier Jahre statt. Heuer von Samstag, 1., bis Sonntag, 23. Juli. Es ist bereits die 20. Ausgabe.

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