Langenthal

Pflanzen-Minarett verwirrt alle

LangenthalRatlosigkeit hüben und drüben: Das Minarett aus Weidenholz von Eugen Lüdi ist rechtlich kaum greifbar. Nicht einmal die Minarettgegner können sagen, ob sie gegen die Pflanze, käme sie aufs Dach der Moschee, opponieren würden.

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Eugen Lüdi stiftet mit seiner Idee Irritation: Gestern hat der Geschäftsführer der Langenthaler BBZ AG sein Minarett aus Weidenholz vorgestellt. Lüdi behauptet, die islamische Glaubensgemeinschaft in Langenthal könne das Blüten treibende Moscheetürmchen ohne Baubewilligung aufstellen. Und so auch das Bauverbot für Minarette umgehen, das die Schweizer im November 2009 in die Bundesverfassung gehievt haben.

Ob Lüdi recht hat, ist allerdings unklar. Langenthals Stadtbaumeister Urs Affolter sagte gestern auf Anfrage: «Um das Projekt beurteilen zu können, brauchen wir eine konkrete Anfrage.» So müsste Affolter wissen, wie hoch das Minarett im Blumentopf werden soll, wo es auf dem Dach der Moschee genau zu stehen kommt und welche Materialien verwendet werden.

«Bloss ein Spässli»

Etwas ratlos reagierte gestern auch Daniel Zingg, Sprecher des Aktionskomitees Stopp Minarett. Er räumte zwar ein, dass ein «pflanzliches Minarett» vermutlich nach anderen Massstäben zu beurteilen sei als ein konventioneller Moscheeturm. Entscheidend sei aber die Symbolik, die sich dahinter verberge. Ob sein Komitee, seit Jahren im Kampf gegen das echte Langenthaler Minarett, auch gegen die Topfpflanze opponieren würde, liess er offen. Zingg glaubt, dass sich «der Herr Lüdi mit seiner wilden Idee bloss ein Spässchen erlaubt», das nie realisiert werde.

Was ist ein Minarett?

Initiant Lüdi stritt nie ab, dass seine Weiden-Konstruktion auch provozieren solle. Trotzdem ist das Minarett im Blumentopf für ihn eine ernste Sache. «Mein Traum ist, dass jetzt überall in der Schweiz solche Minarette gepflanzt werden», sagte er.

Ob die Langenthaler Muslime diesen Traum erfüllen werden, ist ungewiss. Mutalip Karaademi, Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft, hat gesagt, man werde die Idee im Vorstand anschauen. Weit fortgeschritten sind die Diskussionen aber offenbar noch nicht. Daniel Kettiger, Anwalt der Langenthaler Muslime, sagte gestern: Er wisse nichts von einer solchen Weidenkonstruktion. Deswegen könne er vorerst auch keine Stellung dazu nehmen.

Der Text aus der Anti-Minarett-Initiative hilft übrigens auch nicht weiter: «Der Bau von Minaretten ist verboten», heisst es da. Wenn Initiant Lüdi sein Weiden-Minarett dereinst kreieren sollte, würde er es bauen oder nicht doch vielmehr flechten? Ein Leser eines Onlineforums brachte die Ratlosigkeit auf den Punkt: «Meine Frage, für die ich noch nie eine Antwort erhielt: Wann ist ein Minarett ein Minarett? In keinem Gesetz und keiner Verordnung ist der Begriff definiert.»

Lüftungsrohr mit Halbmond

Offenbar würde das Minarett aus Weiden tatsächlich in einer Grauzone wachsen. Das zeigt ein ähnlicher Fall aus Frauenfeld: Dort stritt man wegen eines Lüftungsrohrs mit Halbmond.

Vor Jahren hatten die Muslime ein solches Rohr bei ihrem Zentrum mit einem Halbmond dekoriert. Nach dem Ja zur Anti-Minarett-Initiative trat ein SVP-Politiker auf den Plan. Er wollte wissen, ob der Halbmond eine Bewilligung brauche. Auch der Zürcher SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer, Minarettgegner der ersten Stunde, schaltete sich ein. Aus seinen Voten lässt sich ableiten: Auch ein spriessendes Minarett ist ein Minarett. Schlüer sagte dem «Tages-Anzeiger»: Es sei egal, «wie hoch und dick der Turm ist und aus welchem Material er gefertigt ist. Das Zeichen des Minaretts ist der Halbmond.»

Die Frauenfelder Bauverwaltung winkte ab: Das Lüftungsrohr sei nichts weiter als ein Lüftungsrohr. Auf Langenthal umgemünzt: Topfpflanze bleibt Topfpflanze. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.01.2011, 10:13 Uhr

Die Montage zeigt einen Blumentopf auf der Moschee: Mit einem Minarett aus Weidenholz möchte Eugen Lüdi das Minarett-Verbot umgehen. (Bild: zvg/el)

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